The Neighbourhood Dublin
Foto: Simone Grübl

The Neighbourhood in Dublin: Tumblr, Chrome und Dr. Martens

Kaum eine Band hat die Alternative-Ästhetik der 2010er so sehr geprägt wie The Neighbourhood. Nach fünf Jahren Pause hat keiner mit dem Comeback und dem neuen Album „Ultrasound“ gerechnet. Genauso überraschend ergab sich auch die passende Welttournee und Show in der 3Arena Dublin am 17. Mai 2026.

The Neighbourhood zählen seit den frühen 2010ern zu den prägendsten Bands der Alternative-Szene. Mit ihrem Mix aus Indie-Rock, R&B und düsteren Pop-Elementen sowie der bewusst monochromen Ästhetik schuf die Band schnell einen eigenen Wiedererkennungswert. Vor allem Songs wie „Sweater Weather“ machten die Gruppe rund um Frontmann Jesse Rutherford weltweit bekannt und zu einem festen Teil der Tumblr- und Indie-Kultur dieser Zeit. Über Jahre hinweg entwickelte sich The Neighbourhood damit weit über die Musik hinaus zu einem eigenen Lebensgefühl für eine ganze Generation.

Mit dem überraschend angekündigten Album „Ultrasound“ meldeten sich The Neighbourhood nach fünf Jahren Pause zurück. Die neue Musik knüpft dabei an den bekannten Sound der Band an, wirkt gleichzeitig aber deutlich reifer und persönlicher. Passend dazu folgte nur kurze Zeit später eine Welttournee. Österreich blieb dabei zwar leider aus, dafür führte die Tour die Band am 17. Mai 2026 nach Dublin und ein Konzert von The Neighbourhood ist schließlich immer auch einen kleinen Trip wert. In der restlos ausverkauften 3Arena zeigte sich schnell, dass The Neighbourhood auch nach Jahren nichts von ihrer besonderen Live-Energie verloren haben.

Noise Dept

Für die Show in Dublin waren sogar zwei Support-Acts geplant. Den Auftakt des Abends übernahm Newcomer DJ Noise Dept, der die noch relativ leere Halle mit seiner „emotional electronic music“ bespielte. Die Crowd wirkte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch eher zurückhaltend und war nur schwer wirklich in Stimmung zu bringen. Trotz solider Atmosphäre blieb der Auftritt insgesamt eher unspektakulär, was sich mit der zweiten Vorband dafür umso schneller ändern sollte.

Night Tapes

Ganz anders sah es beim zweiten Support-Act des Abends aus. Nachdem die Band im vergangenen Sommer beim Stream Festival in Linz live zu sehen war, zeigte sich schnell ihr enormes Potenzial. Das offenbar auch für The Neighbourhood selbst, schließlich begleiteten Night Tapes sie als Support quer durch Europa. Die Show in Dublin markierte dabei den letzten gemeinsamen Tourstopp. Mit ihrem mysteriösen, teils fast hypnotischen Sound und einer starken Bühnenpräsenz holten sie noch einmal alles aus ihrem Set heraus. Musikalisch definitiv speziell und trotzdem funktionierte der Auftritt live beeindruckend gut, auch wenn sich in der Crowd bereits klar erkennen ließ, worauf die meisten an diesem Abend wirklich warteten.

The Neighbourhood

Spätestens mit dem neuen Hit „Hula Girl“ als Opener war klar, dass der Abend ganz The Neighbourhood gehören würde. Schon vor Konzertbeginn fiel die sehr junge Crowd auf, die sich alle an den Dresscode hielt: dunkle Outfits, Boots, Lederjacken und generell einfach typischer Tumblr-Core. Manche waren sogar vollständig in Chrome gekleidet, wodurch die Atmosphäre irgendwie genau so wirkte, wie man sich ein The-Neighbourhood-Konzert wahrscheinlich vorstellen würde. Auch musikalisch ließ die Band kaum Wünsche offen und spielte sich quer durch die größten Songs ihrer Karriere. Vor allem bei viralen Tracks wie „Softcore“ oder „Daddy Issues“ schrie die gesamte Halle lautstark mit. Zusammen mit den passenden Visuals und einer starken Live-Performance von Leadsänger Jesse Rutherford entstand dadurch über die Zeit wirklich eine sehr gute Stimmung in der 3Arena.

Trotzdem muss man sagen, dass die Show an sich nicht unbedingt außergewöhnlich war. Zwar war das Konzert klar in verschiedene Teile gegliedert und zog die typische Ästhetik der Band konsequent durch, insgesamt wäre live aber definitiv noch mehr möglich gewesen. Es zählt aber vor allem die Tatsache, Songs, die seit Jahren rauf und runter laufen, endlich einmal live erleben zu können. Genau das dürfte wahrscheinlich vielen in der Halle so gegangen sein. Am Ende ist es also einfach schön, dass The Neighbourhood überhaupt wieder zurück sind, und genau das machte den Abend und damit auch den gesamten Dublin-Trip wirklich besonders.

Multimedia Schülerin und Fotografin aus Linz