Steel Panther: Von Koks, Hoden und Müttern

Samstagabend, knapp 2000 Fans: Die kalifornische Glam-Metal-Band Steel Panther zog an diesem brütend heißen Tag eine große Crowd in den Linzer Posthof. Schnell wurde klar: Wo Steel Panther draufsteht, ist Steel Panther drinnen. Nicht mehr und nicht weniger.

Samstag, vierzig Grad, man schwitzt auch ohne lautes Rock-Konzert bereits ohne Bewegung. In Linz dennoch viel los: 10000 Menschen gingen für Gleichberechtigung im Rahmen der Pride auf die Straße. Und 2000 Fans pilgerten in den Linzer Posthof, um Steel Panther live zu sehen. Kontroverser könnt’s dann auch nicht mehr wirklich sein.

Den Abend eröffnen durften, vor bereits überraschend großer, durstiger Crowd, Lucie Sue. Das Quartett. Battlestation heißt die aktuellste Platte der Künstlerin, die sie samt bestens aufgelegter Band im Gepäck hatte. Da ist Rock drinnen, da ist Bühnenpräsenz drinnen, da ist Attitüde drinnen. Schönes Nutzen eines leider nur halbstündigen Support-Slots, den man nach dem ersten Österreich-Abstecher gerne noch öfters in der Alpenrepublik sehen möchte.

Steel Panther: Balls, Mütter, Rock

Danach: Steel Panther. Nunja, was soll man sagen. Nach dem Ausstieg von Lexxi Foxx im Jahr 2021 ist die Band in veränderter Besetzung aktiv. Humoristisch-komödiantisch sind sie immer noch vor allem weit unter der Gürtellinie geblieben. Zu enge Spandex-Hosen natürlich inklusive. Genauso wie Witze über Kokain und dessen Konsum. Ganz eigener Humor also, wie immer. Das wird spätestens dann deutlich, wenn nach den Openern Eyes Of A Panther und Tomorrow Night eine doch überlange Abhandlung über männliche Geschlechtsteile und dem weiblichen Umgang damit gehalten wird. Dramaturgisch folgt darauf natürlich der Song Asian Hooker.

Auch dem Supportact wird gehuldigt, weil der ja „die besten Bl*****“ gab. Und deswegen mit auf Tour ist. Ja, Steel Panther nehmen sich kein Blatt vor den Mund und andere Körperteile. Dazwischen wird ordentlich abgerockt, augenzwinkernd, und absolut jedes Rock-Klischee erfüllend. Auch on stage dürfen sich dann Nicole und Mutter Christa mit Steel Panther verausgaben. Ehe zum Abschluss hin dann (nur weiblich, versteht sich!) die Bühne in eine große Tanzfläche verwandelt wird.

Mit Community Property und Gloryhole wird dann ein Konzert beendet, das für Fans dann sicher das geboten hat, was sie sich erwartet hatten. Obgleich die Ironie des sicher mehr als derben Humors sicher nicht von jedem in der Crowd auch als solche wahrgenommen wurde. Ob man das dann lustig findet, wenn männlichen Geschlechtsteilen gehuldigt wird, Mütter als „must have“ gesehen werden und jedes Rock-Klischee bedient wird, muss dann jeder für sich selbst beantworten. Ob das dann ganz glücklich ist, am Tag der Pride in Linz ausgerechnet Steel Panther auf die Bühne zu stellen, auch. Aber kein Vorwurf an die Band: Die macht das, was sie erfolgreich macht und was sie gut kann. Den Fans hat’s gefallen, das war dann den Eintrittspreis aber mit Sicherheit wert.

Foto: Dominic Riedlecker

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.