Joost Klein Wien
Foto: Simone Grübl

Joost: Dutch Hardcore im Wiener Gasometer

Dass es bei Joost-Shows selten ruhig zugeht, dürfte bekannt sein. Als der Niederländer am 10. Juni 2026 im Wiener Gasometer performte, traf genau diese Energie auf ein überraschend junges Publikum. Für einige war es sogar das erste Konzert überhaupt, aber war die Erfahrung wirklich der beste Einstieg in diese Welt?

Spätestens seit seiner Teilnahme am Eurovision Song Contest 2024 und dem Song „Europapa“ dürfte Joost Klein auch weit über die Niederlande hinaus ein Begriff sein. Dabei steht der Musiker schon seit Jahren für einen Stil, der sich nur schwer in eine einzelne Schublade stecken lässt. Zwischen Rap, Hardcore, Eurodance und Internet-Humor erschafft er seine ganz eigene Welt, die genauso chaotisch wirkt wie sie durchdacht ist. Genau diese Mischung macht ihn zu einem der spannendsten europäischen Live-Acts.

Passend zu seinem aktuellen Album ist Joost derzeit auf großer Tour durch Europa. Einer der Stopps führte ihn am 10. Juni 2026 auch nach Wien, wo die Vorfreude schon lange vor Einlass spürbar war. Einige Fans hatten sich trotz des schlechten Wetters stundenlang angestellt, um möglichst weit vorne zu stehen. Auch dann beim Merch in der Halle gab es eine unglaublich lange Schlange, die ich so zuvor noch nie gesehen hab. Das alles spricht für seine starke Community, in der wirklich jeder willkommen ist.

Pre-Party statt Vorband

Auf einen klassischen Support-Act verzichtete Joost bei der Tour. Stattdessen übernahmen gleich zwei DJs die Aufgabe, das Publikum richtig vorzubereiten. Den Anfang machte ipadkid2001, dessen Set perfekt zur stark Gen Z geprägten Crowd passte. Mit bekannten Meme-Sounds, TikTok-Referenzen und Übergängen, die bewusst alles andere als perfekt wirkten, griff er genau den richtigen Humor auf. Zunächst hielt sich die Begeisterung noch in Grenzen, doch spätestens bei „Barbie Girl“ kippte die Stimmung. Von diesem Moment an folgte ein Party-Hit nach dem anderen und der Gasometer verwandelte sich langsam in eine Tanzfläche.Kurz vor dem Auftritt von Joost betrat schließlich auch DJ Chool die Bühne. Mit voller Energie heizte er die Menge noch einmal zusätzlich an.

Joost Klein ganz groß

Mit „Ome Robert“ hätte Joost seine Show wohl kaum besser eröffnen können. Vom ersten Moment an brachte er eine Energie auf die Bühne, die sich sofort auf den gesamten Gasometer übertrug. Gesungen, getanzt und mitgefeiert wurde praktisch überall, auch wenn überraschend viele Besucher:innen am Handy waren. Eine Person hielt das Konzert sogar auf einem Nintendo fest. Joost selbst machte allerdings schnell klar, worauf es ihm wirklich ankommt: „Don’t film the whole show, you have to experience it first.“ Eine Aufforderung, die erstaunlich gut und schnell angenommen wurde.

Im weiteren Verlauf entstanden immer wieder Moshpits, die teilweise beachtliche Ausmaße annahmen. Positiv fiel dabei vor allem auf, wie respektvoll miteinander umgegangen wurde. Joost sprach das Thema mehrmals an und machte deutlich, dass aufeinander geachtet werden müsse. Kam es dennoch zu Problemen, wurde die Show im Ernstfall sogar kurz unterbrochen. Einer der größten Momente des Abends folgte schließlich bei „Farmcore“. Zur Überraschung holte Joost die TikTok-Ikone Ein Mann auf die Bühne, ein Collab, den sich viele Fans schon lange gewünscht hatten. Einen passenderen Background-Tänzer hätte es für diesen Auftritt wohl kaum geben können. Am Ende blieb vor allem die Stimmung in Erinnerung. Trotz aller Härte der Musik herrschte eine ausgesprochen angenehme Atmosphäre, die besonders für jene, die ihr erstes Konzert überhaupt besuchten, noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Multimedia Schülerin und Fotografin aus Linz