pippa schlachthof wels
Foto: Christoph Leeb

Pippa: Konzertsauna in Wels

Freitag, 38 Grad, Schlachthof Wels – ideale Voraussetzungen für ein Konzert, oder? Naja, nicht unbedingt – musikalisch wussten Pippa und Ein bisschen Trübsal aber auch in der Hitze zu überzeugen.

Zugegeben: Wenn die Kleidung am Körper klebt, auch wenn man sich nicht bewegt, und wenn das Getränk quasi unter der Hand verdunstet, dann sind das nicht unbedingt ideale Voraussetzungen für ein Live-Konzert. Um die 50 Leute ließen es sich aber nicht nehmen, in den Alten Schlachthof Wels zu pilgern, um dort die Wiener Künstlerin Pippa live mitzuerleben. Support kam aus Linz und bestand aus bekannten Protagonisten: „Ein bisschen Trübsal“ heißt ein relativ neues, ambitioniertes Projekt.

Zuallererst: Überraschung. Wer mit einem Open-Air-Konzert im (wunderschönen!) Schlachthof-Gastgarten namens Flavour Yard gerechnet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Das Konzert fand nämlich indoor statt. War aber irgendwo auch wurscht, denn glühend heiß war es überall. Drinnen immerhin mit Ventilatoren, was den Anschein von Luftzug simulierte.

Aber zu den Bands. Den Abend eröffnen durfte, wie eingangs erwähnt, „Ein bisschen Trübsal“ aus Linz. Das Quintett kennt man als bekennender Linzer Subkultur-Sympathisant aus anderen Projekten. Mit 80er-Synthie-Pop treffen sie den populärkulturellen Zeitgeist. Wem dieser Satz (er ist es nicht!) jetzt zu sehr nach ChatGPT klingt, dem sei es anders beschrieben: Das ist tanzbar, mal melancholisch, mal Dream-Pop, mal Ausbruch. Orientiert sich nicht zu Unrecht an angesagten zeitgenössischen Acts. Tracks wie Mehr, Rauch und Glut passen dann auch in die Sommerplaylist und hoffentlich bald dann auch mal in der Heimatstadt Linz, Gell!

Eine Umbau- und Getränkepause später betritt dann auch Pippa samt Band die Stage im Schlachthof. Die Künstlerin feilt aktuell an ihrem bereits fünften Album, von dem sie auch in Wels schon einige Kostproben mit im Gepäck hatte. Auch wenn mit Tattoo von ihrem Debut Superland nicht allzu viel „Altes“ dabei war. Klarerweise liegt nämlich der Fokus auf der aktuellsten Platte Träumen auf Zement. Überhaupt sind es die Träume, die Pippas Mischung aus Indie-Pop und Singer/Songwritertum prägend beeinflussen. Tracks wie Nichts Tun oder das (eingängige) Hotel Soupir, wo man gerne einchecken möchte, zeugen davon. Auch eine Akustik-Version on stage hat Pippa eingebaut, und dass die Frau performen kann, ist schon länger bekannt. Pippa erzeugt einen ganz eigenen Pop-Mix, der catchy ist, aber immer auch Messages verbreitet, die man gerne unterstützen möchte. Und auch bei vierzig Grad im Konzertsaal kann man hierzu vorzüglich tanzen. Macht Spaß, gerne wieder!

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.