Ottensheim Open Air 2026: Der Himmel weint
Zweiter Tag am Ottensheim Open Air, das sich von verschiedenen Seiten zeigte. Mit abwechslungsreichem Lineup von anda morts bis Holli, Sintflut zwischendurch und, was die Veranstalter:innen freuen wird, sold out!
Am Samstag in Ottensheim hatten sich am zweiten Tag des Ottensheim Open Air tendenziell härtere musikalische Töne angekündigt. Dafür sorgten die Local Heroes von Ozymandias, Franz Fuexe und zum krönenden Abschluss anda morts. Letzteres Trio war wohl auch Garant dafür, dass das Festival an diesem Tag ausverkauft war, was man dann naturgemäß auch sowohl vor der Stage als auch bei tendenziell doch langen Schlangen vor den Gastro-Ständen mitbekommen konnte.
Pencil & Cherries
Den Auftakt in Ottensheim durfte ein alter Bekannter machen. Phil Sicko, bekannt aus KAPU-Tonstudio und als Frontmann der leider verblissenen Porn To Hula (R.I.P., Andy K. Randall!), durfte sein aktuelles Projekt Pencil & Cherries vorstellen. Solo on stage, versteht sich. Queer as hell auch, mit dem Herz am rechten, also natürlich linken Fleck sowieso. Selbst der Wettergott dürfte ob des Auftritts von Pencil & Cherries zu Tränen gerührt sein, setzte doch pünktlich zum Ende des Sets ein erster Guss aus dem Himmel ein.
Ozymandias
Es war aber nur ein kurzer erster Regenguss, der das Rodlgelände an diesem Nachmittag düngte. Danach standen bei Sonnenschein Ozymandias auf der Stage. Die Linzer Local Heroes sind neuerdings als Quartett unterwegs – servus, Mario am Bass! – und präsentierten sich vor doch schon gut gefülltem Festivalgelände in bester Spiellaune. Der liebe Armin an der Orgel darf bassistenbedingt jetzt auch stehen, Frontmann Christoph ist die gewohnte Live-Rampensau geblieben. Und das Publikum präsentierte sich bei Werken aus den beiden Alben Cake! und Let’s Rot durchaus textsicher. Bei genauerem Hinhören konnte man vielleicht sogar schon ein bisschen neues Material erkennen. Wie wär’s denn mit Album #3, liebe Ozymandias? Und nächstes Mal dann halt auch zu späterer Stunde.
Holli
Danach: ruhigere Töne. Tobias Paal alias Holli präsentierte samt Band sanftere Klänge. Local Hero am Bass inklusive. Das 2023er Debut Der erste gute Tag läuft auch heute noch gerne auf unseren Plattentellern. Legendär auch seine Performance im Musikpavillon damals mit der wohl eindrucksvollsten Präsentation der oberösterreichischen Landeshymne, an die wir uns erinnern konnten. Die gabs in Ottensheim leider nicht zu hören, Tracks wie Beifahrersitz und Ein bisschen Zeit haben aber nix an Ohrwurmpotenzial eingebüßt. Macht Spaß, und hoffentlich auch bald wieder in Linz!
Monobrother
Wir würden ja gerne schreiben, dass Monobrother danach alle Hip-Hop-Heads zufriedenstellen konnten. Hätten sie ja auch, hätte nicht pünktlich zu Setbeginn die Sintflut Ottensheim erreicht. Strömender Regen, Wind, die Bühne schnell mal unter Wasser gesetzt. Sorgte halt dann für eine gut halbstündige Unterbrechung, wo die Stage gesichert werden musste und die Besucher:innen ordentlich durchnässt wurden. Danach gingen Monobrother auf die Stage und taten, als wäre nichts gewesen. Astreine, halt dann doch leider etwas verkürzte Show zwischen Sicherungsseilen auf der Stage und in Aludecken eingehüllter Audience davor. Ungewöhnlich, musikalisch an diesem Abend dann halt leider auch der einzige Hip-Hop-Act, aber: leiwand!
Franz Fuexe
Was danach geschah, ist schwer in Worte zu fassen. Gut, das ist es aber auch meistens, wenn Franz Fuexe zur Audienz laden. Die wohl mit brachialste Punk-Band des Landes scheißt sich nix. Weder on stage, weder textlich, noch in Zwischenansagen oder bei Ausflügen ins Publikum. Das ist Punk in Reinkultur, das ist fuckin‘ politisch und hämmert immer wieder ihre Message in die Gehörgänge. Gepaart mit Pits im Gatsch ist das ein Hardcore-Konzert in Reinkultur, das einfach Spaß macht. Auch wenn man über die Auswahl des Lieblingsfußballklubs vielleicht diskutieren kann – zumindest in Wien haben sie den sympathischeren erwischt. Und spätestens wenn die enthusiasmierte Meute „Du Depperte Sau“ mitgrölt, ist jeder auf dem Festivalgelände zufrieden. Bis zum nächsten Mal im ranzigen Club des Vertrauens!
Anda Morts
Krönender Abschluss des Festivaltages: anda morts. Aus den heiligen Hallen der Damen- und Herrenstraße DH5 entsprungen, jetzt eine der heißesten Aktien im Indie-Punk-Kosmos. Immer größer werdende Touren zeugen von einer stetig wachsenden Fangemeinde. Und wenn der Herr Morts was kann, dann Songschreiben. Uns ist das Trio ja nicht erst seit der ersten „offiziellen“ Platte Ans ein Begriff – denn Songs wie Leere Flaschen, Adidas Für Mama, Dann Gleich Morgen oder Wütend sind so etwas wie die Playlist einer neuen Generation aus der Linzer Subkultur geworden. Heißt natürlich nicht, dass in Ottensheim auch neuere Songs textsicher mitgesungen werden konnten und ausgelassen getanzt wurde. Ein Heimspiel zum Abschluss mit dem wohl größten Andrang, den das Ottensheim Open Air seit Langem gesehen hat. Schön zu sehen, dass der ziehende Act zumindest geografisch doch oft so nah liegt!
Fazit
Wie jedes Jahr: Danke, dass kulturelle Festivalnahversorger es zwar immer schwieriger haben, aber immer noch Resilienz beweisen. Und danke, liebes Ottensheim Open Air, dass ihr euch treu geblieben seid. Auch mit neuer Generation, die den Spirit weiterträgt. Klingt jetzt wie überbordendes Lob? Ist aber mehr als verdient – und wenn ihr nächstes Jahr die Bosnaweckerl auch noch antoastet, dann wär das Festival wirklich perfekt!
Fotos: Andreas Wörister, Christoph Leeb
