She’s the Fantasy!
Was macht einen fantasievollen Film aus? Für Regisseurin Kukla ist Fantasy in ihrem gleichnamigen Spielfilm eine Transfrau, welche das Leben dreier junger Frauen grundlegend verändert.
Mihrije, Sina und Jasna sind beste Freundinnen, die gemeinsam in einem rigiden patriarchalen System in einem Plattenbau in Slowenien aufgewachsen sind. Nun sind sie zwanzig, ihre erwachsenen Leben liegen vor ihnen, doch wo ihnen die Welt offenstehen sollte, sehen sie keine Möglichkeiten. Mihrije schiebt es vor sich hin, ihre Abschlussprüfungen abzulegen, und soll verheiratet werden. Sina versucht, das Boxen zum Beruf zu machen, während Jasna danach strebt, sich von ihrer Mutter zu emanzipieren.
Als sie Frantasy das erste Mal sieht, ist Mihrije sofort in ihrem Bann. Ihre Freundinnen sind Fantasy gegenüber zuerst skeptisch, doch lernen alle drei auf eine bestimmte Art von ihr, sich selbst zu finden, sich selbst treu zu sein und ihren Träumen nachzugehen. Doch Fantasy ist nicht nur das perfekte Vorbild, auch sie braucht Mihrije. Fantasy belehrt und inspiriert die jungen Frauen nicht lediglich, sie ist ebenfalls auf sie angewiesen. Was sich dabei ergibt, ist eine Symbiose aus Bewunderung und Eifersucht, Selbsthinterfragung und Selbstfindung.
queere Magie
Entwurzelte Plattenbauten schweben in der Luft, ein Dragclub in einem mazedonischen Wohnzimmer, eine strahlend bunte Lichtung. Nicht nur Fantasys rätselhafte, fast himmlische Präsenz, auch Kuklas feinfühliges Spiel mit magischem Realismus eröffnet Platz für eine queere Utopie. Es handelt sich um Momente, die einen daran glauben lassen, dass ein Outing vor der konservativen Familie gut gehen kann oder betrunkene Nächte in der verlassenen Wildnis voller Zauber sind. Fantasy nimmt uns mit in diese Utopien, ohne stets die harsche und schmerzvolle Realität aus den Augen zu verlieren. Die Figuren sind füreinander die Fantasie, gleichzeitig navigieren sie gemeinsam die Engstellen zwischen ihr und dem harten Boden der Wirklichkeit, welche sie in jedem Moment zu erdrücken droht.
Is this the real life? Is this just fantasy?
Manche Menschen kommen wie ein Sturm in dein Leben und stellen alles auf den Kopf. Wenn sie wieder verschwinden, fühlt es sich fast so an, als wären sie hier gewesen, würden dein Wandel und deine Entwicklung es nicht bezeugen. Fantasy setzt alles, was die Frauen denken zu wissen, in Brand. Geschlechtervorstellungen, Selbstwahrnehmungen, Grenzen, Träume werden niedergebrannt und neu aufgebaut. Doch existiert Fantasy wirklich oder ist sie nur ebendies, eine Fantasie? Verkörpert sie eine queere Fantasie, deren Umsetzung gerade noch im Prozess, in der Schwebe steht? Es bleibt jedenfalls an den Mihrije, Sina und Jasna, ihre Zukunft, ihre Realität selbstbestimmt in die Hand zu nehmen und zu formen. Mit Weitblick und Selbstvertrauen sehen sie eine Welt, die sie sich, mit eben etwas Fantasie, nach ihren Vorstellungen erschaffen können. Der Film gibt einem eine Hoffnung, eine Inspiration, welche vor allem in einer Zeit wie dem Jahr 2026 bitter nötig ist.
Fazit
Als Teil der YAAAS! Jugendcompetition haben die Youth Programmers mit „Fantasy“ eine hervorragende Entscheidung getroffen, denn Kuklas Kunstwerk war eines meiner persönlichen Highlights des Crossing Europe 2026. Der in gleichen Teilen realistische und hoffnungsvolle Film nimmt einen mit und geht unter die Haut – zutiefst ergreifend und, nicht nur für queere Jugend, sondern für alle, von Herzen zu empfehlen.

Fantasy
Regie: Kukla
Slowenien/Mazedonien, Color 2025
Mazedonisch/Bosnisch/Serbisch/Albanisch/Slowenisch, 98 Minuten, OmeU

filmfestival linz
28 april – 03 mai 2026
www.crossingeurope.at
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