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Foto: Christoph Leeb

Voodoo Jürgens: ein musikalischer Gschnas

Voller Posthof, zufriedene Gäste: der Wiener Barde Voodoo Jürgens präsentierte am Donnerstagabend seine vierte Platte Gschnas im Linzer Zeitkultur-Hafen. Ein Konzert, das deutlich machte, weshalb Voodoo Jürgens momentan zu den erfolgreichsten Artists der Alpenrepublik zählt.

Wenn es einen österreichischen Künstler gibt, auf den das Prädikat Phänomen zutrifft, dann ist das wohl Voodoo Jürgens. Zehn Jahre nach Veröffentlichung seiner vielbeachteten Debütplatte Ansa Woar ist Voodoo Jürgens als Künstler etabliert. Als Schauspieler in Filmen wie Rickerl – Musik is höchstens a Hobby und als Botschafter des Wiener Schmähs hat er seine Fanbase vergrößert. Denn David Öllerer alias Voodoo Jürgens ist der Meister des schwarzen Humors. Nun, die musikalische Karriere von Voodoo Jürgens geht aber eigentlich schon ein Stück zurück – uns ist er erstmals aufgefallen als Teil von Die Eternias, gefolgt von einem Kurzauftritt im Vorprogramm der Sex Jams in der Arena. Schon damals hatte man das Gefühl, dass Voodoo Jürgens samt seinem Humor für größere Stages bestimmt ist.

Ein Best-Of samt passendem Support

Nun, wir sollten recht behalten. Nach dem umjubelten Debüt Ansa Woar folgte ‚S klane Glücksspiel, Wie die Nocht noch jung wor und aktuell seine vierte Platte, Gschnas. Live-Platte dazwischen inklusive. Das neueste Album führte ihn am Donnerstag auch samt seiner Ansa Panier in den Linzer Posthof. Nicht ganz ausverkauft, aber dann doch verdammt nahe dran.

Support? Gab es auch. Vereter durfte den Abend eröffnen? Vereter? Nun, das ist das Projekt von Pete Prison IV, den man von Acts wie Bosna kennen könnte. Wiener Schmäh wird hier mit queeren und feministischen Elementen ergänzt. Gemeinsam mit der Begleitband Die Woamen Semmeln ein inhaltlich anderer Zugang zu Musik, die stilistisch aber doch stark in Richtung Voodoo Jürgens und zeitgenössische Wiener Popkultur geht. Macht schon Spaß, und die Message „Nein Ist Nein“ sollte man immer unterstützen. Mit einer guten halben Stunde war das dann aber doch ein etwas arg kurzes Set.

Danach: Voodoo Jürgens samt Ansa Panier. Die folgenden eineinhalb Stunden Konzert kann man dann getrost als Best-of bezeichnen. Mit Heite grob ma Tote aus wird ein Überhit gleich zum Anfang „verbraten“, um das Publikum in Stimmung zu bringen. Nummern von Gschnas fügen sich gefühlt nahtlos in die Setlist ein. Langsam wirst ma fremd, De An und de Aundan, der Taxitänzer, Da Dings – als wären die Nummern „eh immer schon da gewesen“. Natürlich gibt es auch Klassiker wie Gitti, 2l Eistee oder zuletzt Tulln zu hören, sodass Voodoo-Fans aller Generationen auf ihre Kosten kommen. Zwischenansagen? Brauchts fast nicht, Voodoo Jürgens lässt seinen ganz eigenen schwarzen Humor vor allem in den Songs sprechen. Applaus zum Schluss? Sowieso: ein Konzert eines Künstlers, der in Österreich wohl einzigartig ist. Und das hoffentlich noch lange sein wird.

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.