Foto: CPH:Dox

CPH:DOX – Mit Freunden im Kino

Vom 13.3. bis zum 22.3. werden in Kopenhagen über 200 Dokumentarfilme gezeigt. Während wir auch über den einen oder anderen berichten, habe ich mir vorgenommen, über die Stimmung des Festivals zu schreiben. Es folgt ein sehr persönlicher Artikel über das CPH:DOX.

Bei 86 Weltpremieren, 25 internationalen Premieren und zehn europäischen Premieren ist es gar nicht so einfach auszuwählen, welchen Film man wirklich sehen möchte. In Kopenhagen lerne ich, dass es aber vor allem auf die richtige Mischung ankommt. Gerade in brisanten politischen Zeiten und einer Weltlage, die von Krieg und Katastrophen geprägt ist, neigt man dazu, nur solche Katastrophen-Dokus auszuwählen. Diese Dokumentationen können großartig sein, wie beispielsweise Mariinka beim Festival gezeigt hat. Und dennoch sind es bei diesem Festival vor allem die kleinen Geschichten, die mich berühren, wie Petrolheads.

Foto: CPH:Dox

Vorhang auf für Emotionen

Das CPH:DOX bietet für uns auch zahlreiche Chancen, um Diskussionen zu führen. So streiten wir darüber, nachdem ein Teil von uns Finding Connections gesehen hat, inwiefern künstliche Intelligenz unsere menschlichen Beziehungen beeinflussen wird. Bei dieser Diskussion wird mir noch einmal mehr klar: Dokumentarfilme sind eine Filmgattung, der wir mehr Aufmerksamkeit schenken könnten. Sie sind kreative Erzählungen der Wirklichkeit, die in der öffentlichen Wahrnehmung eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Diese Art von Filmen stellt Fragen, die man so schnell nicht loswird. Ich bewundere vor allem jene Dokumentationen, die nicht den bekannten Weg gehen, neue Dinge und Perspektiven ausprobieren und Geschichten auf eine unbekannte Weise verpacken.

Das Filmfestival in Kopenhagen ist für mich Städtetrip und Kinomanie in einem. Während ich mit unserem Team am Vormittag durch die serifenlose Stadt wandere, werde ich am Nachmittag und Abend Teil des Kinos. Das Filmfestival öffnet den Vorhang für die Emotionen, die sich auf der Leinwand abspielen: Verzweiflung, Freude, Lust, Angst und viele mehr. Die Filme beim CPH:DOX inspirieren und zeigen die verschiedenen Facetten dieser Welt. Gleichzeitig spürt man auch am CPH:DOX Filmfestival Atmosphäre. Ein besonderes Knistern liegt in der Luft, wenn Filme zum ersten Mal gezeigt werden und auf neue Zuseher*innen treffen.

Nach dem Abspann

Nach dem Abspann, wenn alles vorbei ist, atme ich meist einmal durch. Egal, was vorher gelaufen ist – die Geschichten, die Menschen erzählen, verdienen vor allem Respekt. Auch wenn es bei dem einen oder anderen Film passieren kann, dass man eingenickt ist, wenn einen der langsame Schnitt in den Schlaf getrieben hat. Nach dem Abspann erwartet mich, je nachdem, ob ich alleine oder mit mehreren im Kino war, eine Diskussion. Und wenn der Film sehr berührend war, auch eine kleine Umarmung. Manchmal ist es aber auch gut, wenn man alleine im Kino war, einen Spaziergang durch die Stadt zu machen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Ich hab mir sagen lassen, dass dabei eventuell sogar die eine oder andere Träne fallen kann, wenn der Film besonders berührend war. 

Und doch ist es am schönsten, wenn ich in die Augen der anderen Subtext-Redakteur*innen blicken kann, mich auf unsere Gespräche freue und weiß: Ich bin mit Freunden im Kino. Das ist dann wahrscheinlich das Beste überhaupt, am Kopenhagener Filmfestival.


CPH:DOX Poster

Logo CPH:DOX

Copenhagen International Documentary Film Festival
11. – 22. März 2026
cphdox.dk

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