Fraeulein Astrid
Fotos: Michelle Rassnitzer

Fraeulein Astrid: „Eine von Zehn“

In ihrem Song “sag mir du erinnerst dich” verarbeitet Fraeulein Astrid ihre Erfahrungen mit Endometriose und Medical Gaslighting. subtext.at hat die Künstlerin zum Interview getroffen, um über ein Tabu zu sprechen, das längst keines mehr sein sollte.

Jede zehnte Person mit Uterus ist davon betroffen: Endometriose ist eine chronische gynäkologische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Dieses Gewebe reagiert auf den Zyklus, häufig treten chronische krampfartige Unterleibsschmerzen auf. Trotz der Vielzahl an Betroffenen dauert die Diagnose, die einen chirurgischen Eingriff erfordert, meist mehrere Jahre. Endometriose ist nach aktuellem Stand der Medizin nicht vollständig heilbar. Viele Betroffene berichten in dieser Zeit von Erfahrungen, die unter dem Begriff “Medical Gaslighting” zusammengefasst werden: Ihre Beschwerden werden verharmlost, Schmerzen nicht ernst genommen oder als psychisch bedingt eingeordnet. Noch weniger bekannt ist in diesem Zusammenhang die Adenomyose, bei der das Gewebe in die Muskelwand der Gebärmutter hineinwächst. Fraeulein Astrid ist selbst davon betroffen, was sie veranlasste, einen Song für den FM4-Protestsongcontest zu schreiben. Sie belegte den vierten Platz.

Seit 2022 veröffentlicht Astrid Hirzberger als Fraeulein Astrid ihre selbstproduzierten Songs, die filigrane Pop-Melodien mit elektronischen Elementen verbinden. Atmosphärischer Sad Girl Pop, der mit Kontrasten spielt: ihre organischen Harmonien treffen auf synthetische Produktion, Tüll und Rüschen auf Sneakers, Melancholie auf weibliche Wut und Selbstbestimmung. “Sag mir du erinnerst dich” ist ihr erster Song auf deutsch. Im Interview mit subtext.at hat Fraeulein Astrid verraten, wie man das perfekte Periodenblut anmischt und wie sie vom traurigen Mädchen zur wütenden Frau geworden ist.  

Ein Song für die Endo-Community

subtext.at: Erstmal vorab: Wie geht es dir jetzt nach dem Release von “sag mir du erinnerst dich”? Wie fühlst du dich?

Fraeulein Astrid: Erleichtert, sich das mal so von der Seele gesungen zu haben. Auch die Response aus der Community war sehr, sehr schön. In diesem Meer von Songs das Gefühl zu haben, dass man das Sprachrohr für eine Community ist, die sonst eben oft nicht so ernst genommen wird, das war sehr, sehr schön. Auch weil jetzt ein Song draußen ist, den ich selber die letzten Jahre mehrmals gebraucht hätte. 

subtext.at: Wie war das Feedback aus der Community?

Fraeulein Astrid: Da war der Support extrem groß. Organisationen, die sich für Endometriose einsetzen und Aufklärungsarbeit leisten – da gibt es ja tatsächlich echt einige in Österreich – aber auch viele Influencer, die sich mit Endometriose beschäftigen. Da war echt extrem viel Support da, was mich super gefreut hat. Es sind fast alles Privatpersonen, die diese Arbeiten machen, Vereine gründen und Workshops halten, das sind Leute, die selber betroffen sind und sich dann einfach dachten, wir können das so nicht mehr mitmachen. Wenn uns viele Ärzt:innen im Stich lassen, dann müssen wir selber schauen, das wir was bewirken. Aus einem Protest, aus einer Verzweiflung heraus gegen das System, das nicht funktioniert.  

subtext.at: War das Gefühl bei diesem Release anders für dich, weil du diesmal um noch mehr kämpfst als nur deine eigene Sichtbarkeit?

Fraeulein Astrid: Ja, dieses Thema liegt mir einfach noch mehr am Herzen. Ich wünschte, es wäre nicht so, aber es hat mich die letzten Jahre immer begleitet und es gibt viele Momente, wo ich sehr frustriert war deswegen. Das heißt, einerseits war die Thematik für mich persönlich viel wichtiger, andererseits auch, für alle Menschen zu singen, die es betrifft. Da bin ich emotional ganz anders herangegangen als bei anderen Songs. Ich habe noch nie einen so politischen Song geschrieben.

subtext.at: Es ist einerseits so politisch und spricht für eine große Allgemeinheit, und gleichzeitig doch so persönlich, weil du ja deine eigene medizinische Geschichte verarbeitest. Wie schwer ist es dir gefallen, dich so zu öffnen und diese total intimen Erfahrungen zu teilen?

