Sofia Isella live in Wien – „Do you have knees, Vienna?“
Ein Abend, an dem die Grenzen zwischen Bühne und Publikum komplett verschwunden sind – Sofia Isella feierte am Mittwoch ihr Österreich-Debüt und brachte die Arena in Wien zum Beben. Zwischen provokanten Ansagen, kollektivem Bouncen und Crowdsurfing sorgte sie für einen unfassbaren Vibe. Den Boden dafür lieferten Seb Lowe und Cloudy June.
Dieses Line-up eröffnete gestern offiziell die Open-Air-Saison für dieses Jahr in der Arena Wien. Das Gelände füllte sich nach und nach, überall hörte man Leute reden, Drinks in den Händen, und irgendwie lag sofort diese unbeschwerte Stimmung in der Luft. Es war das perfekte Setting, um den Kopf auszuschalten und sich einfach im Moment und der Musik fallen zu lassen.
Wien-Debüt für Seb Lowe
Doch als Sebastian Lowe und Kate Couriel die Bühne betraten und die ersten Töne spielten, shiftete die Energie sofort. Von einer Sekunde auf die andere lag die Aufmerksamkeit nur noch vorn. Der Brite feierte ebenfalls sein Wien-Debüt und zog die Menge sofort völlig in seinen Bann. Es war diese Kombination aus seiner markanten Stimme und Couriels eindringlichem Geigenspiel, die sofort eine nostalgische Stimmung über die Arena legte. Ein Sound, der extrem fesselnd war und direkt unter die Haut ging. Genau so eröffnete man einen Abend.
cloudy june – kraftvoll und voller Empowerment
Dann übernahm Cloudy June die Bühne – und der Vibe wandelte sich nochmal komplett. Mit unglaublich viel Selbstbewusstsein brach sie die nostalgische Stimmung auf. Kraftvoller Pop-Rock, Feminismus ohne Ausrufezeichen und diese ehrliche Art, die einen sofort für sich einnimmt. Sie erzählte, wie ein Producer damals ihre Grenzen überschritten hatte und sie sich kurzerhand entschied, selbst zu produzieren. Als sie fragte, wer sie kannte, gingen so viele Hände hoch, dass man ihr das Lächeln danach nicht verdenken konnte.
Sofia Isella – pure Energie und mitten in der Menge
Als Sofia Isella die Bühne betrat, brauchte es keine Ansage – die Spannung war sofort da. Sie startete ihr Set direkt mit „Out in the garden“, gefolgt von „Hot Gum“ und „Josephine“. Allein „Hot Gum“ war für mich schon ein richtiges Highlight. Ihr Sound bewegt sich irgendwo zwischen Industrial, Alternative und Dark Pop, lässt sich aber in keine dieser Schubladen stecken. Von leisem Flüstern bis zu aufgeheiztem Schreien – ihre Stimme hatte an diesem Abend alles dabei, und man merkte bei jedem Song, dass hier jemand steht, der genau weiß, was er zu sagen hat.
Besonders unter die Haut ging das Geigenduett mit ihrem Kindheitslehrer – klassisch ausgebildete Violinistin trifft Industrial-Bühne, im Gegenlicht der Arena. Einer dieser Momente, die man nicht erwartet und danach nicht mehr loswird. Den emotionalen Höhepunkt des Abends lieferte aber „Everybody Supports Women“: Wenn eine ganze Arena diesen Text aus voller Kehle mitsingt, entsteht eine Art kollektive Gänsehaut, die sich nicht planen lässt.
Trotz der düsteren Ästhetik in ihrer Kunst riss sie die Wand zwischen sich und uns ab der ersten Minute ein. Mitten im Set schaute sie ins Publikum und droppte eiskalt: „Prague told me that people from Vienna cannot bounce. So the question is: Do you have knees? Can you bounce?“ Und wir haben uns das nicht zweimal sagen lassen. Im nächsten Moment hat die ganze Arena einfach nur noch gebebt – wir haben definitiv bewiesen, dass Wien bouncen kann.
Was das Konzert für mich am Ende so unvergesslich machte, war einfach diese krasse Nähe. Sie riss die Grenze zwischen Bühne und Publikum komplett ab – egal ob sie Fans zu sich hochholte, beim Crowdsurfing durch die Menge getragen wurde oder bei der Zugabe einfach von der Bühne runterging und sich den Weg mitten durch uns alle bahnte. Am Ende stand sie einfach mitten in der Crowd, umringt von all den singenden und tanzenden Menschen. Ich hatte im Vorfeld gehofft, dass es ein Abend werden würde, den man so schnell nicht vergessen würde – und genau das war es. Es war laut, extrem intensiv und ist einfach im Kopf geblieben.
Fazit
Seb Lowe, Cloudy June und Sofia Isella hätten unterschiedlicher kaum sein können – und haben trotzdem einen Abend ergeben, der nicht auseinandergebrochen ist. Drei Acts, die jeweils auf ihre Art genau das gemacht haben, was gute Livemusik machen soll: den Raum verändern. Dass das ausgerechnet der Auftakt zur Open-Air-Saison war, macht es fast zu schön.
