Pasta & Verdura: mehr als Nudeln mit Sauce
Cettina Vicenzino hat schon die sizilianische und die vegetarische Küche Italiens ins Buch gebracht. Mit „Pasta & Verdura“ widmet sie sich der Kombination von Nudeln und Gemüse – mit 80 Rezepten, einer Pastaschule und Fotos, die Hunger und Fernweh zugleich auslösen.
Cettina Vicenzino ist keine Unbekannte: Ihr Buch Cucina Vegetariana haben wir bereits vorgestellt, und auch damals war klar, dass sie zu den Autorinnen gehört, die über italienische Küche nicht nur schreiben, sondern sie wirklich kennen. Die Sizilianerin – aufgewachsen in einer Gastronomiefamilie, studierte Modedesignerin, seit Jahren zwischen Deutschland und Italien pendelnd – veröffentlicht seit 2006 Kochbücher. Ihr Buch „Italia“ gewann den Gourmand World Cookbook Award als bestes italienisches Kochbuch der Welt. Mit „Pasta & Verdura“ legt sie im März 2026 nach: Diesmal mit dem Fokus auf die Kombination, die in der italienischen Küche eigentlich selbstverständlich ist – Pasta und Gemüse.
Vom Frühling bis in den Winter
Das Buch ist nach Jahreszeiten gegliedert: Frühling, Sommer, Herbst, Winter – und jede Saison bringt andere Zutaten, andere Stimmungen, andere Gerichte. Das ist keine Marketing-Idee, sondern spiegelt wider, wie in Italien tatsächlich gekocht wird: mit dem, was gerade da ist. Die Fotos – großteils von Vicenzino selbst – tun ihr Übriges. Man blättert durch Seiten voller Licht, Märkte, Pasta in verschiedenen Formen und Farben, und hat das Gefühl, mindestens eine Stunde südlicher zu sein, als man ist. Wer kein Ticket nach Sizilien kaufen kann oder will, findet hier einen brauchbaren Ersatz – zumindest für den Moment, in dem man kocht.
Gemüse im Fokus – aber nicht nur
Der Titel verspricht Pasta und Gemüse, und das ist der klare Schwerpunkt. Aber „Pasta & Verdura“ ist kein rein vegetarisches Kochbuch – wer das erwartet, wird überrascht sein. Es gibt auch Ragù Bolognese mit Rinderfaschiertem und Rezepte mit Sardellen oder Pancetta. Pasta ist ja das Herzstück der italienischen Küche, primär als primo piatto (erster Gang) nach den Antipasti und vor dem Secondo. Sie liefert Kohlenhydrate und ist traditionell fleischfrei, aber eben auch ein idealer Hauptgang. Das passt zur Haltung des Buches: Es geht um gute Pasta, nicht um eine Ernährungsphilosophie.
Praktisch ist auch, dass Vicenzino zwischen zwei Welten kocht – Deutschland und Italien – und das bei der Zutatenwahl spürbar wird. Manche Rezepte funktionieren gut mit dem, was man hierzulande im Supermarkt findet, andere setzen auf Produkte, die man eher auf einem italienischen Markt oder im Feinkostladen bekommt. Ein hilfreicher Index ermöglicht außerdem die Suche nach einzelnen Zutaten. Wer also wissen will, was man mit frischen Auberginen, Karotten oder Fenchel vom Markt anfangen kann, findet dort schnell die passenden Rezepte.
Pasta selber machen – es lohnt sich wirklich
Über 80 Rezepte enthält das Buch, und ein eigenes Kapitel widmet sich der Pastaschule: klassische und glutenfreie Teige, verschiedene Pastasorten Schritt für Schritt erklärt, mit Sortenübersicht. Wer möchte, kann natürlich auch mit fertigen Nudeln aus der Packung kochen – die Rezepte funktionieren trotzdem. Aber wer einmal selbst gemacht hat, wie aus Mehl, Wasser und etwas Geduld eine Pasta entsteht, die man in keinem Supermarkt kaufen kann, will das kaum noch missen. Vicenzino hat das Buch übrigens in ganz normalen Küchen entwickelt: zwei in Deutschland, zwei in Italien, darunter eine Ferienwohnung auf Sizilien. Keine Profiausstattung, keine Küchenzeile aus dem Magazin. Das merkt man den Rezepten an – sie sind machbar, auch ohne Kitchenaid und zwanzig Spezialmesser. Wer sich schon durch den Pasta Codex gearbeitet hat, findet hier den angenehmeren Einstieg.
