Styrian Sounds 2026 – drei Tage steirische Popkultur im PPC

Von Indie über Elektro bis hin zu Punk, Hip-Hop und experimentellen Sounds – Styrian Sounds ist weniger ein klassisches Festival als vielmehr eine Momentaufnahme einer Szene, die ständig in Bewegung ist.

Das Styrian Sounds Festival hat sich über die letzten Jahre einen fixen Platz in der Grazer – ja eigentlich in der gesamten steirischen – Kulturlandschaft erarbeitet. Im PPC in Graz wird dabei einmal jährlich das gebündelt, was die regionale Szene ausmacht: drei Tage, rund 30 Acts, zwei Floors und ein beeindruckender Querschnitt durch die heimische Popkultur. Was das Festival so besonders macht, ist nicht nur die musikalische Vielfalt, sondern vor allem die Idee dahinter: eine Plattform zu schaffen, die lokale Artists sichtbar macht, Vernetzung fördert und zeigt, wie viel internationales Potenzial in der Steiermark steckt. Diese Leidenschaft auch für die Nachwuchsmusiker*innen ist nicht nur im Line-up, sondern auch im ganzen Haus und vor allem bei den Mitarbeiter*innen sichtbar.

Frühling in Graz ist sowieso immer etwas Besonderes – warum also nicht Freund*innen einpacken und das Ganze mit einem Festivalbesuch verbinden? Gesagt, getan: Ein Wochenendtrip wurde geplant und der Samstag (nach der Uhrturmrutsche) ganz den Styrian Sounds gewidmet. Leider mussten wir uns zeitlich auf einen Tag beschränken, denn Acts wie Bibiza oder auch Sodl hätten uns in ihrer gewohnten Manier bestimmt wieder begeistert. Aber auch nur ein Tag reicht aus, um das Festival in all seinen Facetten kennenzulernen und in die heimische Musikszene einzutauchen. So sind wir mit vielen hundert weiteren Besucher*innen mit vollem Anlauf ins Festivalgeschehen reingesprungen.

Nationale Musikvielfalt

Zugegeben, leider haben wir uns etwas zu sehr in den Frühling in Graz verliebt und haben es somit nicht ganz pünktlich zum Beginn vom Festival geschafft. Somit war für uns der erste Akt die Band mit und rund um Magdalena Wawra. Sie bringt eine spannende Mischung aus reduziertem Indie-Pop und emotionaler Direktheit auf die Bühne. Ihre Songs wirken oft intim, fast zerbrechlich, ohne dabei an Stärke zu verlieren – ein gutes Beispiel dafür ist ihr Track „Time“, der ihre atmosphärische Handschrift gut einfängt.

Überrascht – im besten Sinne – hat uns auch die zweite Stage. Abseits der „größeren“ Namen passiert hier oft genau das, was Festivals wie dieses ausmacht: echte Entdeckungen. Allen voran Wrong Generation: rohe Energie, ehrliche Attitüde und spürbarer Spaß auf der Bühne. Dazu eine klare Message, die nicht aufgesetzt wirkt – genau diese Mischung bleibt hängen, wir freuen uns auf mehr.

Auf der Hauptbühne ging es mit Jo The Man The Music weiter. Die Künstlerin Johanna Gußmagg liefert modernen, internationalen Pop mit klarer Kante. Zwischen Selbstinszenierung und Verletzlichkeit bewegt sich ihr Sound irgendwo zwischen Bedroom-Pop und großer Bühne. Ihr Debütalbum Soft Skin sorgt aktuell für viel Aufmerksamkeit – absolut zurecht. Der Auftritt hat unsere Vorfreude aufs Acoustic Lakeside, wo sie unter anderem auch einen Slot hat, vertausendfacht.

Der Teufel tanzt im Volksgarten

„Mehr“ ist das Stichwort, das den Auftritt von Laurenz Nikolaus am besten beschreibt. Mit seinem Charme, seiner Energie hat er uns komplett weggeblasen. Gerade mal ein Album releast und schon ist er durch die Decke der österreichischen Musiklandschaft geschossen. Songs wie „Teufel tanzt im Volksgarten“ oder auch „Annemarie“ haben sich als Ohrwürmer die restliche Woche manifestiert. Der Sound knüpft an große Austropop-Traditionen an, jedoch an vielen Enden neu interpretiert. Die Vorfreude auf den Festivalsommer, wo der Name der Band das ein oder andere Mal das Line-up verziert, ist groß. Eines ist klar: Die Musik von Laurenz Nikolaus macht pock.

Der Headliner des Abends waren Yukno. Das Duo steht für melancholischen Elektro-Pop, der gleichzeitig zum Tanzen und Nachdenken einlädt. Mit ihrem letzten Album „Gute Nachtmusik“ haben sie einmal mehr gezeigt, wie konsistent und eigenständig ihr Sound ist. Unser Alltime-Favorit der Band wird aber für immer und ewig der Song „Hund“ bleiben.

Fazit

Alles in allem zeigt sich einmal mehr: Styrian Sounds ist nicht nur ein Festival, sondern ein wichtiger Motor für die Szene. Ein Ort, an dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der nationalen Popkultur treffen – und an dem man jedes Jahr aufs Neue merkt, wie viel hier eigentlich passiert.

Fotos: Lisa Leeb

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