Fraeulein Astrid: Es war nicht so, dass ich erst mit diesem Release angefangen habe, über Endometriose zu reden, das war die letzten Jahre schon immer ein Thema und ich bin generell eine Person, die viele persönliche Sachen auch auf Social Media teilt. Also war es nicht so ein Sprung ins kalte Wasser, sowas körperlich Persönliches zu teilen. Aber es war schon nochmal intensiver, das in einem Song zu verpacken und dann auch damit auf der Bühne zu stehen und auf der Bühne zu bluten. 

Zwischen Protest und Erwartung

subtext.at: Zum Entstehungsprozess: Das Thema beschäftigt dich schon lange, aber gab es dann einen bestimmten Impuls, dass du jetzt den Song darüber schreiben musstest? Oder ist das ganz intuitiv passiert?

Fraeulein Astrid: Ich glaube, ich habe mir schon immer unterbewusst einen Song darüber gewünscht, primär auch als Konsumentin, der mir durch solche Zeiten geholfen hätte. Und für mich als Künstlerin war es der logische erste Output: mich ärgert was, ich schreibe einen Song darüber. Es war eine Zeit, wo ich besonders frustriert war über meinen Körper, über die Krankheit. Da ging es mir besonders schlecht und dann habe ich angefangen, den Song zu schreiben. Innerhalb eines Tages war eigentlich alles fertig. Ich habe am Anfang überlegt, dass ich eigentlich über einen Menschen singe, wegen einem ganz anderen Thema. Und dann habe ich überlegt, wer ist eigentlich diese Person, an die ich singe? Dann hat sich immer mehr herauskristallisiert, ich bin gerade so pissed auf die Krankheit, ich schreibe darüber.

subtext.at: Beim Protestsongcontest wird ja oft die Frage gestellt, wogegen der jeweilige Song protestiert. Das ist bei deinem Song ja sehr vielschichtig. 

Fraeulein Astrid: Ich singe alles in der Du-Form, ich singe die Krankheit als Person an, wie wenn ich vor dem Spiegel stehe. Sie ist ein Teil von mir, aber damit es mich psychisch nicht so fertig macht, versuche ich sie trotzdem als etwas Separates zu sehen. Eigentlich ist der Refrain konkret an die Ärzte und Ärztinnen gerichtet und die Strophen eher an die Krankheit.

subtext.at: Beim PSC hat die Jury dann ja auch teilweise kritisiert, dass der Text so breit geschrieben ist und so viel Interpretationsspielraum lässt. Hast du das bewusst so gemacht, nicht explizit die Worte auszusprechen?

Fraeulein Astrid: Das habe ich absichtlich so gemacht. Wenn ich selbst Musik höre, nehme ich aus den Songs immer das raus, was ich gerade brauche. Und manchmal liege ich damit voll falsch, aber es ist doch eigentlich egal, solange es mir hilft und ich mich gesehen oder verstanden fühle. Dann hat für mich ein Song alles erreicht. Und deswegen wollte ich es offener halten. Das Überthema ist Medical Gaslighting – von jemandem nicht ernst genommen zu werden – und das kann auf so viele Situationen und Krankheiten zutreffen.

subtext.at: Das finde ich total spannend und ich habe, glaube ich, noch nie einen Song gehört, wo es explizit um dieses Thema geht, oder um chronische Erkrankungen. Zumindest fällt mir gerade keiner ein. Deshalb finde ich auch gut, dass du das so breit gehalten hast, um für eine ganze Community zu stehen. Und ich bin mir sicher, obwohl das FM4-Publikum sehr gebildet ist, dass viele Leute an diesem Abend etwas gelernt haben.

