Beyond The Black
Foto: Lisa Tatzber

Rising High mit Beyond The Black

Die deutsche Band Beyond The Black lässt Wiener Konzertbesucher:innen in symphonische Metal-Sphären aufsteigen. Am 23. Januar bringen sie ihre Rising High-Tour in die Arena.  

Die in Mannheim gegründete Symphonic-Metal-Band besteht seit über zehn Jahren – manche ihrer Fans anscheinend auch, worauf die verwaschenen Bandshirts schließen lassen, die viele tragen. Nicht-schwarze Kleidungsstücke sieht man nur vereinzelt. Bevor es losgeht, wird sich ruhig unterhalten und an Bier genippt. Für Zuschauer:innen, die eigentlich nicht aus der Metal-Szene kommen, verspricht der Abend einen kleinen Einblick in diese Welt. 

Seraina Telli: Musical Chameleon

Dass Beyond The Black mit vielen Genres assoziiert werden, wird bereits beim ersten Voract, der Schweizer Rockmusikerin Seraina Telli klar. Gitarre und Outfit sind farblich auf ihr Album Green abgestimmt. Genauso auffallend wie die Farbwahl und das in Neonfarben leuchtende Bühnenbild ist ihre durchdringende Stimme, mit der sie zum Mitsingen und -springen animiert. Seraina Telli bezeichnet sich selbst als ‚musical chameleon‘, was sie durch eine Mischung aus kraftvollen Rocksongs und ruhigeren Klavierdarbietungen beweist.  

Setyøursails: Metalcore mit Haltung

Bei der Metalcore-Band Setyøursails werden zwar keine Segel gesetzt, aber die Lautstärke erstmal ordentlich erhöht. Die Leadsängerin Jules Mitch fordert Headbanging und Circle Pits. Bei einem Song sollen sich alle hinhocken und auf ihr Kommando wieder aufspringen. Das Publikum, wenn auch teilweise nicht an das Genre gewöhnt, leistet beinahe ausnahmslos Folge – etwas, das vor allem bei Voracts keine Selbstverständlichkeit ist und von der mitreißenden Art von Setyøursails zeugt. Auch eine klare gesellschaftspolitische Positionierung wird nicht ausgelassen – Mitch schwenkt eine Flagge mit der Aufschrift „No place for racism, sexism, homophobia…“. 

Hinter dem schwarzen Vorhang

Es ist fast 21 Uhr. Ein schwarzer Vorhang senkt sich herab. Rote Lichter blitzen auf. Sekunden ticken. Das aktuelle Album der Band heißt Break the silence, und genau das geschieht nun auch. Der Vorhang fällt und Beyond the Black zerbrechen mit dem Titeltrack die Stille im Raum. Die Frontsängerin Jennifer Haben überzeugt sofort mit ihrer Stimme, ebenso die vier Musiker um sie, wie Chris Hermsdörfer mit mehreren Gitarrensoli.  Mit Hysteria, Rising High und Heart of the Hurricane wird schon am Anfang Banger after Banger präsentiert, sodass man als Zuschauer:in den Boden der Tatsachen unter sich verliert. Songs of Love and Death, der Titeltrack des Debütalbums aus 2015, fasst ziemlich gut zusammen, was Beyond The Black sowohl musikalisch als auch lyrisch ausmacht. Die von Haben gesungene Einladung „come and joine my voice in songs of love and death“ wird vom Publikum gerne angenommen, ob textsicher oder nicht.

Raben, Grautöne und Verbundenheit

Ein Highlight ist der Song Ravens. Jennifer Haben erweitert ihr schwarz-silbernes Bühnenoutfit um gigantische goldene Flügel und widmet den Fans der Band, den Ravens, die emotionale Hymne über Zugehörigkeit und Loyalität auch in dunklen Zeiten. Ihre klare Stimme, hier mit reduzierter instrumentaler Begleitung, lässt die Botschaft bis in die hinterste Ecke der Arena fliegen. Danach spricht die Sängerin über das erst zwei Wochen alte neue Album der Band. Sie sinniert über die Distanziertheit und gleichzeitige Vernetztheit in der Welt und über die Extreme Schwarz und Weiß, zwischen denen Grautöne und Gemeinsamkeiten wiedergefunden werden müssen. Das haben Beyond The Black drauf, denn sie verbinden nicht nur Genres wie Pop, Rock und Metal, sondern auch Menschen auf ihren Konzerten. 

Angels und Apokalypse

Die Songs von Beyond The Black zeichnen oft apokalyptische Sprachbilder, unterstützt durch Sturm-Visuals wie bei Let There Be Rain. Diese verleihen cinematischen Melodien wie When Angels Fall noch zusätzliche Dramatik. Shine and Shade oder Dancing in The Dark treiben dazu an, trotz Weltuntergang weiterzutanzen, was das Arena-Publikum bereitwillig macht.  Als die Band die Bühne verlässt, wurden die musikalischen Highlights beinahe schon alle gespielt. Trotzdem bleibt eine Zugabe nicht aus. Ein letztes Mal gemeinsam abheben, und das Publikum wird in den frischen Winterabend entlassen. 

Fazit

Beyond The Black bieten einen Abend der Antithesen. Tanzen und Apokalypse, Tod und Liebe, Einsamkeit und Solidarität, melodische Hymnen und Metalriffs. Sie übertreten Genre-Konventionen, die für viele vielleicht Grenzen darstellen, schaffen aber genau dadurch einen Raum für Verbindung.  

literatur- und konzertbegeisterte lehramtsstudentin // in graz, wien, kärnten & überall :)