Heisskalt posthof linz lehnen im licht
Foto: Christoph Leeb

Heisskalt: Verschwitzt im Club

Vom Tun Und Lassen – die Stuttgarter Alternative-Aushängeschilder Heisskalt haben nach mehr als sechs Jahren Pause letztes Jahr wieder ein Album veröffentlicht. Die dazugehörige Tour führte sie – bewusst – am Samstag in den kleinen Saal des Linzer Posthofes.

Sechseinhalb Jahre Pause waren es, die Heisskalt eingelegt haben. Schon vor der Pandemie hatten sie sich quasi nach der Veröffentlichung ihrer dritten Platte Idylle in die musikalische Pension verabschiedet. Zu unterschiedlich manchmal die Lebensrealitäten in und außerhalb einer Band, zu auslaugend manchmal sowieso. Umso schöner, dass mit Vom Tun Und Lassen dann letztes Jahr wieder ein Lebenszeichen von Heisskalt erschienen ist (hier zur Review). Umjubelte Tour dazu natürlich inklusive. Live hatten sie nichts an Qualität eingebüßt, wie wir in Wien miterleben konnten (hier zum Rückblick).

Heuer gibt es wieder eine Tourrutsche – in Städte, die bislang nicht so oft auf dem Heisskalt’schen Tourplan gestanden waren, die aber jetzt in den Genuss kamen. In Hallen, die nicht unbedingt der Größe der Band entsprechen. Dementsprechend saunaartig sind die Gastspiele auch, wie etwa jenes vor gut 150 Leuten am Samstagabend im kleinen Posthofsaal. Doch auch der Support konnte überzeugen – und Sänger Matze haben wir vor dem Gig zum Interview getroffen, das ihr gerne am Ende des Artikels nachhören könnt.

Jeanny: Support mit Message

Es ist ja oft schwierig, wenn es um Supportbands geht. Mal sind sie „eh auch da“, haben „die Crowd gut aufgewärmt“ oder oft nur den Unterhalter gespielt, bevor dann der Headliner die Bühne betreten darf. An diesem Abend im Posthof ist es anders. Zugegeben, wir haben die Wiener Formation Jeanny schon vorher gekannt (hier zur Review der ersten EP), sie in dem einen oder anderen Geheimkeller der Stadt schon gesehen. Und ja, der Gig im Flucc im vergangenen April (hier zum Rückblick) hat sich nachhaltig in unsere Gehörgänge eingebrannt.

Denn Jeanny sind eine Band, die Inhalt hat. Klingt oft wie eine Floskel, ist hier aber wirklich so. In eine halben Stunde komprimiert werden hier Songs über alkoholkranke Eltern und Therapiestunden in die Crowd geschrien. Namen wie Garten oder Fleck tragen die Songs dann. Mit einer Inbrunst vorgetragen, dass es eine Freude ist – und auch die Trompete ist an dieser Stelle niemals verkehrt. Eigenes Scheitern wird hier eingestanden, Struggles thematisiert, und die heile Welt existiert hier vielleicht auf der Bühne, aber nie in den Texten der Band. Eine Band, deren Alben man uneingeschränkt weiterempfehlen möchte und der man gerne länger als eine halbe Stunde lang gelauscht hätte.

Heisskalt: Das war dann doch sehr schön

Dann war es mit leichter Verspätung dann auch schon so weit. Heisskalt auf der Bühne und das gleich mit einem Banger. Die Singleauskopplung des aktuellen Albums Wasser, Luft und Licht leitete mit Karacho diesen Abend ein. Sofort war die Band in ihrem Element und ebenso sogleich begannen die ersten Besucher:innen, mitzusingen. Es ist einfach jedes Mal wieder eine Freude, Heisskalt auf einer Bühne zu sehen. Diese Energie, diese Leidenschaft und diese feine Abmischung aus Eleganz und Brachialität zeichnen sie aus. Danach ging es dann schon wieder zurück in das wohl bekannteste Album der Band, Vom Stehen und Fallen. Mit den Songs Nicht anders gewollt und Sonne über Wien. Inklusive dann sehr frühem ersten Ausflug ins Publikum. Ganz allgemein muss man sagen: Das war eine sehr schöne Playlist.

Eine Auswahl, die nicht nur die neue Platte in den Vordergrund stellt, sondern auch Fans der ersten Stunde zufriedenstellt. Die ganze Diskografie aller drei LPs und ein Gig, der natürlich auch die großartige EP Mit Liebe gebraut durch Hallo abdeckt. Ach war das einfach schön, ein einwandfreier Auftritt, an dem es eigentlich nichts auszusetzen gab. Bitte bald wieder!

Übrigens: Vor dem Gig konnten wir mit Heisskalt-Frontmann Matze noch ein Interview führen, das ihr hier gerne nachhören dürft!

Foto: Christoph Leeb, Andreas Wörister

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.