Magda in der Szene Wien
Foto: Fabian Schwarzinger

Magda: Zimmerfrieden in der Szene Wien


Knapp ein Jahr ist es her, dass Magda ihre Debütsingle in die Welt gesetzt hat. Mit theatereskem Pop durfte sie bereits einige der größten Bühnen Deutschlands für u. a. Provinz eröffnen. Nach nur sechs veröffentlichten Songs ging sie nun auf eigene Tour, die sie in Wien zum Abschluss brachte.

Magda war letztes Jahr wohl für viele eine Neuentdeckung. Und plötzlich steht sie auch schon mit Indie-Größen wie Berq oder Provinz auf der Bühne und darf für diese eröffnen. Was macht diese Künstlerin, um sich dort einen Platz zu sichern? Naja, Magda macht Musik. Musik, die mit sanfter Stimme, zielsicheren Metaphern und einnehmenden Melodien Räume und Herzen füllt. Mit ihrer Debüt-EP Pflaster hat sie bewiesen, dass sie eine unverkennbare Stilistik und ein Gespür für authentische Gefühle an den Tag legt, die unwidersprechlich emotional berühren. Kein Wunder also, dass fast jede Venue auf der Tourliste hochverlegt und trotzdem ausverkauft worden ist. In der Szene Wien hat sie dann mit zahlreichen unveröffentlichten Tracks ihre erste eigene Tour glamourös beendet.

Mimi

Zuerst aber der Opener. Wahrscheinlich kennen sie eigentlich viel mehr, als sie selbst wissen. Sie hat nämlich gemeinsam mit ihrer Schwester Josy 2019 The Voice Kids gewonnen. Das Cover von Radioheads Creep zählt mittlerweile mehr als 100 Millionen Aufrufe auf YouTube. Genug aber davon. Seither ist viel passiert, und auch Mimi geht im Februar auf ihre erste eigene Tour. Davor darf sie jedoch für Magda eröffnen.

Mit zarten Texten besingt sie zum ersten Mal ein österreichisches Publikum. Pluspunkte sammelt sie mit einer Anekdote zwischen den Liedern, in der sie von ihrem ersten Kaiserschmarren erzählt. Nur blöd, dass sie sich direkt danach den Fauxpas leistet, diesen als „lecker“ zu bezeichnen (dass hier kurz peinlich berührte Stille im Publikum herrscht, gehört nun mal irgendwie zum österreichischen Nationalstolz, oder so). Das Publikum verzeiht ihr das aber recht schnell, sobald sie wieder alleine mit Gitarre und feinfühliger Stimme Emotionen von Liebe bis Weltschmerz besingt. In Teilen vielleicht etwas zu ruhig, doch als sie beim letzten Lied kurzerhand den ganzen Saal zu einem harmonischen Chor macht, spürt man bereits eine gewisse Magie.

Magda

Magie ist wohl das richtige Stichwort. Die Schauspielstudentin hat mit jedem ihrer bisher veröffentlichten Lieder bewiesen, dass es nicht viel braucht, um ganz viel zu sagen. Mit minimalistischem Bühnenbild – ein Tisch mit kleinem Leuchter darunter – zaubert sie eine kohärente Show, die von Anfang an in den Bann zieht. Wandrisse und Zeig mir sind die ersten beiden Songs, bei denen sich auch gleich zeigt: Das Publikum ist textsicher. Es braucht auch gar nicht mehr als diese zwei Lieder, bis die ersten Tränen vergossen werden. So fein und einnehmend schafft es Magda, Gefühle zu besingen. Unterstützt wird sie dabei von Johannes Schweiger am Klavier und Emme Steinmetz am Cello. Sie selbst übernimmt ebenfalls mal das Klavier, spielt Geige oder sogar Mundharmonika.

Sie fährt mit einigen unveröffentlichten Liedern fort. Wer aber glaubt, stilistisch sei nach ihrer Debüt-EP alles gesagt, hat sich geschnitten. Mit humoristischen Tracks, in denen sie über Lightning McQueen singt, bis hin zu theatralisch-französischen Songs über Liebe bewegt sie sich (schau-)spielerisch leichtfüßig von ruhig bis upbeat. Unapologetisch brilliert sie auf der Bühne und gibt dieses Gefühl von Sicherheit mühelos ans Publikum weiter. So entsteht eine Atmosphäre gemeinsamer Geborgenheit, die man nicht so schnell wieder verlassen möchte.

Die Pausen moderiert sie mit sympathischem Humor. Aber selbst da sagt sie lieber mehr mit wenigen Worten. Zu keiner Zeit wirkt sie auf der Bühne unaufgehoben – was aber nicht heißen soll, sie sei distanziert. Im Gegenteil. Sie erzählt auch von zutiefst persönlichen, schmerzlichen Erfahrungen, die sie zum Beispiel aufgrund ihrer Sexualität durchmachen musste. Zu diesem Anlass covert sie On brûlera („Wir verbrennen“) von Pomme, was ihr kurzerhand minutenlangen Applaus einbringt, als wäre es bereits das Ende des Konzerts. Dieser Augenblick zählt wohl jetzt schon zu meinen Lieblingsmomenten im ganzen Jahr und es wird klar: Magda schafft es mit augenscheinlicher Leichtigkeit, sich mit einer Mischung aus raumfüllenden Klängen und zärtlicher Sopranstimme in jedes Herz zu singen. Durch das Publikum geht ein kollektives Fühlen, das Magda gegen Ende mit einem Lied noch einmal treffend benennt: Zimmerfrieden.

Und als vor dem großartigen Abschluss mit Brich mich in einer Lyrics die Zeile Es ist Zeit zu gehen auftaucht, wünscht man sich doch noch so viel mehr von dieser einzigartigen Magie.

Fazit

Magda hat sich innerhalb kürzester Zeit völlig zu Recht einen Platz in der Musikwelt gesichert. Ein unverkennbarer Stil, brachiale Ehrlichkeit und große Gefühle sind ein Erfolgsrezept, womit sie wohl auch in Zukunft nicht nur zu meinen absoluten Lieblingskünstlerinnen zählen wird.

Im Zweifel vor dem großen Screen oder hinter der Kamera.