Bella im B72
Foto: Fabian Schwarzinger

Bella: Coming-of-Age-Pop mit Tränen im B72

Nachdem sie bereits für Artists wie Cro oder 01099 eröffnet hat, ist es endlich Zeit für die Wiener Sängerin, auf erste eigene Tour zu gehen. Ihr dritter Stopp ist dabei auch in ihrer Wahlheimat Wien im B72.

Vor allem ihr Song „ich glaub ich“ hat dafür gesorgt, dass Bella mittlerweile eine ordentliche Fanbase aufgebaut hat – eine, die die mittlerweile in Wien lebende Künstlerin auch ohne Probleme mobilisieren kann. So steht sie vergangenen Freitag auf der Bühne im B72 vor ausverkauftem Haus. Ihr dritter und auch schon vorletzter Stopp der ersten Tour soll für ihre Fans und auch für sie etwas ganz Besonderes werden. Davor eröffnet aber noch Juizz, der für die eigentlich angekündigte Yola einspringt.

Juizz

Der Autotune-Rapper steigt auf die Bühne und heizt dem Publikum gleich wirksam ein. Immer wieder fordert er das bereits gut gefüllte B72 dazu auf, laut genug „Bella“ zu schreien, damit sie es auch im Backstage hört. Auf tanzbare, basslastige Beats rappt er dann über alles, was einen im Coming-of-Age so beschäftigt. Ein paar bekannte Samples klingen durch, der Flow sitzt und die Stimmung passt. So kommt es nicht überraschend, dass ihn am Ende seines Sets schon Zugaberufe erreichen (die leider unerfüllt bleiben).

Bella

Dann schlängelt sich aber endlich die Person durch die Menge nach vorne, auf die das motivierte Publikum wartet: Bella. Die aus Graz stammende Sängerin ist keineswegs mehr unbekannt. Der größte Teil der Menge sieht sie nicht zum ersten Mal, weshalb die Texte selbst bei den unveröffentlichten Songs kräftig mitgesungen werden. Jedoch fällt direkt beim ersten Song auf, dass noch nicht alles perfekt eingespielt ist. So muss sie gleich neu starten, da sie noch keine Backingtracks auf ihrem In-Ear hört. Das soll es für den Abend leider noch nicht gewesen sein. Immer wieder gibt es Rückkopplungsfiepen oder auch plötzliche Lautstärkeschwankungen. Das reißt einen immer wieder raus.

Ansonsten bewegt sich die Setlist irgendwo zwischen Upbeat und Ballade. So singt sie meist mit Synths im Hintergrund, wird aber manchmal auch ganz minimalistisch am Klavier. Zur Piano-Version von „ich glaub ich“ ist sie dabei sichtlich gerührt. Bei Themen wie ihren Eltern, ihrem Opa oder verlorenen Freundschaften bricht sie immer wieder in Tränen aus. Mit tatkräftigem Applaus wird sie dann vom Publikum motiviert, weiterzumachen. Sie blickt freudig in die Menge und hat gemeinsam mit ihren Eltern im Publikum wohl ihren „I made it“-Moment.

Auch Juizz wird nochmal für eine Kollaboration auf die Bühne geholt, in der sie Paris besingen. Thematisch passen die Texte rund ums Erwachsenwerden auf jeden Fall perfekt. Die im Publikum vorwiegende „Ich-checke“-Generation (wer checkt, der checkt) wird auf jeden Fall bewegt. Aber zwischen den technischen Hoppalas gibt es auch dramaturgisch ein paar Ungereimtheiten. So ist es zwar ein spannendes Konzept, einen zweiten Support in der Mitte des Auftritts auf die Bühne zu holen, dieser sollte aber auch stilistisch passen. Mit zwei Rap-Songs von 3310 inmitten von ruhigen Balladen ist das leider etwas deplatziert.

Danach kommen allerdings noch einige Highlights. Der neulich veröffentlichte Song „yin+yang“ macht richtig Stimmung vor der Zugabe, abgeschlossen wird mit „365+1“ und der Vollversion von „ich glaub ich“. Bei diesen drei Tracks hat man keine Zweifel mehr daran, dass Bella großartig sein kann. Das Publikum schreit begeistert mit und Bella hat grenzenlosen Spaß.

Fazit

Bellas erste Tour mit Stopp im B72 läuft nicht reibungslos ab, überzeugt aber mit großen, ehrlichen Gefühlen und einer eingeschworenen Fanbase. Stilistisch hat die Show ein paar harte Brüche, zeigt aber vor allem gegen Ende die ganz großen Stärken.

Im Zweifel vor dem großen Screen oder hinter der Kamera.