Eine Stimme, die unter die Haut geht – Asaf Avidan in Linz
Am 1. Juli machte Asaf Avidan im Rahmen seiner Unfurl-Tour in Linz Halt. Mit viel Humor und einigen eingestreuten Geschichten sorgte er für Wohlfühlstimmung im Posthof. Doch auch stimmlich hat der Sänger so einiges drauf und beeindruckte das Publikum immer wieder aufs Neue mit seiner markanten, hohen Stimme.
Schon das Bühnenbild auf der Frischluftbühne im Posthof erinnerte viel mehr an ein Wohnzimmer als an eine klassische Konzertbühne. Der gemütlich aussehende Sessel mit dem dazu passenden Tischchen und der Lampe darauf gaben dem Ganzen einen heimeligen Flair. Immer wieder kehrte Asaf Avidan während des Konzerts dorthin zurück, um entweder von dort aus weiterzusingen oder eine kleine Pause zwischen den Songs einzulegen und stattdessen eine kurze Geschichte zu erzählen.
So auch gleich zu Beginn des Konzerts nach den ersten paar Songs. Mit der Aufforderung an das Publikum, es sich gemütlich zu machen, bereitete er sich selbst einen Drink zu. Mit diesem machte er es sich auf dem Sessel gemütlich und lud währenddessen zu einer kurzen Gedankenreise ein. Diese entführte das Publikum ins Jahr 1922, in ihr eigenes Büro. Mit den Worten „I’m gonna take a Schluck to that“ beendete Asaf Avidan schließlich die Gedankenreise und startete direkt in den nächsten Song.
Für einige Lacher sorgte der Sänger gemeinsam mit seiner Band, als diese eine augenscheinlich einfache Choreographie, bei der sie im Takt der Musik hin und her steigen sollten, nicht sofort synchron schaffte. Gespielt verzweifelt richtete sich Asaf Avidan an die Band: „We can’t even do this choreography?“. Katy Perry hatte doch auch 20 Tänzer*innen auf der Bühne, die eine Choreographie tanzten, meinte er. Nach einigen Anläufen pendelten sich aber auch Asaf Avidan’s Bandmitglieder ein und tanzten mindestens genauso gut wie Katy Perry’s Tänzer*innen.
Zur Zugabe wurde dann endlich Reckoning Song gespielt, auf das einige Fans bestimmt sehnsüchtig gewartet hatten. Das ganze Publikum sang, klatschte und hatte die Hände in der Höhe. Am Rand begannen auch einige Personen ausgelassen zur Musik zu tanzen. Nach der Zugabe verließ Asaf Avidan die Bühne im Hopserlauf.
Nach einer zweiten Zugabe mit einem unveröffentlichten Song und einer kurzen, aber tiefgründigen Rede war dann endgültig Schluss. Asaf Avidan sorgte an diesem Abend für eine Stimmung, in der alles erlaubt war. Von wahnsinnig lustigen bis zu beeindruckenden, aber auch philosophischen Momenten war für jeden etwas dabei. Am Ende blieb jedoch vor allem das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben.
Fotos: Sara Podobri