Der Abriss vor dem Aufbau
Dieses Jahr beschäftigt sich die Programmsektion Architektur und Gesellschaft vor allem mit dem Wandel. Wer lebt dort, wo für die Zukunft hohe neue Bauprojekte vorgesehen sind? Zwei Filme, „The Great Together“ und „De zinkende Rafelrand“, führen zu Schauplätzen quer durch Europa und zu vielen Bulldozern.
Der Film „The Great Together“ von Rocío Calzado und Jasper Meurer widmet sich einigen großen Wohnbauprojekten in Rom, Toulouse, Belgrad und Wien. Wie geht die Stadt mit diesen Gebäuden um? Abriss, Privatisierung, Instandhaltung? Auf welche Art kann nachhaltig eine qualitative Wohnperspektive gesichert werden? Warum kann Planung ohne Profitgedanken mehr Lebensqualität für die Bewohner*innen bedeuten?

In Wien zuhause
Wie funktionierende Instandhaltung aussehen kann, wird am Wiener Alterlaa gezeigt. Eine Bewohnerin erzählt, wie sie als Hausgemeinschaft von der Organisation der Hausverwaltung und Hausbetreuung profitiert. So wird der Zustand der Gebäude so gut erhalten, dass keine teuren Generalsanierungen notwendig sein werden, so die Bewohnerin.
Das Persönliche des Wohnens
Mit langen Einstellungen auf Beton, Fassaden und Stiegenhäusern zeichnet der Film einen interessanten Blick auf den Wohnbau in seiner Komplexität. Solche riesigen Gebäude geben hervorragende Einblicke in die Gesellschaftspolitik und das Leben der Menschen. Das verraten unter anderem die Stimmen der Menschen; persönliche Kämpfe oder Geschichten begleiten die Bilder von Metall, Beton, Kunststoff und Wohnraum.
Der zweite Film
Österreich diskutiert gerade viel über den Marktplatz. Dort soll ein Milliarden-Bauprojekt auf einem von Menschen belebten Platz errichtet werden. Wo jetzt lange ein Ort der freien Gestaltung und der kommunalen Organisation war, soll nun eine riesige Halle entstehen. Das Amsterdamer Pendant dazu ist Baaibuurt-West. Der Film „De zinkende Rafelrand“ von Mirte Jepma begleitet die bunte und sehr vielfältige Gemeinschaft, die auf diesem grünen Stück Land ihr eigenes kleines Paradies aufgebaut hat.
Besondere Gemeinschaften

Man lernt jede Gruppe kennen, ihre Funktionen, die Gründe und die Zeit, die sie ihrem Wohnort widmen. Ein buntes Studentenwohnheim, Künstler*innenkollektive, Werkstätten, ein Architekturbüro und ein Fahrgeschäftebetreiber nennen das grüne Fleckchen Erde ihr Zuhause. Teilweise wohnen die Menschen schon mehrere Jahrzehnte dort, und die Zeit hat Spuren in der Umgebung hinterlassen. Mit viel Liebe und künstlerischem Gespür wurde Stück für Stück gestaltet. Die idyllischen Bilder werden immer wieder durchbrochen von Bergen aus Sand und lauten Baggern und Bulldozern. Man bekommt eine Ahnung.
Im Sand verlaufen
Im Laufe des Filmes begleitet man die Menschen, die um ihren Platz kämpfen. Es werden Anhörungen gezeigt und Alternativpläne präsentiert. Doch am Ende verlieren die Menschen, und die Idylle wird unter einer meterdicken Sandschicht begraben. Trotz der Fassungslosigkeit ist man doch inspiriert von den Menschen und ihrem Gestaltungswillen. Es bleibt die Hoffnung, dass irgendwann in der Städteplanung solche kreativen Hotspots eingeplant und erhalten bleiben.
Fazit
Der Wandel im Wohn- und Städtebau ist nicht nur für Architekturbüros und Politik ein wichtiges Thema, gerade weil immer Menschen und Schicksale involviert sind. Wenn etwas Neues entstehen soll, muss etwas Altes weichen. Wie können Gemeinschaft und Nachhaltigkeit Platz finden? Wenn es immer heißt: „Verdichten“, wo bleibt „Raum“ für die Menschen? Wer sich die beiden Filme noch anschauen will, hat am Sonntag, den 03.05.2026, um 13:45 im Movie 3 noch die Chance.

De Zinkende Rafelrand
The Sinking Fringe
Regie: Mirte Jepma
56 Minuten, Niederländisch, OmeU

The Great Together
Regie: Rocio Calzado, Jasper Meurer
20 Minuten, Italienisch/Französisch/Serbisch/Deutsch, Omen

filmfestival linz
28 april – 03 mai 2026
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