Büşra Kayıkçı live posthof linz
Foto: Christoph Leeb

Büşra Kayıkçı: Beyond Walls

Die türkische Pianistin Büşra Kayıkçı gastierte am vergangenen Mittwoch zum zweiten Mal in Linz. Im mittleren Saal des Posthofes hatte sie neben bekannten Nummern auch einen Vorgeschmack auf kommendes Schaffen mit im Gepäck.

Büşra Kayıkçı ist an diesem Abend nicht zum ersten Mal in Linz zu Gast. Bereits im November 2024 stellte sie ihr Werk Places im Posthof in Linz vor (hier zum Rückblick). Bereits damals auffällig: dass Kayıkçı ihre Wurzeln, die ausbildungsbedingt in Design und Architektur liegen, auch in ihr musikalisches Schaffen einbaut. Strukturen werden geschaffen, langsam aufgebaut, und fordern den Zuhörer während des Konzertes, sich auf die Pianistin einzulassen. Kayıkçı hat an diesem Abend neben bekannten Tracks aus Places, wie dem Titeltrack Fernweh auch neue Werke im Gepäck. Weaving heißt die neue EP, die wohl auch auf die autobiografischen Wurzeln der Istanbuler Pianistin zurückgeht. Es ist eine Form des Ausdrucks – vor allem von Frauen, die sich mit Weben oft ausdrücken, wenn es sprachlich vielleicht nicht immer möglich war. Ähnlich macht es Büşra Kayıkçı mit ihrer Musik. Sie spricht aus, wo es keine Worte braucht – und gibt Einblicke auf kommendes Schaffen, das wohl unter dem Titel Beyond Walls laufen wird. Hier steht das Architektonische wieder im Vordergrund, von Gebäuden in ihrer Heimat bis zu ikonischen Stätten wie der Berliner Mauer. Büşra Kayıkçı überwindet diese mit ihrer Musik, die handgemacht, durchdacht, aber niemals eindimensional ist.

Es ist eine überschaubare Kulisse, die an diesem Mittwochabend im Posthof zu Gast war. Schade eigentlich, denn Büşra Kayıkçi ist eine Künstlerin, die ein intensives Konzerterlebnis bietet. Wenn man sich auf die Pianistin einlässt und 75 Minuten lang in ihre Welt eintauchen mag, die eine eigene, aber lohnenswerte Welt ist!

Foto: Christoph Leeb

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.