Godspeed You! Black Emperor Posthof Linz
Foto: Christoph Leeb

Godspeed You! Black Emperor: Klang­teppiche mit Message

Ein audiovisuelles Gesamterlebnis mit Gänsehautgarantie – so lässt sich das Gastspiel von Godspeed You! Black Emperor im Posthof Linz am vergangenen Mittwoch zusammenfassen.

Gut gefüllt war er, der mittlere Saal im Posthof Linz an diesem Mittwochabend. Unter den Anwesenden viele Gesichter, die dem geneigten oberösterreichischen Konzert- und Musikfan geläufig sind, die man aber länger nicht mehr im Hafen im Posthof gesehen hat. Grund dafür? Das Konzert der Montrealer Post-Rock-Aushängeschilder Godspeed You! Black Emperor. Die genre- und darüber hinaus prägende Combo aus Montreal hatte sich nämlich angesagt, um hier ein Konzert zu geben, das nicht nur für Fans in den Highlights des Jahres ziemlich weit oben rangieren wird.

Support: Kristof Hahn

Support? Auch kein Unbekannter. Kristof Hahn kennt man nämlich nicht nur als Gitarrist, sondern als Member der, nunja, sagen wir mal experimentielleren Rockband Swans. Auch kein schlechtes Referenzprojekt, wie wir meinen. An diesem Abend gibts ein halbstündiges Solokonzert – samt einer der wohl einprägsamsten Heroes-Versionen von Bowie, die wir in unseren Gehörgängen bislang spüren durften. Auch wenn die Nase gelaufen ist, das war dann schon richtig gut.

Apropos „richtig gut“: Das gilt dann auch für das zweistündige Epos, das Godspeed You! Black Emperor danach veranstalteten. Zunächst mal was in eigener Sache: Hochsympathisch, dass es Social-Media-Auftritte des acht Personen umfassenden Orchesters rund um die Gründungsmitglieder Efrim Menuck, Mauro Pezzente und Mike Moya. Promo? Auf das Mindeste beschränkt. Konventionen? Sind da um gelungen, umschifft zu werden. Live bieten Godspeed You! Black Emperor ein Erlebnis. Ein Erlebnis, das durch die Live-Visuals, die hier handgemacht von vier Projektoren kommen, noch verstärkt wird. Dem Cineasten und Post-Rock-Fan in mir wird warm ums Herz, wenn vorne Klangteppiche in scheinbar müheloser Kleinstarbeit zu einem großen Ganzen zusammengesetzt werden. Und man, wenn man in der Mitte des Konzersaales steht, hinten das bekannte Rattern der Projektoren in die Gehörgänge dringen lässt.

Hab ich grade Klangteppiche gesagt? Nun, zwei Stunden Setlist mit grade mal neun Songs ist sogar im Post-Rock eher die Marke „ausgefeilter“. Der Fokus hier liegt klarerweise auf der aktuellsten Platte mit dem nur auf den ersten Blick sperrigen Titel No Title As of 13 February 2024 28,340 Dead. Denn auf den zweiten Blick verbirgt sich dahinter eine hochpolitische Message – eines der weiteren Hauptcharakteristika von Godspeed You! Black Emperor. Hier handelt es sich nämlich um die Anzahl der Toten auf palästinensischer Seite zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 13. Februar 2024. Und nur auf den zweiten Blick die Zeit, die das Album da benötigte, um aufgenommen zu werden. Gepaart mit ausdrucksstarken Visuals wird hier ein Post-Rock-Feuerwerk geschaffen, das noch lange nachhallt. Auch schön zu sehen: endlich wieder ein Publikum, das sich das Spektakel zu einem Großteil live und nicht durch einen Sechs-Zoll-Bildschirm ansieht.

Ein handgemachtes, extraemotionales Konzert, auf audio- und visueller Ebene. Ein Konzert, das auch auf dem Nachhauseweg noch nachhallt.

Foto: Christoph Leeb

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.