Maifeld Amüsement: Good to be Back!

Nach dem ersten Teilcomeback des Maifeld Derby Festivals im Mai dieses Jahres lud das Team unseres geliebten Herzensfestival wieder nach Mannheim zum Maifeld Amüsement in die alte Feuerwache ein. Ein mehr als gelungener und schöner Tag mit Maifeld Flair, der noch mehr Lust auf eine Wiederauferstehung des Festivals macht!

Zur ersten Ausgabe unseres zweiten Wohnzimmers Ende Mai schafften wir es ja zeitlich leider nicht. Umso mehr war es uns wichtig und freuten wir uns, an diesem Wochenende in Mannheim dabei gewesen zu sein. Zugegeben, nicht bei der Ausfahrt zum Maimarkt-Gelände die Autobahn zu verlassen, war seltsam, aber der Abend in der alten Feuerwache Mannheim war nicht weniger großartig! Fanden nicht nur wir, sondern viele andere auch, fast sold out!

Das alte Feuerwehrhaus am Fluss in zentraler Mannheimer Lage sprühte einen gewohnten, aber auch ganz eigenen Flair aus. Erinnerte durchaus an die Arena Wien und wurde mit viel Liebe dekoriert. An jeder Ecke sprühte es vor Maifeld Derby Flair. Wurden alte Planen, Schilder und vieles mehr wieder verwendet. Man fühlte sich einfach direkt zuhause. Diese Liebe zum Detail verzaubert einen immer wieder, egal ob drei Tage lang oder nur einen.

Musikalisch war das dann entsprechend der Erwartung ein nicht nur gut vollgepackter Tag, sondern auch qualitativ wiedermal hervorragend. Was anderes haben wir aber auch nicht erwartet, war es doch immer auch das Line-up, welches uns die letzten Jahre begeistert hat. Gleich vorweg: Wir schafften es leider nicht, alle Bands zu sehen. Entsprechend verzichten wir bei diesen Acts, die wir auslassen mussten, auf eine Kritik.

Salemn / Kalkyl

Los ging es auf der Open-Air-Bühne im Innenhof und zwar gleich mit einer lokalen Band. Salemn aus Mannheim durften diesen schönen Abend eröffnen. Eine noch junge Indie-Pop-Band, die sichtlich von der Menge an Personen überrascht war. Musikalisch jetzt kein Act, der das Rad neu erfindet, aber muss man das? Sehr gut eingängig, auf der eher ruhigen Seite. Die Texte über diverse aktuelle Themen, oft auch im Sprechgesang. Man kann sagen, eine Musik, die vor allem durch ihren melodischen Klang einfach glücklich macht, und was will man mehr?

Kalkyl konnten wir leider wegen dem bereits erwähnten Talk nicht lange genug sehen, um uns ein Bild zu machen. Was wir aus den wenigen Minuten sagen können. Klingt sehr gut, cooler Indie-Sound auch aus Mannheim. Müssen wir uns auf jeden Fall nochmal in voller Länge ansehen!

1000 Rabbits

Bist du fertig, das war nicht nur der beste Act des Tages, das war eine der besten Bands, die wir dieses Jahr sehen durften. Abwechslungsreich, stimmgewaltig und außergewöhnlich. Art-Pop, der auch immer wieder mal in Punk abschweift. Eine Mischung aus Julien Baker, Streetpunk und klassischer Musik. Eine großartig starke Stimme von Sängerin River, die spielend zwischen ruhigen Parts und tiefgehendem Geschrei wechselt. Unglaublich intensiv und kraftvoll. Die Instrumentenbesetzung mit Schlagzeug, Violine, Synthesizer und Gitarre erzeugt ein dichtes Gesamtbild, das einen fesselt. Ach, wir könnten hier noch seitenweise schreiben. Wenn ihr die Chance habt, sie zu sehen, tut es! Sie werden in eurer Top-10-Liste des Jahres 2026 sein!

Paper beat Scissors

Nun ging es auch zur dritten und finalen Bühne, dem Studio. Sehr romantisch, ganz klein und im Sitzen und sehr intim. Erinnert vom Feeling an die Indoor-Variante des Parcours d’Amour. Erster richtiger Act war dann eben Paper Beat Scissors. Singer-Songwriter aus, wir vermuten mal, Wales, wohnhaft in Berlin. Sehr sympathisch und schaffte es sofort, mit dem Publikum zu connecten. Vielleicht auch, weil er vor 13 Jahren am Maifeld Derby gespielt hat. Mit einem Song von damals startete er auch. Melancholische Lieder, mit Charme vorgetragen und stets mit einem Lächeln auf den Lippen.

