Foto: Andreas Wörister

Die Rückkehr härterer Musik

Nach etwas längerer Zeit war wiedermal die härtere Gangart im Posthof Linz angesagt. In einer fast Wiederauferstehung des Genres in diesen Sälen kamen gleich vier Bands nach Linz. 156/Silence, Acres, Memphis May Fire und Fit For a King lieferten einen großartigen Abend ab.

Eines muss man dem Metal-Publikum einfach auch lassen. Wenn es um Treue geht, liefert dieses ab. Trotz sehr frühem Beginn um 18:00 Uhr war der Große Saal des Hauses bereits gestopft voll. Hier kommt niemand nur für den Headliner, ganz klarer Daumen nach oben!

156/Silence

Den Auftakt machten 156/Silence aus den USA. Dem treuen Publikum zu verdanken, spielten sie bereits vor einem vollen Saal. Einfach macht das die Aufgabe als Opener trotzdem nicht. Diesen Job machten sie über weite Strecken dann auch recht ordentlich. Vom Stil her siedelten sie sich zwischen Metalcore und Post-Hardcore an, weder das eine noch das andere. Die Setlist fokussierte sich mit fünf von sieben Songs auf der aktuellsten Platte „People Watching“. Im Herbst soll es dann neues Material geben, man darf gespannt sein. Ansonsten gab es für uns bei der Live-Performance Abzüge in der B-Note. Die cleanen Parts waren gesanglich etwas schwach, da fehlte es an Energie und Leistung. Auch das Publikum war zu dieser frühen Uhrzeit noch etwas unmotiviert. Overall ein weitestgehend guter Auftritt, mit Luft nach oben.

Acres

Nach nur kurzer Umbaupause ging es dann mit Acres aus Portsmouth weiter. Energiegeladen zeigte sich Frontmann Ben Lumber, was offensichtlich auch dem Publikum besser gefallen hat, denn von der Stimmung her war deutlich mehr zu spüren als beim Opener.

Die Setlist nährte sich hauptsächlich aus ihrem erst im Herbst erschienenen Album, das mit Songs wie Bloodlust und Take My Last Breath viel Emotion und Atmosphäre mitbringt. Vor allem Not So Different überzeugte live auf der einen Seite mit ruhigen Elementen, punktete dann aber mit viel Druck. Ein mehr als gelungener Auftritt!

Memphis May Fire

Der für viele Besucher:innen persönliche Headliner folgte nun mit Memphis May Fire, zumindest war das unser Eindruck nach einigen Gesprächen vor Ort. Diese Rolle haben sie perfekt erfüllt, bereits der Opener The Sinner aus dem nun schon 15 Jahre alten Album The Hollow presste jedem mit voller Wucht ins Gesicht. Die restliche Setlist war ein ausgewogener Mix aus dem legendären Album Remade in Misery und der aktuellsten Platte Shapeshifter. Kaum eine Pause, mit fast durchgehend auf 200 % begeistertem Sänger Matty Mulins. Sehr fein abgestimmt lieferten sie eine perfekte Performance ab, die niemanden ruhig stehen lassen konnte.

Fit For A King

Vor ausverkaufter Halle und hochmotiviertem Publikum, Shout-out an die Vorbands, zeigte der Headliner sein Können. Für die meisten Zuhörer:innen war es wohl das erste Live-Zusammentreffen in Österreich mit der US-amerikanischen Metalcore-Größe.

Ihr Album Lonely God überzeugt durch Stimmgewalt, eingängige Riffs und viel Härte. Somit waren die Songs Technicum oder Monolith eine ausgezeichnete Wahl, um dem Publikum gewaltig einzuheizen – die eine oder andere Wall of Death ließ nicht lange auf sich warten. Aber auch ruhigere Nummern wie Shelter waren Teil des Programms und zeugen von der Vielseitigkeit des aktuellen Albums. Ältere Alben fanden aber auch Einzug in die Setlist: Backbreaker oder Engraved durften nicht fehlen.

Die finale Zugabe Witness The End mit ihrem eingängigen Refrain, im Studio ist hier Chris Motionless mit dabei, ermöglichte es den Fans noch, zum Abschluss gepflegt mitzusingen. Das durchgeschwitzte Publikum war somit den Worten von Sänger Ryan Kirby gefolgt: If someone is standing – move them.

Fazit

Nicht nur die Verkaufszahlen, sondern auch unser Eindruck bestätigen, was viele schon lange sagen. Dieses Genre und ähnliche gehören viel öfter auf die Bühne des Posthofs. Ein großartiger Abend, der eindeutig nach Wiederholung schreit. Umso mehr freuen wir uns schon auf The Ghost Inside und Knocked Loose später im Jahr.

Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber