Hysteria: Brandherd Filmset
Im Verschwörungsthriller „Hysteria“ seziert Mehmet Akif Büyükatalay die Abgründe der Filmbranche. Was als Aufarbeitung des Brandanschlags von Solingen beginnt, eskaliert am Set zu einem hochexplosiven Machtkampf um Religion, Moral, künstlerische Freiheit und die Ausbeutung realer Traumata für das europäische Gewissen.
Bei den Dreharbeiten zu einem fiktionalen Spielfilm über den rassistisch motivierten Brandanschlag von Solingen 1993 entdecken muslimische Komparsen, dass für eine Szene ein echter Koran verbrannt wurde. Sofort entflammt eine hitzige Diskussion zwischen Regisseur Yigit und den Statisten, in deren Zentrum sich Praktikantin Elif wiederfindet. Als zudem die ihr anvertrauten Filmaufnahmen gestohlen werden, eskaliert der Konflikt: Elif, die eigentlich vermitteln wollte, gerät unaufhaltsam zwischen die Fronten. Es entspinnt sich ein Verschwörungsthriller aus Lügen, Geheimnissen und Anschuldigungen, bei dem die Grenzen zwischen Gut und Böse zunehmend verschwimmen.

Die Grundsatzdiskussion
Ins Zentrum von Mehmet Akif Büyükatalays Spielfilm Hysteria rückt dabei schnell eine fundamentale Debatte. Während Regisseur Yigit auf die künstlerische Freiheit pocht, fühlen sich die muslimischen Laiendarsteller instrumentalisiert. Komparse Mustafa kritisiert, der Film diene nur dazu, „das europäische Gewissen zu beruhigen“. Damit bringt er einen wesentlichen Punkt aufs Tapet: das sogenannte „Betroffenheitskino“.
Dieser Kritikpunkt bezieht sich auf die Art und Weise, wie die europäische Filmindustrie oft mit traumatischen Ereignissen marginalisierter Gruppen umgeht. Man produziert Filme über historische Gräueltaten, um damit vordergründig eine moralische Pflicht zu erfüllen. „Performative Empathie“ steht dabei im Mittelpunkt: Das Publikum leidet kurz im Kinosessel mit und beruhigt so das eigene Gewissen, ohne echte Konsequenzen ziehen zu müssen.
Ein explosives Ensemble
Die Charaktere verkörpern diese Metaebene eindrücklich: Sie alle sind in ihren Werten, Idealen und Egos stark ausgeprägt und individuell künstlerisch sowie muslimisch geprägt. Dies ergibt einen explosiven Cocktail, der wie geschaffen für einen Thriller ist.
Hervorzuheben ist vor allem Hauptdarstellerin Devrim Lingnau in der Rolle der Elif. Sie verkörpert authentisch die ambitionierte Regieassistentin, die krampfhaft versucht, keine Fehler zu machen, und sich gerade dadurch immer tiefer in Probleme verstrickt und das Feuer ungewollt weiter schürt.
Fazit
Hysteria wird seinem Namen gerecht und mündet in ein intensives, nachhallendes Finale. Der Film tut dort weh, wo Kunst oft zu bequem wird, und ist genau deshalb wichtig. Für alle, die das nicht verpassen wollen: Kinostart im Moviemento ist am 15. Mai 2026.

Hysteria
Regie: Mehmet Akif Büyükatalays
Deutschland, 2025, 105 Minuten
Deutsch / Englisch / Türkisch / Kurdisch / Arabisch
Mit Devrim Lingnau, Mehdi Meskar, Serkan Kaya, Nicolette Krebitz, Aziz Çapkurt, Nazmi Kırık

filmfestival linz
28 april – 03 mai 2026
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