Foo Fighters: Könige des Stadionrocks
Über 50.000 Fans, und das am Wochenende des Donauinselfests in Wien – die Foo Fighters bewiesen am Freitagabend im Ernst-Happel-Stadion im Prater, dass sie live sicher mit das Beste sind, was die Rockwelt zu bieten hat.
Elf Jahre ist es her, seit die Foo Fighters rund um Rock-Aushängeschild Dave Grohl das letzte Mal in Wien zu Gast waren. Freitagabend war es wieder so weit. Samt neuem Album Your Favorite Toy (hier zur Review) im Gepäck gastierten sie im alt-ehrwürdigen Ernst-Happel-Stadion im Wiener Prater. Am selben Wochenende wie das Wiener Donauinselfest, das bei freiem Eintritt nicht weit entfernt lockte. Doch wurscht – die Foo Fighters füllen das Stadion auch so. Auch wenn das neue Album, wie sich herausstellen sollte, im Set nur eine untergeordnete Rolle spielen sollte.
Supports? Ja, gleich zwei sogar. Zum einen Fat Dog, die den geneigten Post-Punk-Fan (der Autor dieser Zeilen ist einer) am späten Nachmittag zum ersten Mal schmunzeln lassen. Frontmann Joe Love (sic!) ist um keinen Ausflug ins Publikum verlegen, versucht die noch etwas zaghafte Meute zu animieren. Anfangs scheitert er, mit Fortdauer des kurzen Sets wird’s dann aber besser und erste zaghafte Tanz- und Moshpitversuche zeigen sich im Happel-Oval.
Zweiter Support? Hätte sich unserer Meinung nach eine eigene Stadionshow verdient. Bristols wohl eingängigster musikalischer Antifaschismus-Export Idles durfte den letzten Einheizer vor Dave Grohl & Co geben. Politisch sind Joe Talbot & Co. wie eh und je, auch wenn „Viva Palästina“ in der Alpenrepublik nicht bei jedem und jeder Besucher:in als wohlwollend empfunden wurde. Macht aber nix, denn den Idles ist das wurscht – die sind links, machen keinen Hehl draus und thematisieren auch mal das Dahinscheiden der eigenen Mutter. Eine Person, die Talbot viel zu verdanken scheint. Idles sind sicher nicht für alle geeignet – aber für alle Post-Punk-Fans, die mit Politik in der Musik was anfangen können, immer einen Abstecher wert. Bis bald in der nächsten Clubshow, die man dann auch noch drei Tage später spürt.
Foo Fighters: Hier kriegt man noch was fürs Geld
Was danach folgen sollte, könnte man mit einem Wort so beschreiben: episch. Denn bei den Foo Fighters kriegt der geneigte Rockfan noch was fürs Geld. Drei Stunden lang donnern sich Dave Grohl und Co. durch die Diskografie. Und ja, wer nach dem Opener All My Life mit The Pretender und Times Like These gleich zwei Hymnen verbraten kann, hat als Band einiges richtig gemacht. Was auffällt: Hier wird die Musik in den Vordergrund gerückt, auf überwältigende Licht-Show-Elemente samt irgendeinem Konfetti-Bumm-Bumm wird hier verzichtet.
Anstelle werden die Songs, 2026-untypisch, fast zelebriert. Dave Grohl selbst meint, dass hier sowohl Foo Fighters-Early-Adopters als auch Newbies auf ihre Kosten kommen werden. Und er sollte nicht irren: Spätestens bei My Hero liegt sich das Happel-Oval erstmals imaginär in den Armen. Ausflüge in die B-Stage, die halt leider nur „Front of Stage“ war, gabs mit dem überragenden Wheels und einem berührenden Under You auch. Zusätzlich zu einer kleinen Remineszenz in Dave Grohls 1992er Sideproject Late! mit Marigold. Gänsehaut inklusive, versteht sich.
Bandvorstellung? Eh klar. Hier wird jeder Musiker mit ehemaligen Projekten hervorgehoben. Von No Use For A Name über zu Seattle-Kennt-keine-Sau-Grunge bis zu einem Gitarrensolo von Neo-Drummer Ilan Rubin, der das schwierige Erbe von Taylor Hawkins angetreten hat. Hier greift sogar Dave Grohl selber zu den Drumsticks. Apropos Taylor Hawkins: Dem wird bei Aurora würdigst gehuldigt, ehe langsam aber sicher das Set sein Ende findet. Best Of You beendet ein Set, das alle Stückerl spielt. Das neue Album wird bewusst ein bisserl außen vor gelassen, macht aber nix. Jeder Fan wird happy in die Nacht entlassen.
Ahja, fast hätten wir hier noch auf die Zugabe vergessen. Es gibt nicht viele Bands, die es sich erlauben können, eine instrumental sehr exzessive Fassung wie The Teacher und Exhausted zu spielen. Zum Rausspielen gibts natürlich noch Everlong, und nach 180 Minuten wird deutlich: Der Herr Grohl und Co. haben nix verlernt. Auch als Nicht-Stadionrockfan muss man hier sagen, frei nach ORF-Kommentator Daniel Warmuth: bist.du.deppert!