WHAT A VIEW Ausstellungseröffnung im Francisco Carolinum Linz
Foto: Erli Grünzweil

200 Jahre Fotografie

Das 200-jährige Jubiläum feiert man im Francisco Carolinum Linz mit gleich zwei Fotografie-Wettbewerben: einem für die Profis und einem für die Amateur*innen. Zur Eröffnung von WHAT A VIEW! war die große Steinstiege und die Balustrade im ersten Stock voller Menschen, bunt gemischt in Alter und Kleidungsstil. 

1826 veränderte ein ganz besonderer Blick aus dem Fenster die Erschaffung von Bildern. Joseph Nicéphore Niépce schoss das erste Foto aus seinem Arbeitszimmer und startete damit die Geschichte der Fotografie. Damals, als noch auf beschichteten Bitumen- oder Zinnplatten belichtet wurde, war jedes Bild noch ein Unikat. Erst mit der Entwicklung der Negative konnte man die Fotos vervielfältigen. Danach optimierte man die Geräte immer weiter, und so kamen immer neue Anwendungsbereiche dazu. Um Belichtungsproben für den Filmdreh zu ermöglichen, baute Oskar Barnack die ersten handlichen Kameras. So konnte man nun spontane Fotos machen und das Leben in Aktion festgehalten werden. Ob als Kunst, zur Dokumentation oder für die reine Belustigung, Fotografie ist nicht mehr wegzudenken. Auch jetzt, wo KI so vieles verändert hat und sich neue Möglichkeiten und Fragen auftun, wird die Begeisterung der Menschen für dieses Handwerk vermutlich nicht verloren gehen. Und um genau das zu feiern, fand sich am Donnerstag, den 16.04.26, ein bunter Haufen von mehr als 500 Menschen im Francisco Carolinum Linz – Haus für Fotografie und Medienkunst für die Ausstellung WHAT A VIEW! ein. 

Start- oder Schnappschuss

Mit lobenden Worten und viel Begeisterung fürs Thema wurde die Ausstellung von Alfred Weidinger (wissenschaftliche Geschäftsführung), Sandra Kratochwill und Genoveva Rückert (Kuratorinnen), Gino Cuturi (Geschäftsführender Gesellschafter Medienhaus Wimmer) und Thomas Stelzer (Landeshauptmann von Oberösterreich) eröffnet. Es wurde über das erste Foto, einem banalen Blick aus dem Fenster, erzählt und ein Bogen gespannt bis zur heutigen Zeit, in der jede und jeder Tausende Fotos auf dem Smartphone mit sich herumträgt. 

Foto als Kunsthandwerk

Einer der Wettbewerbe galt Fotograf*innen mit Oberösterreich-Bezug. Hier zeigen die Einreicher*innen, dass Fotografie durchaus eine Kunstform ist. Installationen, verflochtene Leinwände, bedrucktes Metall, klassische Fotos und KI-unterstützte Bilder füllen die Räume. Auch #linzistfad ist Teil der Ausstellung. Das Gedränge der Besucher*innen ließ oft nur einen kurzen Blick auf ein Bild erhaschen, bevor man weitergeschoben wurde. Nach ein paar Runden hatte man dann aber doch alles zumindest kurz in voller Größe gesehen. 

The winner is…

Von der Jury wurde im Vorfeld Erli Grünzweil als Gewinner gewählt. Das macht uns bei subtext besonders stolz. Grünzweil war von 2010 bis 2014 im Vorstand von junQ, dem Verein hinter unserem Magazin. Erli fotografierte und schrieb über Konzerte, filmte unsere ersten Live-Sessions oder machte Grafiken und das Layout für unser Printmagazin, das wir damals noch hatten.

Im Jury-Statement heißt es: 

Ausgehend von sorgfältig komponierten, nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehenden Einzelbildern schafft Grünzweil einen umfassenden, in seiner Inszenierung durch Farbgebung und Lichtsetzung verführerischen Bilderkosmos, in dem alles klar erkennbar und gleichzeitig doch fluide und wandelbar erscheint. […] »Es ist die Suche nach Mehrdeutigkeiten, Balance und neuen Perspektiven«, wie Erli Grünzweil die eigene Herangehensweise beschreibt

Gleich mehrere von Grünzweils Fotos kann man im Großformat in der Ausstellung betrachten. Die Bilder weisen eine beeindruckende farbliche Ästhetik auf und ecken mit den Motiven dann doch etwas an. Eines der Bilder zeigt brennende Glasscherben. Beides, Feuer und Scherben, für sich etwas Unbequemes, Gefährliches, und doch ist es gemeinsam ein fast weiches Bild.

„Nur“ ein Foto

Der zweite Wettbewerb richtete sich an Amateur*innen, die mit ihren besten Natur- und Landschaftsfotos teilnehmen konnten. Mit den etwa 200 eingereichten Fotos gestalteten die Kuratorinnen ein Fotobuch. Die Qualität der Bilder kann sich durchaus sehen lassen. Die 30 Fotos mit den meisten Stimmen aus dem Online-Voting der OÖNachrichten hängen an den schwarzen Wänden. In der Ausstellung können nun die Besucher*innen mit Stickern für das beste Foto abstimmen. Zu sehen sind märchenhafte Nebelstimmungen, viele Reisefotos und die eine oder andere Nahaufnahme von Pflanzen oder Tieren. 

Einen Blick riskieren

Wem das wuselige Durcheinander in der Hans Frank-Galerie im Erdgeschoss zu viel wurde, konnte sich mit einem Getränk in eine der vier anderen Fotografie-Ausstellungen in den oberen Stockwerken flüchten. An diesem Abend war das ganze Haus geöffnet. Aber auch der Garten war an diesem sehr milden Frühlingsabend sehr einladend. Inspiriert und gut gelaunt haben nach dieser Eröffnung sicher einige ihre alten Kameras ausgegraben. Vielleicht geht der nächste Blick aus dem Fenster ja durch eine Linse. WHAT A VIEW! ist noch bis zum 12.07.2026 geöffnet. Zudem können Führungen und Workshops einen vertiefenden Blick in die Ausstellungen geben.

Für den Kopf im Labor, für die Seele am Schreiben. Wenn ich über ein gutes Buch rede, einfach unterbrechen. Das könnte sonst lang dauern.