Fraeulein Astrid: Das hoffe ich. Und es war mir auch so wichtig, direkt nach dem Auftritt die Statistik zu nennen, und den Leuten bewusst zu machen, dass es wirklich extrem viele Leute betrifft. Die Personen wissen das teilweise selber noch nicht einmal, weil der Weg zur Diagnose auch extrem lang ist. Aber das ist halt so, es ist ein Wettbewerb, da kommen verschiedene Meinungen zusammen.

subtext.at: Du hattest das ja auch auf Instagram geteilt, dass du eigentlich ein bisschen enttäuscht bist oder dir mehr erwartet hattest vom PSC. Generell bist du sehr transparent auf Social Media und sehr ehrlich mit dem, was Offstage in deinem Leben passiert. Ich glaube, viele Leute tragen gar nicht nach außen, wenn sich Erwartungen nicht erfüllen. Und du gehst aber raus und sagst zu den Leuten: “hey, das betrifft mich gerade”. Wie schaffst du es, so offen zu sein?

Fraeulein Astrid: Ich will einfach transparent sein. Was habe ich zu verlieren? Natürlich will man immer haben, dass Sachen gut ankommen, das ist ja auch schön, aber es kommen so viele andere Seiten dazu. Ich finde es wichtig, auch darüber zu sprechen, was schwierig ist. Ey, das ist Social Media, da teilt man halt natürlich an erster Stelle nur die guten Sachen, aber deswegen ist es mir wichtig, ab und zu auch andere Sachen hinein zu streuen, um den Leuten klarzumachen, dass nicht alles nur ein Ponyhof ist.

subtext: Welche Strategien hast du abseits von Social Media, um mit Enttäuschungen oder Zweifeln umzugehen?

Fraeulein Astrid: Am meisten hilft mir, mit Friends und nahestehenden Personen zu reden, die mich dann aufbauen. Und mich zu erinnern: Wo war ich jetzt vor drei Jahren? Wo war ich jetzt vor fünf Jahren? Ich habe das Gefühl, mein Projekt ist so stetig angenehm am Wachsen, jedes Jahr kommt etwas Neues dazu. Sich manchmal in Selbstmitleid zu suhlen ist schon auch wichtig, aber irgendwann muss man sich dann wieder rausreißen.

Deutsch statt englisch

subtext.at: Nochmal zurück zum Songwriting. “sag mir du erinnerst dich” ist dein erster Song auf Deutsch. Warum hast du dich entschieden, jetzt zu deutschsprachiger Musik zu switchen?

Fraeulein Astrid: Ich habe früher immer auf Englisch geschrieben, weil meine Gedanken auf Englisch rausgekommen sind. Meine Songs entstehen meistens aus Handynotizen und im letzten Jahr habe ich gemerkt, diese Handynotizen werden plötzlich Deutsch. Ich glaube, es hängt hauptsächlich damit zusammen, dass ich auch die letzten Jahre viel mehr deutsche Musik konsumiere. 

subtext.at: Hast du etwas, das du empfehlen möchtest?

Fraeulein Astrid: Deutsche Musik? Magdalena Wawra. Und Rahel. Da war ich schon immer ein riesiger Fan. Ich habe es früher so schwierig gefunden, selbst auf Deutsch zu schreiben. Es ist unsere Muttersprache, es liegt uns viel näher – mit Englisch hatte ich trotzdem eine gewisse Distanz. Und auf Deutsch zu schreiben ist so schnell so cringe, besonders, wenn man teils sehr traurige Musik macht. Das ist wirklich ein sehr schmaler Grat, da ist man einfach viel strenger mit sich. 

Ich habe mit meiner Periode so viele negative Erfahrungen gemacht. deswegen war es schön, daraus jetzt auch etwas Positives zu machen, und es zu enttabuisieren.

Song-Zerlegung mit Astrid

subtext.at: Und es ist nicht nur dein erster deutscher Song, ich finde, es hebt sich auch inhaltlich ab. Mit deinem letzten Release SILENCED ging es schon ein bisschen in die Richtung, ich höre da sehr viel Wut heraus. Wie war es für dich beim Schreiben mit diesem Gefühl? 

Fraeulein Astrid: Es war schon sehr befreiend, neue Sachen auszuprobieren, auch mit noch härteren Drum-Sounds zu spielen, noch dunkleren Synths. Ich singe auch verhältnismäßig viel tiefer, bei manchen Stellen viel mehr mit Bruststimme. Auf dem Refrain ist extrem viel Distortion drauf und es übersteuert, das ist eigentlich gar nicht “schön” gesungen. Ich wollte diese Brücke machen – früher war es sehr viel Sad Girl Pop – hin zu Female Rage. Das wird auch das Überthema von meinem Album sein. Ich bin einfach kein trauriges Mädchen mehr, sondern eine wütende Frau.

subtext.at: Ich glaube, Traurigkeit und Wut hängen ja auch total zusammen. Also in Wut steckt oft ganz viel unterdrückte Depression, und umgekehrt?