My new band believe

Wir wechseln wieder in die Halle, bleiben aber im Vereinigten Königreich mit My New Band Believe. Erst letztes Jahr gegründet, aber bereits sehr solider Rock. Ging sogar ein bisschen in den Punk, erinnerte stellenweise an die ruhigeren Pup. Fokus auf den instrumentalen Sound und das Gesamtkonzept hat durchaus gefallen, aber uns jetzt auch nicht zu Begeisterungsstürmen bewegt. Ging nicht nur uns so, war es dann doch etwas leer in der Halle. Ebenfalls immer wieder, dürfte heute etwas Thema gewesen sein, ein Wechsel in den Sprechgesang. Alles in allem jetzt nicht schlecht, aber eher einer der schwächeren Acts an diesem Tag.

Grenzkontrolle

Ganz anders war es dann wieder beim letzten Act auf der Open-Air-Bühne, Grenzkontrolle. Denn die vierköpfige Truppe aus Köln wusste, wie man ein Publikum in Ekstase bringt, wie man einen ordentlichen Abriss veranstaltet. Direkter und intensiver Deutsch-Punk mit starker politischer Note. Erinnert an eine Mischung aus Salo und Turbostaat. Textlich und von der Message her Turbostaat, vom Gesangsstil und dem instrumentalen Bild Salo. Also eine Mischung aus zwei ausgezeichneten Welten. Mit unglaublicher Energie und Leidenschaft vorgetragen. Auch ein Ausflug ins Publikum durfte natürlich nicht fehlen. Einfach großartig, besser kann man diese Bühne nicht abschließen, gerne wieder!

Ghostwoman / MADMADMAD

Die Abschlüsse gab es dann, wahrscheinlich aus Lärmschutzgründen, in der Halle und nicht mehr Open-Air. Zuerst mit Indie-Rock von Ghostwoman. Der Fokus lag hier ganz klar auf den Instrumenten, sehr sphärisch, fast hypnotisch. Augen schließen und genießen war hier angesagt. Stets am Punkt und ein sehr komplexes Gesamtbild, das stets zu überzeugen wusste. Leider etwas getrübt durch einen Umstand, für den niemand etwas konnte: Bei 37 Grad Außentemperatur verwandelte sich die Halle immer mehr zu einer Sauna. Das macht das längere Verweilen hier doch etwas anstrengend. Aber das soll nicht diesen wirklich sehr guten Gig schmälern.

Den „Raushauer“ machten dann MadMadMad. Elektronische Full-Band-Musik. Naturgemäß sehr tanzbar und schnell. Ideal, um nach einem langen, aber glorreichen Tag noch einmal die Beine zu lockern.

Fazit

Maifeld is back! Es war anders, es war kürzer, aber um keinen Deut schlechter. Was das Team und Chef Timo Kumpf hier wieder auf die Beine gestellt hat, konnte durch die Bank, zu jeder Sekunde, sehr überzeugen. Fühlten wir uns wieder wie zuhause. Ein wieder sehr fein gelesenes Line-up, wo uns vor allem 1000 Rabbits extrem überzeugen konnte. Wir freuen uns auf das nächste Mal, welche Form die nächste Ausgabe auch haben wird. Wir kommen wieder, garantiert!

Mitmachen

Eines noch, was wir auch sagen möchten. Im Rahmen der Veranstaltung gab es auch einen offenen Austausch über die Zukunft des Maifeld Derbys. Einen Talk, den wir auch besucht haben. Ein sehr spannender Austausch, der auch gezeigt hat, welchen Platz dieses Festival im Herzen vieler eingenommen hat. Wer also Lust hat, sich an einem großartigen Festival zu beteiligen, soll einfach uns schreiben, wir leiten das Ganze weiter. Denn eines ist klar: Ohne viel ehrenamtliche Mithilfe kann es auf keinen Fall ein Maifeld Derby Festival 2028 geben! Support small festivals!

Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber