Eigenlob und so
Eine vor allem für die Linzer Filmszene wichtige Programmsektion – die Local Artist Shorts. Den Start machen sieben Kurzfilme von jungen Künstler:innen mit Oberösterreich-Bezug beim Crossing Europe Filmfestival. Für Subtext war es ein besonderes Screening, denn Fabian Schwarzinger aus unserem Team war diesmal unter den Filmschaffenden.
Auch durch die Local Artist Shorts zieht sich dieses Jahr das Thema Familie. Ob fast schon therapeutische Be- oder Verarbeitung der eigenen Geschichte, parasoziale Beziehungen oder klassischere Familienkonstellationen, von allem ist etwas dabei. Ideen und der Wille, viel Arbeit zu investieren, daran mangelt es jungen Filmschaffenden definitiv nicht.

Die Suche nach dem Haus meines Vaters
Jan Reisecker macht sich in „Die Suche nach dem Haus meines Vaters“ auf – naja, die Suche. Vernebelte Standbilder von Welser Gebäuden, Einfamilienhäusern und Orten, die Reisecker in besonderer Verbindung zu seinem Vater sieht. Doch finden will er das Haus nicht.
Dreitagebart
Der Kurzfilm „Dreitagebart“ von Nora Einwaller begleitet einen Enkel bei der Pflege seines dementen Großvaters. Wut, Liebe und Berührung zeigt Einwaller auf eine kunstvolle und bedachte Weise.
Alles aus Liebe
„Alles aus Liebe“ von Eric M. Weglehner fängt mit sehr viel Feingefühl eine Mutter-Sohn-Beziehung ein. Eine Mutter, die dem Sohn keine Luft zum Atmen lässt und ihn mit schlechtem Gewissen zum Bleiben manipuliert. Bleiben soll er bei ihr und ihrem kranken Pferd. Weglehner zeichnet sich durch einige unglaublich ausdrucksstarke Szenen aus: Da eine vielsagende Berührung, dort ein Blick, der im Zuschauerraum Resonanz findet.
Telefon und Hand
„Telefon und Hand“ von Pauline Lotti Müller entstand nach einer spontanen Idee. Auf 35mm und mit dem kreativen Einsatz eines Telefons und den Armen einer Schaufensterpuppe.
Call Me – Viktoria West
Das Musikvideo „Call Me – Viktoria West“ von Matilde Laires und Francisca Friedrich erinnert an Lana Del Rey und lässt keine Wünsche offen. Analog gefilmt und mit viel roter Farbe und Sonnenlicht ziehen die Bilder einen mit auf die Blumenwiese. Feelgood pur.
(Be)longing
Alžběta Čiperová hat in „(Be)longing“ drei freiwillig migrierten Frauen ihre Geschichten erzählen lassen. Wie gliedert man sich in eine fremde Gesellschaft ein? Die Kämpfe mit Bürokratie und Heimweh, die Depressionen, die mit dem Umzug nach Österreich verbunden waren – und die eigene Geschichte der Regisseurin. Filmisch wurden die aus dem Off gesprochenen Erzählungen mit Homevideos von Čiperovás Familie unterlegt. Allerdings ist es eher mäßig kurzweilig, eine halbe Stunde verwackelte Handkamera-Filme von einer fremden Familie auf einer großen Kinoleinwand anzuschauen.
Zwillingsschwestern
Am Ende noch Subtexts ganzer Stolz dieses Jahr: Fabian Schwarzinger. Sein Kurzfilm „Zwillingsschwestern“ zeigt den Livestream von Mia in einer dystopischen Zukunftswelt. Die Streamerin, vom Profitgedanken eingenommen, startet ein „Meet Me“ im Stream. Iris, eine verzweifelte Halbwaisin, hat ihr Leben durch den Stream so sehr mit dem von Mia verknüpft, dass Realität und Einbildung nicht mehr zu trennen sind. Im „Meet Me“ konfrontiert sie ihr Idol. Sie seien doch Zwillingsschwestern, und Mia muss es zugeben. Mit einem tragischen Klimax, der dem Kurzfilm eine Inhaltswarnung einbrachte, endet der Film.
Der Film ist durchzogen von fast humorvollem Zynismus, und vor allem Mia als Charakter ist unglaublich realitätsnah. Man spürt Fabian Schwarzingers Perfektionismus und die viele Arbeit, die in diesen Film geflossen ist. Allein die tausenden Chatnachrichten sprechen für sich. Da konnte das Subtext-Team danach stolz anstoßen.

filmfestival linz
28 april – 03 mai 2026
www.crossingeurope.at
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