Fraeulein Astrid: Ja, absolut. Das Sad Girl ist auch nach wie vor da. Aber ich glaube, jetzt werde ich halt langsam erwachsen (lacht). Ich bin eh schon lange erwachsen auf dem Papier, aber von den Thematiken her, und so wie ich auch die Welt mittlerweile sehe – scheiße, ich glaube ich bin erwachsen geworden.

subtext.at: Du produzierst deine Songs auch selber, hast du da produktionstechnisch noch auch andere Sachen ausprobiert?

Fraeulein Astrid: Was ich auch stark gemacht habe, ist, dass ich sehr lautmalerisch gearbeitet habe. Das hatte ich so krass noch nie, dass die Sounds für mich Dinge repräsentieren. Diese swelling Synths in der Strophe – wumm, wumm, wumm – so fühlt sich eine Periode an für mich. Mein Uterus will etwas wegstoßen, was da halt einfach nicht sein soll. Genau so ist es bei Adenomyose und Endometriose, diese Herde sind ja dort, wo sie nicht sein sollen. Deswegen wehrt sich der Körper und es tut besonders weh, weil er es nicht abbauen kann, wie normalerweise die Gebärmutterschleimhaut an anderen Orten. Und auch am Ende, wo der Song dann in dieses völlig Reduzierte geht – das war ja wirklich nur eine Handyaufnahme, das Outro. Dass man sich sehr allein fühlt und aber auch die Schmerzen von einem Moment auf den anderen aufhören können. Diese lautmalerische Ebene war auch neu.

Periodenblut als Gratis-Ressource

subtext.at: Stichwort Ebenen. Perfekte Überleitung zu noch einer Ebene, die ich ansprechen möchte: die visuelle. Du hast vorher schon gesagt, es macht dir total Spaß, das zu konzipieren. Wie ist deine Performance auf der Bühne zustandegekommen?

Fraeulein Astrid: Ich habe mir gedacht, ein Outfit aus vielen Second-Hand-Handschuhen würde perfekt zu dem Song passen. Für mich repräsentiert das die vielen Ärzt:innenhände, die mich überall angegriffen haben. In der Performance, um noch mehr klarzumachen, worum es in dem Song geht, dachte ich mir, haha, du blutest dann halt auch auf der Bühne.

subtext.at: Eigentlich so schade für die Leute, die das nur im Radio hören und kein Bild dazu haben. Wie hast du das gemacht mit dem Blut?

Fraeulein Astrid: Das sind so kleine quadratische Packerl mit Kunstblut gefüllt, das wird normalerweise für Film und Theater verwendet. In meiner Vorstellung klang das viel leichter, ich klebe mir das zwischen die Beine und während der Performance ritze ich das auf. Aber die Teile sind so fucking stabil. Ich glaube die werden Songs echt verwendet, wenn jemand mit einem Messer gerammt wird. Ich habe das vorher das schon leicht anschneiden müssen, und habe schon so gespürt, wie es anfängt zu rinnen, weil ich es zu stark angeschnitten habe und dann war ich so zu Felix, meinem Drummer, fuck, ich glaube, man sieht es schon voll. Deswegen bin ich auch so auf die Bühne gewatschelt, weil ich dachte, ich darf mich nicht bewegen.

subtext.at: Das ist auch so funny und bezeichnend eigentlich, weil jeder Mensch mit Periode kennt das Gefühl von „Oh mein Gott, sieht man was?“ Und man fragt jemanden zu schauen, ob da ein Fleck ist oder so.

Fraeulein Astrid: Ja, deswegen hat es dann auch früher angefangen als geplant. Und bei der Zeile haben ich dann mit der Hand den Rest aus diesem Packerl rausgedrückt und verschmiert. Das war stressig, würde ich nicht noch einmal so machen in einem Wettbewerb-Kontext.

subtext.at: Zum Cover-Artwork hab ich gelesen, dass es dein eigenes Periodenblut war, mit dem dir auf den Rücken geschrieben wurde. Warum?

