Grandson: Lautstarker Protest
Dein Soundtrack zur Revolution ist das Mantra des kanadisch-amerikanischen Künstlers Grandson. Mittlerweile als Independent Artist unterwegs, besingt und -schreit er zeitgemäße gesellschaftliche Themen und schafft so einen Raum gemeinsamer Weltschmerz-Verarbeitung im Gasometer Wien am 13.02.2026.
Der dem Genre Alternative Rock / Alternative Rap zugehörige Künstler nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um kritisch diskutierte Themen in der Gesellschaft geht. Musik darf und soll schließlich auch politisch sein. So bringt er provokante, klar formulierte Texte mit seinem neuen Album Inertia auch nach Wien, wo er am Freitag seinen mit Wut aufgeladenen Weltschmerz mit der Menge verarbeitet. Zuerst eröffnet aber noch die Band Vower für ihn die Bühne im Gasometer.
Vower
Die aus verschiedensten Bands kommenden Mitglieder haben mit Vower („jemand, der verspricht“) eine neue Konstellation erschaffen, die sich irgendwo zwischen Post-Rock, Post-Hardcore und Progressive Metal einordnet. Ein harter Sound, der das noch spärlich gefüllte Gasometer aufwärmen soll. Davon lassen sie sich aber nicht entmutigen: Es wird sich ordentlich die Seele aus dem Leib geschrien, geheadbangt und ins Schlagzeug gehämmert, das erfrischenderweise auch recht weit vorne auf der Bühne Platz gefunden hat. Auch die Lichtshow kann sich für eine Vorband sehen lassen. Und so füllt sich das Gasometer etwas weiter, wobei eine halbe Stunde später und aufgrund der hohen Songlänge nach nur wenigen gespielten Songs auch schon wieder Schluss ist.
Grandson
Rund 1.000 verkaufte Tickets sind keine Anzahl, die das Gasometer voll werden lässt. Aber genauso wenig, wie es Vower entmutigt hat, stört es den amerikanisch-kanadischen Künstler. Gleich zu Beginn setzt er mit zwei Tracks des neuen Albums die Tonalität des restlichen Abends: „Autonomous Delivery Robot“ und „Bury You“. Der Ton lautet: Protest. Protest gegen Milliardäre, gegen Faschismus, gegen die Unterdrückung von Minderheiten und von Frauen. Das alles mit einer Attitüde, für die er sich nicht zu entschuldigen braucht. So spricht er seinem Publikum Mut und Mitgefühl zu, während er in den Songs, rappend bis schreiend, seine Wut und Verzweiflung gegenüber der Welt zum Ausdruck bringt.
Jesus was a 5’4″, brown-skin socialist Nothin‘ like the white man on that crucifix The truth is there, you just won’t notice it.
Textzeilen wie diese könnten die Standpunkte und die Art der Songs von Grandson kaum besser beschreiben. Mit messerscharfer Klinge (genauer gesagt harten Gitarrenriffs) betitelt er Doppelmoral und übt fleißig Gesellschaftskritik. Das Headbanging des Publikums kann dabei sogar als kräftiges Nicken verstanden werden. Über die Zeitspanne der nächsten guten Stunde entsteht ein Raum von Gleichgesinnten, die sich gegenseitig bestärken und ein Miteinander finden. Grandson liefert hierfür, wie er selbst sagt, nur den Soundtrack – der Herzschlag sei das Publikum. Ein Herzschlag, der sich zwischen den starken Instrumental-Drops in seinen Songs traut, laut zu sein. Als dazwischen einmal „Antifaschista“-Rufe laut werden, befeuert dies Grandson schlicht und ergreifend weiter und unterbricht sogar den Übergang zum nächsten Song.
Hoffnung durch Wut
Zwischen Circle Pit, einer Hommage an Tom Morello und zahlreichen loyalen Fans wird also freudig eine gemeinsame politische Einstellung gefeiert. Individualität, Freiheit und Vielfalt stehen dabei ganz im Vordergrund. Der Künstler auf der Bühne weiß dabei genau, wie man diesen Weltschmerz kanalisiert und geballt nach draußen lässt – eine Atmosphäre, in der dem ein oder anderen zwischen unzähligen deprimierenden Nachrichten der Außenwelt wohl ein kleiner Stein vom Herzen fällt.
Instrumental ist das Ensemble minimalistisch, aber lautstark grandios. Gesanglich überzeugt der Protestsänger zwar nicht immer, doch die Rap- und Schrei-Parts sind sowieso das, wofür man als Zuseher:in gekommen ist. Vor der Zugabe stimmt die Band dann sein bekanntestes Lied Blood // Water an, das live absolut sprachlos macht. Was bleibt also? Ein Abend, der zwar keinen riesigen Andrang vorzuweisen hat, dafür aber eine Community eng zusammenschweißt und einen Funken Hoffnung hinterlässt. Wer noch nicht in das neue Album Inertia reingehört hat: An dieser Stelle eine große Empfehlung.