Fünf Tage Kino: Der neue Heimatfilm kehrt nach Freistadt zurück
Von 26. bis 30. August 2026 verwandelt sich Freistadt wieder in ein Kino-Zentrum: Das Festival Der neue Heimatfilm zeigt zum 39. Mal Filme über Übergänge, Aufbruch und die vielen Gesichter von Heimat – heuer mit Fokus auf Sardinien und einer Werkschau zu Ruth Beckermann.
Heimat ist selten etwas Fertiges. Sie verändert sich, genau wie das Kino, das sie erzählt. Diesem Gedanken folgt die 39. Ausgabe von Der neue Heimatfilm. 56 Filme aus 36 Ländern kreisen um große und kleine Umbrüche. Es geht um Abschied und Verlust, aber auch um Flucht und Aufbegehren. Los geht’s am Mittwoch, den 26. August, mit der Eröffnung im Open Air Kino in der Salzgasse. Bei Schlechtwetter weicht man in den Salzhof Freistadt aus. Traditionell zeigt das Festival zum Start gleich zwei Filme: den Western BÄRENJAGEN von Peter Meister und das Porträt NÖSTLINGER – SOWIESO UND ÜBERHAUPT über die Schriftstellerin Christine Nöstlinger. Danach wird die Salzgasse für fünf Tage zum Treffpunkt fürs cinephile Publikum. Dazu gehören das Kino, der Salzhof und das Festivalrestaurant, heuer bekocht vom Team des Gelben Krokodils aus Linz. Viele Filmschaffende reisen persönlich an, darunter Gäste aus dem Jemen, aus Norwegen und aus Ecuador.
Sardinien, Beckermann und drei Wettbewerbe
Drei Wettbewerbsschienen strukturieren das Programm: Spielfilm, Dokumentarfilm und der Preis der Jugendjury. Jede Schiene ist mit 3.000 Euro dotiert. Im Spielfilmwettbewerb läuft etwa ÁRRU der samischen Regisseurin Elle Sofe Sara. Sie ist persönlich zu Gast in Freistadt. Im Dokumentarfilmwettbewerb zeigt man unter anderem MATERIA PRIMA über Lithiumabbau in Bolivien. Einen eigenen Schwerpunkt bildet heuer das Kino Sardiniens. Regisseur Giovanni Columbu ist bereits zum dritten Mal in Freistadt zu Gast. Ergänzt wird der Fokus durch zwei Dokumentarfilme, einer über sardische Strafkolonien, einer über Hirtengemeinschaften. Eine Werkschau widmet sich außerdem Ruth Beckermann, einer der zentralen Stimmen des österreichischen Dokumentarfilms. Vier ihrer Filme laufen von Donnerstag bis Sonntag. Dazu kommt ein Rahmenprogramm mit Konzerten von Anna Buchegger und XIDI. Auch die Ausstellung Frauen*Zimmerschießen der Linzer Künstlerin Elisa Andessner ist Teil davon, ebenso ein Filmkritik-Workshop für Jugendliche mit Nora Bruckmüller (OÖN).
Wäsche waschen als Heimatgefühl
Auch heuer gibt es wieder einen neuen Festivaltrailer – und darauf sind wir besonders stolz, denn hinter der Idee stecken drei Menschen aus dem Subtext-Team: Lisa Leeb (Idee & Konzept), Fabian Schwarzinger (Kamera & Schnitt) und Jasmin Pemmer (Location), alle drei seit Jahren regelmäßig als Berichterstatter:innen beim Festival in Freistadt zu Gast. Ihr Trailer nimmt sich eines denkbar unspektakulären Vorgangs an: dem Waschen und Trocknen von Wäsche. Gerade in dieser Alltäglichkeit steckt für die Macher:innen etwas zutiefst Universelles – ein Ort, an dem sich Heimatgefühl festmacht. Gleichzeitig wirft der Trailer Fragen auf, die über Österreich hinausreichen: Warum ist ausgerechnet diese häusliche Arbeit historisch so eng mit patriarchalen Strukturen verknüpft? Und welche Rolle spielten Waschküchen und ähnliche Orte für die Emanzipation von Frauen? Mit bewusst einfachen Bildern nähert sich der Trailer einer Antwort – genauso, wie es das Festival mit dem Begriff Heimat insgesamt versucht: als etwas, das jede und jeder für sich selbst definieren darf.
