40 Secondi Filmstil
Filmstil: Festival Der Neue Heimatfilm

40 SECONDI: Ein Tag, der alles verändert

Mitten in der Nacht eskaliert ein Streit auf offener Straße in nur 40 Sekunden – am Ende bleibt einer regungslos liegen. 40 SECONDI folgt jungen Menschen aus Colleferro durch einen ganz normalen Tag, bis eine Nebensächlichkeit zur Katastrophe wird.

6. September 2020, 03:15 Uhr morgens: Geschrei von der Straße raubt den Anwohnern den Schlaf. Samstagnacht sind zwei Gruppen junger Erwachsener aneinandergeraten. Der 21-jährige Willy Monteiro Duarte kam zufällig dazu, wollte einem Freund helfen und den Streit schlichten. Doch dann eskaliert es. 40 Sekunden, länger hat die Schlägerei nicht gedauert. Als die Gruppe auseinanderläuft, bleibt einer regungslos liegen. Davon, wie es dazu kam, erzählt der Film.

Ein Tag wie jeder andere

In mehreren losen Episoden folgen wir den Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch den Tag vor diesem folgenschweren Zwischenfall. Ihre Wege kreuzen sich, sie sind befreundet, verbringen ihren Alltag in dieser Kleinstadt in der Metropolregion von Rom, in der das Leben irgendwie stehen geblieben zu sein scheint. Colleferro wurde in den 1930er-Jahren als Planstadt für Arbeiter der Sprengstoff- und Chemieindustrie gegründet. Perspektiven gibt es nicht viele. Und die Pandemie hat gerade erst begonnen. So scheint es fast ausweglos, wie sich eine unbedeutende Bemerkung zu einem Konflikt aufschaukelt und am Ende die Zivilcourage den höchsten Preis einfordert.

Ein Fall, der Italien bewegte

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch der Journalistin Federica Angeli. Bei der Weltpremiere beim 20. Festa del Cinema di Roma vergangenen Herbst erhielt 40 SECONDI im Wettbewerb Progressive Cinema einen Sonderpreis der Jury für das schauspielerische Ensemble. In Italien sorgte der Fall für viel Aufsehen, auch weil die verurteilten Täter immer wieder in Berufung gehen, bis der Fall bald beim Höchstgericht landen wird. Schon kurz danach wurden vorhandene Gesetze angepasst und verschärft, die jetzt als Willys Law bekannt sind, um Schlägereien und Bandenkriminalität besser ahnden zu können.

Preise ja, Kinostart nein

Beim Festival Der Neue Heimatfilm in Freistadt gewann 40 SECONDI heuer den Publikumspreis. In Italien lief es zusätzlich erfolgreich bei den Nastri d’Argento (drei Preise) und erhielt fünf Nominierungen für den David di Donatello. Zu sehen ist der Film in Italien mittlerweile auch auf Netflix – einen regulären internationalen Kinostart gibt es bislang nicht. Bei der Einführung in Freistadt fiel die Vermutung, dass die aktuelle italienische Regierung unter Giorgia Meloni damit zu tun haben könnte. Belegen lässt sich das natürlich nicht.

Fazit

Sehenswert ist 40 SECONDI allemal. Zwei intensive Stunden, die man so schnell nicht vergisst. Besonders die episodisch-retrospektive Erzählweise sticht heraus: Nebenschauplätze und kleine Szenen wirken zunächst beiläufig, ergeben aber erst im Rückblick aus der Perspektive einer anderen Figur ihren vollen Sinn. Ein Film, der sich Zeit nimmt – und der genau deshalb lange nachwirkt.


40 Secondi Filmplakat

40 Secondi

Regie: Vincenzo Alfieri

121 min / Italien, OmEu
Mit Francesco Gheghi, Enrico Borello, Francesco Di Leva, Beatrice Puccilli, Justin De Vivo, Sergio Rubini, Maurizio Lombardi


Festival Der neue Heimatfilm

26. – 30. August 2026

www.filmfestivalfreistadt.at

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Sujet Festival Der neue Heimatfilm 2026

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