Alles leuchtet im OKH
Zwischen alten Krankenhausmauern, gemütlichen Feuilletons, Sidequests und einem Line-up voller großartiger Musikerinnen zeigte das OKH Open Air einmal mehr, wie entspannt und liebevoll ein Kulturfestival sein kann. Ein Abend, der von leisen Folkklängen bis zu FIVAs mitreißender Bühnenenergie alles bot.
Zugegeben, wir schaffen es viel zu selten nach Vöcklabruck ins OKH. Das ist zumindest immer einer der ersten Gedanken, wenn wir das wunderschöne Gelände des ehemaligen Krankenhauses betreten. Mit viel Liebe zum Detail wird die ehemalige Hatschek-Stiftung schon seit 2012 dauerhaft vom Kulturverein OKH bespielt. So verwandelte sich letztes Wochenende der Vorplatz des alten Krankenhauses in ein wunderschönes Open-Air-Areal. Drei Tage lang wurde dieses mit unterschiedlichstem Programm bespielt. Von Literatur über Kinderrockkonzerte und ein Jazzfrühstück bis hin zu einem grandiosen Auftritt von FIVA war alles vertreten.
Sidequests im alten Krankenhaus
Aber fangen wir von vorne an. Den musikalischen Start am Samstagabend machte die Singer-Songwriterin Li Velvet. Ihr atmosphärischer Sound zwischen Melancholie und Hoffnung orientiert sich an den Geschichten aus ihrem eigenen Leben. Leider spielte die Musikerin zu einem eher undankbaren Zeitpunkt. Für viele Personen im Publikum waren die zahlreichen Sidequests noch spannender, als aktiv der Musik zuzuhören.
Abgesehen von den vielen bekannten Gesichtern, die immer wieder zu einem Plausch einluden, gab es tatsächlich auch einiges zu entdecken. Zum einen konnte getöpferte Ware selbst bemalt werden, zum anderen war auch das sportliche Angebot mit Tischtennis für viele extrem verlockend. Am gemütlichsten schien es jedoch in einem der unzähligen Fauteuils zu sein, dort zu versumpfen und sich mit den anderen Gästen auszutauschen.
Die Niederösterreicherin Filiah hatte es dann doch schon etwas einfacher. Zum Einen waren mittlerweile mehr Personen auf dem Gelände, zum Anderen wurden die Sidequests mit zunehmender Dunkelheit uninteressanter, sodass sich viele auf ihre wunderschöne Musik konzentrierten. Eine Musik, die sich irgendwo zwischen Folk, Pop und ein wenig Indie zuhause fühlt.
Die Stadt gehört für immer dir
FIVA alias Nina Sonnenberg war die dritte Dame in der Runde eines sehr gelungenen Line-ups. Haben wir uns seit mehreren Monaten auf das Konzert gefreut? Ja. Waren wir in der ersten Reihe voll dabei? Ja. Haben wir jeden Moment komplett genossen? Ja. Haben wir laut mitgesungen und ausgelassen getanzt? Ja. Waren wir dabei die Textsichersten? Nein. Dieser Platz geht ganz klar an eines der unzähligen Mädchen – sie war bis zur letzten Silbe konsequent textsicher.
Die vielen Prinzessinnenkleider in der ersten Reihe waren nicht nur für uns ein Novum, sondern offenbar auch für FIVA. Die Musikerin band die Kinder aber schnell in ihr Set ein, sorgte sich um ihr Wohlergehen, vermittelte den Mädchen ganz nebenbei wichtige Lektionen zum Thema Feminismus und lud die Meute kurzerhand auf die Bühne zum Tanzen ein. So kann man sich nach knapp 20 Jahren Musikerinnenerfahrung wohl auch noch eine ganz neue Fangemeinde erschließen.
Zum Konzert bleibt uns eigentlich nur eines zu sagen: FIVA hat ihre Magie wieder eingesetzt und ein Publikum zum Leuchten gebracht. Und die Botschaft kam an – die Stadt gehört wieder ihr.
Wir mussten dann leider die Heimreise antreten, aber von Hörensagen ging es danach noch mit exzellenten DJ-Sets weiter.
Green Event
Was aus unserer Sicht ebenfalls besonders erwähnenswert ist: Auch wenn es in der alternativen Szene fast schon zum guten Ton gehört, ist es längst nicht selbstverständlich, ein Fest in dieser Größenordnung als Green Event zu organisieren. Umso schöner ist es als Besucher*in, die einzelnen Maßnahmen zu entdecken – und sie auch kulinarisch genießen zu können.
Foto: Lisa Leeb