Schwarze Lorighittas mit Mandel-Tomaten-Pesto
Lorighittas con Pesto Trapanese
Zutaten für 4 Personen
Zubereitungszeit 50 Minuten plus Ruhezeit für die Pasta und das Pesto
Für die Lorighittas-Pasta
- 3 g Aktivkohlepulver
- 120–150 ml lauwarmes Wasser
- 300 g Semola di grano duro rimacinata (feiner, italienischer Hartweizengrieß), plus etwas mehr zum Arbeiten
- 1 Prise Salz
Für das Mandel-Tomaten-Pesto
- 2 Knoblauchzehen, zerkleinert
- 40 g Mandeln
- 400 g Kirschtomaten, grob gehackt
- 50 g Basilikum
- grobes Meersalz
- natives Olivenöl extra
- Meersalzflocken
- frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- 4 EL geriebener Pecorino
Zubereitung
- Für die Pasta das Aktivkohlepulver im lauwarmen Wasser auflösen. Das Mehl mit dem Salz vermischen und auf die Arbeitsplatte häufen, in der Mitte eine Mulde bilden. Das Wasser hineingeben und den Teig, wie auf S. 22 und 28 beschrieben, zubereiten. Unter einer Schüssel 30 Minuten ruhen lassen.
- Die Arbeitsplatte bemehlen und aus dem Teig etwa 3 mm dünne Teigschnüre rollen. Jede Teigschnur zweimal um zwei bis drei verbundene Finger (Mittel-, Zeige- und evtl. Ringfinger) legen. Die lange Teigschnur abzwicken, wenn der um die Finger gelegte Anfang erreicht ist und die Enden gut verschließen. Die gewickelte Teigschnur in sich verflechten: Dazu mit dem linken Daumen festhalten und mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand die Teigschnur nach rechts drehen. Vergleichbar ist diese Bewegung mit dem Aufziehen einer Uhr. Die fertigen Lorighittas auf ein bemehltes Tuch legen.
- Für das Pesto in einem Mörser Knoblauch und Mandeln grob zerstoßen. Zwei Drittel der Masse unter die gehackten Tomaten mischen, den Rest separat in einer Schüssel beiseitestellen.
- In einem großen Mörser die Basilikumblätter gemeinsam mit 1 Prise grobem Salz und 40 ml Olivenöl zerstoßen, dabei das Öl nach und nach einarbeiten. Die Basilikumpaste unter die Tomatenmasse mischen. Mit Meersalzflocken und Pfeffer abschmecken und mindestens 30 Minuten ziehen lassen.
- Die Lorighittas in reichlich kochendem Salzwasser etwa 4–5 Minuten al dente kochen. Abgießen und gut mit dem Pesto vermischen. Nach Bedarf mit Salz und Pfeffer abschmecken, auf vier Teller geben und den Pecorino und die beiseitegestellte Knoblauch-Mandel-Masse darüberstreuen.
Fazit
„Pasta & Verdura“ ist kein Buch für Leute, die schnell eine Sauce über Spaghetti kippen wollen. Es ist eines für alle, die Lust haben, sich etwas mehr Zeit zu nehmen – für die Pasta, für die Zutaten, für das Kochen selbst. Vicenzino schafft es, Basiswissen zu vermitteln, ohne belehrend zu wirken, und Begeisterung zu wecken, ohne ins Schwärmen zu verfallen. Wer ihre früheren Bücher kennt, wird hier nahtlos weitermachen. Wer sie noch nicht kennt, findet einen guten Einstieg.

Pasta & Verdura
80 italienische Pasta- und Gemüserezepte
von Cettina Vicenzino
DK Verlag
256 Seiten, Deutsch, gebundene Ausgabe
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