Fraeulein Astrid: Why not? Ich habe gedacht, das ist eine Gratis-Ressource, dann muss ich nichts kaufen (lacht). Und es ist noch persönlicher. Da war ich mir nicht sicher, ob ich das von meinen Freund:innen verlangen kann, aber die waren zum Glück extrem chill damit, das fand ich sehr cool. Davor musste ich nur ein bisschen experimentieren, weil ich mir nicht sicher war, wie dickflüssig das ist und ob es sich verfärbt. Ich habe gelesen, dass man Stärke hineinmischen kann, damit es ein bisschen dicker wird. Oder Honig. Oder, wenn es noch dunkler werden muss, Kakao. Ich habe es auch noch immer zu Hause, ich habe mich noch immer nicht emotional trennen können, obwohl ich es echt einfach wegschmeißen muss.

subtext.at: Ich liebe diese Story.

Fraeulein Astrid: Es war wirklich sehr lustig. Eine super bonding experience auch. Periodenblut ist ja eigentlich was voll Hygienisches. Da wird tatsächlich gerade viel recherchiert, wofür man das verwenden kann, weil da viele Nährstoffe drin sind. Ich habe generell mit meiner Periode so viele negative Erfahrungen gemacht, deswegen war es schön, daraus jetzt auch etwas Positives zu machen, und es zu enttabuisieren.

„Es interessiert mich nicht mehr, das schönzureden“

subtext.at: À propos Tabu, Tabubruch. Hattest du selber irgendwie das Gefühl, dass du doch noch so ein internalisiertes Schamgefühl empfindest, das jetzt wirklich so auf der Bühne zu präsentieren? Oder war es einfach ein logischer Schritt, weil du so lange auch schon öffentlich darüber gesprochen hast?

Fraeulein Astrid: Also ich habe mir wirklich gar keine Gedanken dazu gemacht. Endometriose ist eine alltagseinschneidende Krankheit, das heißt, ich muss bis zu einem gewissen Grad auch darüber reden, ich muss meinem Chef Bescheid sagen, ich muss mit meinem Hausarzt darüber reden. Aber ich will auch darüber reden. Auch mit Männern in meinem Umfeld oder in Familiensituationen. Wenn man einen durchschnittlichen Zyklus hat, beschäftigt es uns einmal im Monat. Ein Viertel der Zeit. Es interessiert mich wirklich nicht mehr, das schönzureden oder Sachen zu verheimlichen. Aber es spielt sicher mit rein, dass ich das Thema schon länger auf meinen Social Media behandle und in meinen Freundeskreisen darüber rede. Und es hilft jetzt auch, einen Song zu haben.

subtext.at: Das ist ein schönes Gefühl. Und ich habe noch eine letzte Frage, wenn wir gerade so beim Patriarchat sind. Deinen KünstlerInnen-Name. Is it a dig on the patriarchy?

Fraeulein Astrid: I guess. Apparently (lacht). Ich muss mir da wirklich irgendwann noch eine gute Geschichte einfallen lassen. Aber es war vor vielen, vielen Jahren, ich wollte auf Instagram einen cooleren Username haben. Und dann hat ein Freund einfach gesagt, nenn dich Fraeulein Astrid, weil du bist so ein Fräulein. Das hat gar keinen Sinn gemacht, aber ich habe es übernommen. Erst nachdem ich den Namen gewählt habe, ist mir bewusst geworden, dass das oft in einem sexistischen Kontext verwendet wurde. Also ist es total politisch, sich so zu nennen, gerade weil ich mit meinen Werten halt genau gegen all das stehe.

subtext.at: So eine self-fulfilling prophecy irgendwie, dass du das damals schon entschieden hast.

Fraeulein Astrid: Ich dachte mir, dann nutze ich das, um es gleich zu reclaimen. Ich liebe Widersprüche. Auch visuell liebe ich es, mit Kontrasten zu arbeiten. So süßen, schöne, pastellige Elemente mit sportlichen oder stärkeren Elementen zu vermischen. Und dann hat es sehr gut gepasst, dass der Artistname sehr cutesy ist, aber ich mit meinen Werten genau gegen all das stehe. Meine Mom hat mich nur ganz selten Fräulein genannt, wenn ich Scheiße gebaut habe. Es fühlte sich ein bisschen bratty an. So frech. Deswegen hatte ich zu Fräulein eigentlich eine ganz andere Connection, für mich war das so eine badass junge Frau. Das fand ich eigentlich ziemlich cool, und ich dachte, das passt.


Fraeulein Astrid – sag mir du erinnerst dich

VÖ: 13.02.2026
LIVE: 29.05.2026 – Graz, La Strada Uni Vibes

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begeisterte Fragestellerin, Wortliebhaberin und Detailromantikerin; Dorfkind in der Hauptstadt