Ahoi! Pop 2026: Austro-Pop an der Donaulände
Zehn Jahre nach der Premiere an der Linzer Donaulände lädt das Ahoi! Pop-Festival im Jahr 2026 wieder zum Konzertreigen an die Donaulände. Zum ersten von zwei Abenden stand der musikalische Schwerpunkt auf bekannten österreichischen Acts: Pizzera & Jaus, Lemo und Marten spielten vor 9500 Besucher:innen.
Standen die letzten drei Jahre an der Linzer Donaulände noch im Zeichen von Lido Sounds, das nach drei Jahren in Urfahr nicht mehr fortgesetzt wurde, ist nun Ahoi! Pop zurück. Ahoi! Pop ist das Format des Linzer Posthofes, das neben dem Lentos knapp 10000 Leute im Sommer zu Konzerten lädt. 2016 fand es zum ersten Mal statt. Die Gästeliste las sich im Rahmen der zehn Jahre illuster: Sigur Rós, Beirut, Arcade Fire, The National, Bilderbuch, aber auch Yung Hurn. Im hinteren Teil des Lineups mit Explosions From The Sky, Moses Sumney, Lou Asril, Get Well Soon und vielen mehr auch entdeckenswerte Acts für Pop-Aficionados. 2026 an zwei Abenden steht ein Lineup auf der Stage, das unterschiedlicher fast nicht sein könnte. Pizzera & Jaus am Mittwoch, Nina Chuba am Freitag.
Marten: passende Eröffnung
Nun, wie gesagt: Ausverkauft waren dann doch beide Abende. Auch wenn sich das Publikum wohl nicht wirklich überschneiden wird. 9500 Leute ließen es sich am Mittwoch nicht nehmen, mit Pizzera & Jaus in den Sommerabend zu starten. Um 17 Uhr ging es dann auch – pünktlich – los mit Marten. Nun, Marten passt programmatisch schon zum Headliner. Mundart-Pop, der am Ahoi! Pop auch zu früher Stunde überraschend gut ankam. Thematisch von Hochzeitssongs bis hin zu Mental Health durchaus breit aufgestellt. Gnuag mit dir, Teilzeitliebe, Bis ans End oller Tage – das passt schon und wird sicher tantiementechnisch einiges einbringen. Wer’s verpasst hat: Am 14. November kommt er wieder in den Posthof und am 22. Oktober 2027 ins Brucknerhaus Linz. Sind jetzt auch nicht die kleinsten Stages, nicht?
Lemo: gewohnt solide
Den zweiten „Einheizer“ durfte Lemo samt, wie sich herausstellen sollte, bestens aufgelegter Band machen. Lemo hat sich in den letzten Jahren sukzessive in den heimischen Pop-Himmel gespielt. Auch im Linzer Posthof war er schon öfters ein gern gesehener Gast. Himmel über Wien, Souvenir – bereits zu Beginn der Setlist werden Hits verbraten. Neues bislang noch unveröffentlichtes Material gibt es ebenfalls zu hören, und die Alte Seele hat sich auch im Rahmen von Ahoi! Pop in die Seelen der Fans gespielt. Wer Popmusik sucht, wird bei Popmusik fündig. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Marketingtechnisch wirksam auch am selben Abend angekündigt: das nächste Gastspiel des Künstlers am 18. Juni 2027, dann auf der Frischluft-Stage im Posthofhafen.
Pizzera & Jaus: abgeliefert
Nun, gekommen war ein Gutteil der 9500 Besucher:innen dann doch ob des Headliners Pizzera & Jaus. Paul Pizzera und Otto Jaus touren nicht seit gestern durch die Alpenrepublik und darüber hinaus – und am Mittwochabend auch in den Linzer Donaupark. Warum die beiden sich in den vergangenen Jahren eine immer größere Fanbase erspielt haben, wird dann auch schnell deutlich. Von der ersten Nummer an haben sie den Donaupark und dessen Publikum beim Ahoi! Pop im Griff. Nicht nur deshalb, weil der imaginäre Abstand zwischen Pizzera & Jaus und dem Publikum bereits beim Opener Liebe zum Mitnehmen zu schmelzen beginnt. Dramaturgisch lässt sich das Duo ebenfalls nicht lumpen – von Coldplays Viva La Vida bis hin zu einem Medley bekanntester Songs ist hier alles vertreten.
Bereits nach knapp der Hälfte des Sets gehen Pizzera & Jaus dann auch auf Tuchfühlung mit der Crowd – der mittlerweile gern genutzten „B-Stage“ im Publikum sei Dank. Hier wird dann die Ursingle Jedermann und Mama performt. Und selbst wenn der Heiratsantrag nicht erwidert wird, dann ist spätestens dann einem Großteil die 80 Euro Eintrittspreis wurscht gewesen. Pyrotechnik? Gibts auch. Anfangs bei Hooligans, später bei Turnsackl, dem (nicht immer garantierten) Klesch Koids Bier, sowie später bei Zirkusprinz im Linzer Abendrot. Ahja, Eini Ins Leben wurde natürlich gespielt, eh klar. Wär ja a deppert gewesen, wenn es nicht so gewesen wäre.
Fazit
Was man bei Pizzera & Jaus bekommt? Ehrliche Unterhaltung. ABBA, Coldplay inklusive. Aber halt auch Tuchfühlung mit dem Publikum und das am Anfang eingelöste Versprechen, dass der geneigte Zuhörer sich für zwei Stunden mal der Alltagssorgen entledigen kann. Das macht Spaß, erfindet aber popmusikalisch bei Gott nix Neues. Will es auch nicht. Pizzera & Jaus unterhalten, auf gekonnte, mittlerweile routinierte Art und Weise. Und am 12.11. im Brucknerhaus dann auch noch gemeinsam mit Folkshilfe. Das Label Toechtersoehne hat hier auf jeden Fall vieles richtig gemacht.
Fazit des Abends? Machte Spaß, ja. War ausverkauft, ja. Stilistisch wurde für Ahoi! Pop-Verhältnisse dann doch musikalisch eine andere Richtung eingeschlagen. Eine Richtung, die man mit Spannung verfolgen darf, wo sie für die 2027er Ausgabe bookingtechnisch hinführen wird.
Foto: Christoph Leeb, Hongyu Jin