Foto: Andreas Wörister

Fjørt: eine schöne Epoche?

Belle époque – die Aachener Posthardcore-Aushängeschilder Fjørt meldeten sich 2026 mit neuem Album zurück. Vergangenen Freitag auch im sehr gut besuchten WUK Wien. Gewohnt politisch, gewohnt in die Gehörgänge hämmernd.

Seit 2012 bereichern Fjørt die deutschsprachige Post-Hardcore-Szene. Platten wie Kontakt und Coleur finden sich wohl in jedem Plattenregal von Post-Hardcore-Enthusiasten. Mit Nichts meldeten sie sich nach einer Pause retour, mit Belle époque ist 2026 das bislang jüngste Album erschienen. Erschreckenderweise immer noch mit Tracks wie ’43, das sich nahtlos in frühere Songs wie Raison einreiht. Aber dazu später mehr.

An diesem lauen Freitagabend im Wiener WUK waren wir zuallererst mal vom Andrang überrascht. Knapp 600 Leute werden das schon gewesen sein, die das Gastspiel von Fjørt in der österreichischen Hauptstadt miterleben wollten. Da haben wir bei dieser Band schon deutlich kleinere Crowds gesehen, auch in der Arena Wien beispielsweise. Schön zu sehen, dass Post-Hardcore immer noch zieht, auch wenn 37 Euro VVK-Preis jetzt nicht gerade zur Kategorie „Schnäppchen“ zählten. Muss 2026 aber wohl so sein, damit sich das mit Nightliner und Co. irgendwo noch ausgeht.

Support: Tribute To Nothing

Support? Gab es, und war eine der Wegbereiter für Bands wie Fjørt. Tribute to Nothing stammen aus dem Vereinigten Königreich und können getrost das Prädikat „Veteranen“ für sich verbuchen. Kein Wunder, hatten sie ihre Blüte halt auch schon in den 1990ern und 2000ern – und passen damit chronologisch gut zu Bands wie Fjørt, die davon beeinflusst wurden. Umso schöner zu sehen, dass sie (wieder) live spielen. Anfangs klingt das noch nicht hundertprozentig eingespielt, wird aber im Laufe des Supportslots besser. Und spätestens mit Nachwuchsdrummer am Ende des Sets haben die Briten die Herzen der Besucher auf ihrer Seite. Um den Nachwuchs muss man sich offensichtlich keine Sorgen machen!

Eine kurze Umbaupause später: Fjørt. Nach Intro mit dem Hinweis, doch bitte kein Arschloch auf dem Konzert zu sein, starten David, Chris und Frank dann gleich mit Aer, Südwärts und dem bekannten Anthrazit in das dann doch gut eineinhalbstündige Set. Was schnell auffällt: Bühnenpräsenz hat das Trio noch nicht verlernt. Der Fokus liegt – dann doch überraschend – auf den neueren Werken des Fjørt’schen Schaffens. messer, kolt, bonheur und mir sind nur einige Beispiele davon. Auch Huldigungen an Booker, die die Band schon länger unterstützen (servus, Diggi!), inklusive.

Man merkt live die Energie, die im Laufe des Konzertes immer mehr ins Publikum überzuschwappen scheint. Einen Ausflug ans andere Ende des Konzertsaales gibt es dann beim eingangs erwähnten ’43, das die politischen Entwicklungen der letzten Zeit wiederum thematisiert. Ähnlich, wie es die Band schon in der Vergangenheit machte – und 2026 wohl noch aktueller denn je. Eigentlich ein schöner Schlusspunkt, aber als Headliner brauchts halt auch Zugaben. So gibts feivel und nacht zum Rausspielen nach einem Konzert, wo man bekommt, was man erwartet. Fjørt sind auch 2026 immer noch einen Live-Abstecher wert!


Foto: Andreas Wörister, Florian Lichtenberger

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.