Ottensheim Open Air 2026: Zwei Tage Utopie
Danke, dass ich mit euch diese zwei Tage Utopie feiern darf. So Sirius.Sue am ersten Tag des Ottensheim Open Airs 2026 im Linzer Umland. Wir finden: besser als mit diesem Satz kann dieses Festival nicht zusammengefasst werden.
Nun, mittlerweile darf man uns von subtext.at getrost schon als Stammgast auf dem Ottensheim Open Air am Rodlgelände der Linzer Vorstadt-Marktgemeinte zählen. Seit mehr als 15 Jahren sind wir gerne hier Gast – und haben damit nicht mal die Hälfte der illustren Geschichte dieses oberösterreichischen Kulturkleinods aktiv miterlebt. Denn dieses Festival ging 2026 bereits in die 33. (!) Auflage. Und hat etwas geschafft, womit viele (freie) Kulturbetriebe oft zu kämpfen haben. Nämlich einen Generationenwechsel in den Verantwortlichkeiten.
Das merkt man auch im Lineup – wo früher Größen wie Die goldenen Zitronen, Mono & Nikitaman, Texta, Krautschädl und viele mehr auf der Stage standen, stehen heute auch neue Entdeckungen auf der Stage. Dazu zählen dann so Sachen wie My Ugly Clementine, 5KHD, oder heuer dann Acht Eimer Hühnerherzen und Anda Morts. Bei einem ist sich das Festival aber treu geblieben: der Liebe zum Detail und zur Gemütlichkeit.
Das wird auch 2026 deutlich. Spätestens bei der Anreise, wo wir leider verkehrsbedingt nur noch die letzten Takte des Opening Acts, dem TonArt Chor, miterleben konnten. Spärlich war ob der schieren Anzahl der Mitglieder auf der Stage der Platz, dementsprechend gut gelaunt auch die Protagonist:innen. Schöner Auftakt in ein Festival, das dem Wettergott, sofern es den gibt, ein Bonusgehalt bezahlt haben dürfte.
Sirius.sue & Earl Chives
Erster Act danach: Sirius.Sue gemeinsam mit Earl Chives. Wie das klingt? Hip-Hop vermischt mit Poetry Slam. Politisch? Ja. Von FLINTA*-Rechten, Utopien, Struggles und vielen mehr erzählt sirius.sue in ihren Texten. Das passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zu einem Festival, das sich Inklusion und Widerspenstigkeit vielleicht noch ein bisschen mehr auf die eigenen Fahnen geheftet hat wie viele andere. Anspieltipp hat das Werk Dunkelziffer auf jeden Fall mehr als nur einen verdient.
Glut
Mittlerweile altbekannt sind danach Glut. Nicht nur, weil sie schon bei uns in der KAPU und in der DH5 zu Gast waren. Nein, auch weil sie zu den aufstrebensten Acts in letzter Zeit zählen. Screetch, Hexen, Rules, Circles sind Songs, die man sich als geneigter Alternative-Fan sicher schon einige Male zu Gemüte geführt hat. Im Herbst/Winter erscheint dann auch endlich das erste Album des Trios. Wird ja auch Zeit. Genauso wie es Zeit wird, dass man Glut dann auch auf größeren, oder zumindest geografisch weiter voneinander entfernten Bühnen sehen kann. Verdient hätten sichs die Drei auf jeden Fall. Und generell ist jede Band sowieso unterstützenswert, wenn sie gegen toxische Maskulinität in Moshpits ansingt. Können wir nur unterschreiben!
LAZER
Danach: Lazer. Stilistisch ein bisschen anders, nämlich eher im Psychedelic Rock beheimatet. Ihr Debutalbum Far Away hatten sie natürlich ebenfalls im Gepäck. Aus der Bundeshauptstadt angereist, wurde dem Quartett in Ottensheim offenbart, dass auch in diesem Bundesland noch leiwande Fleckerln Land und Kultur existieren. Musikalisch erfinden Lazer das Rad vielleicht nicht neu, haben auf der Stage aber wenige Grenzen. Klangteppiche, die Fans von Heavy Psych Rock mehr als zufrieden stellen, für Andere vielleicht aber noch ein bis zwei Gigs brauchen, um sie in den Lazer’schen Kosmos zu entführen. Wir fandens catchy – und mal schauen, ob manch Bandmember wirklich den Zweitwohnsitz nach OÖ verlegt. Das Gemeindeamt öffnet montags um 09:00 Uhr, just sayin‘!
ACHT EIMER HÜHNERHERZEN
Erster Headlinerslot: Mittelmass. Haha, Pun Intended. Denn Acht Eimer Hühnerherzen wissen, wie man eine Crowd unterhält. Live? Haben wir schon das eine oder andere Mal mit ihnen geschwitzt. Etwa als wir sie in der vollen KAPU zu Gast hatten oder sie im Posthof-Wohnzimmer gemeinsam mit den immer empfehlenswerten iedereen aufspielten. Apocalypse Vega, Herr Bottrop und der Bene Diktator an den Drums haben sich dem Nylon-Punk verschrieben. Und so quasi mal nebenbei ihr eigenes Genre gegründet. Die Platten hören dann auf klingende Namen wie Album, Musik oder Lieder, die nach dem self titled Debut einige Hymnen vereinigen.
Auch in Ottensheim war die Fanbase eine große. Songs wie das erwähnte Mittelmass, die Ode an die Metropole Eisenhüttenstadt, Kerosin oder In Italien warst du schöner entführen gekonnt in die Welt der Hühnerherzen. Eine Welt, die ein bisschen nach Sehnsucht und der eingangs erwähnten Utopie klingt. Ein Konzert der Marke „shit, spüre ich auch am nächsten Tag noch“. Ein schöner erster Headlinerslot in Ottensheim!
ELEKTro GUZZI
Letzer Live-Act: Elektro Guzzi. Redaktionsintern auch oft semiernst als Stadtwerkstatt-Artists-in-Residence bezeichnet. Gastriert das Trio doch regelmäßigst im Konzertsaal in der Kirchengasse in Linz. Warum? Wird schnell deutlich. Denn der druckvolle Live-Electro-Sound lädt zum Tanzen ein und funktioniert im Club wohl noch um das berühmte Eitzerl besser als auf Festivals. Was die Performance aber keinesfalls schmälern sollte. Denn tanzen und verausgaben kann man sich bei Elektro Guzzi immer. Umso schöner, dass hier handgemachte elektronische Musik auf eine tanzwürtige Festivalmeute zu späterer Stunde trifft. Was im letzten Jahr Tasheeno waren, waren heuer Elektor Guzzi (sic!): der ideale Rausschmeißer und sicher die tanzbarste Band am Festival.
Fazit
Natürlich lässt sich das Rahmenprogramm nicht lumpen. Schminkstation, Malstation (Leute, nicht Bilder), Spritzerbar und Politisches: das Ottesheim OpenAir ist sich treu geblieben. DJ-Set mit Eyja und Oaschkrapferl gabs auch, die wir leider abreisebedingt (ja, wir mussten nach Linz) verpasst haben. Und ja, die legendäre Heisl-Stage gibts auch noch, die neben dem wohl schönsten Festivalklo des Landes aufgebaut wurde. Sicher mit der schönste Platz, um ein Festivalwochenende zu verbringen. Auch nach mehr als drei Jahrzehnten!
Text: Christoph Leeb
Fotos: Andreas Wörister, Christoph Leeb
