Szene Openair 2026
Foto: Simone Grübl

Szene Openair 2026: So gerne wieder!

Gemeinsam mit rund 25.000 Festivalbesucher:innen ging es für uns vom 30. Juli bis 1. August nach Lustenau, Vorarlberg, um beim Szene Openair Acts wie Bibiza, Zartmann oder OG Keemo live zu erleben. Dieses Jahr verlief aber vieles anders als gewohnt.

Unwetter, Dauerregen und Matsch gehören beim Szene Openair schon fast zum Festivalprogramm. Bei der diesjährigen Ausgabe war das überraschenderweise nicht der Fall. Stattdessen stand erstmals eine Hitzewelle im Mittelpunkt, welche durch kurze Regenschauer und die richtigen Abkühlungs-Maßnahmen bewältigt werden konnte. Während das Wetter also über die drei Tage optimal war, spielten das Line-up und die allgemeine Stimmung eine noch viel größere Rolle.

Hunderte freiwillige Helfer:innen ermöglichten erneut Auftritte von etwa 70 nationalen sowie internationalen Acts. Vielfalt und Inklusivität wurden dabei natürlich wieder großgeschrieben. So wurden alle Musikgenres und Altersgruppen vertreten, wobei wir uns vor allem auf der Mainstage etwas mehr FLINTA-Artists gewünscht hätten. Trotzdem war am Ende wirklich für jede:n etwas dabei. Unsere persönlichen Highlights und Erfahrungen findet ihr hier:

Sharktank

Obwohl wir dieses Jahr die Musik eher spontan auf uns wirken lassen wollten, gab es ein paar Artists, auf die wir besonders gespannt waren. Sharktank standen ganz weit oben auf dieser Liste. Zum Glück schafften wir es gerade noch rechtzeitig zu ihrem Auftritt auf der Szenebühne. Aufgrund der extremen Hitze war das Publikum am Nachmittag zwar noch recht dünn besetzt, aber die Band gab trotzdem alles. Ihre Songs gingen sofort ins Ohr und ihre Bühnenpräsenz war sogar besser als erwartet. Sie sind definitiv ein Highlight der österreichischen Musikszene und hätten genauso gut einen Mainstage-Slot auf einem internationaleren Festival verdient.

Lovehead

Lovehead sind das burgenländische Trio Anna, Elena und Mara, das seit 2021 zusammen Musik macht. Mit ihrem Debütsong „denkst du an mich?“ schossen sie 2025 aus dem Nichts auf Platz eins der FM4-Charts. Die Folgesingle „erdnussallergie“ wurde zum TikTok-Hit und brachte ihnen einen Deal bei Universal Music ein. Live überzeugten die Mädels mit fetzigem Bass, Drum-Solos und Gesang. Während der Show öffnete sich auch der ein oder andere Kreis – die Crowd beim Szene Openair hat auf jeden Fall Moshpits drauf.

Filow

Der 2001 in Potsdam geborene Filow hat sich in den vergangenen Jahren vom reinen Twitch-Streamer zu einer festen Größe der deutschen Atzen-Rap-Landschaft entwickelt. Bekannt wurde er unter anderem mit seinem EM-Parodiesong „Rasenschach“. Im selben Jahr folgte sein Debütalbum „Icke“, mit dem er 2025 auf Deutschland-Tour ging. Seine Show startete mit einem Wii-Style-Intro, in dem das Publikum Filow als Charakter ausgewählt hat. Neben seinem DJ Grenzmann hatte Filow auch Special Guest Yani 5000 im Gepäck, mit dem er viele seiner Songs performte. In der Crowd bildeten sich wieder gigantische Moshpits, wobei aber alle aufeinander achteten. Filow geht übrigens im Herbst auf Tour und macht auch in Wien Halt.

Yola + Dani Lia

Aus der deutschen Indie-Szene sind Yola und Dani Lia kaum noch wegzudenken. Die beiden Solo-Künstlerinnen – „zwei Solo-Artists, kein Duo“, wie sie selbst betonen – machen seit Oktober 2025 gemeinsam Musik. Den Anfang markierte ihre erste gemeinsame Single „ausnahmsweise“, mit der sie eine mitreißende Indie-Pop-Hymne über Nachtleben und verliebte Unbeschwertheit ablieferten. Mittlerweile sind Yola und Dani Lia auf den Festivalbühnen des Landes kaum noch getrennt anzutreffen: Fast jeden Sommer-Gig bestreiten die beiden im Doppelpack. Pünktlich zu ihrem Set beim Szene Openair hörte es sogar auf zu regnen. Zu Beginn fuhren die beiden mit Mini-Fahrrädern auf die Bühne. Es stellte sich schnell heraus: Fahrradfahren und Singen müssen beides geübt sein.

BIbiza

Franz Bibiza ist wohl einer der spannendsten Wiener Künstler:innen der Gegenwart, wenn nicht sogar der spannendste überhaupt. Nach seinem Debütalbum „Wiener Schickeria“ und seinem zweiten Album „bis einer weint“ erschien am Tag seines Auftritts beim Szene Openair sein neuestes Werk „Rocknrollst☆r“. Bibiza bewies Headliner-Qualität mit imposanter Band, Bühnenbild und sehr guter Stimmung im Publikum. Für einen der letzten paar Songs kommt er sogar mitten ins Publikum. Musikalisch bewegte er sich zwischen Party-Exzessen und nachdenklicher Melancholie oder anders gesagt dem Leben eines echten Rock’n’Roll-Stars. 

Aaron

Aaron zählt zu den vielseitigsten Newcomern der deutschsprachigen Pop-Szene. Mit seiner Debütsingle „wo bin ich“ startete er als Solokünstler. Sein genreübergreifender Sound reicht von akustischen Klängen bis zu fetzigen Beats. Sein Debütalbum „versprochen, ichbindafürdich“ stieg direkt auf Platz 7 der deutschen Charts und punktet mit Features von Zartmann und Bosse. Neben Soloauftritten auf Festivals wie Hurricane und Southside spielt Aaron auch als Drummer bei Zartmanns Shows. Beim Szene Open Air 2026 in Lustenau feierte er nun seine erste eigene Festival-Solo-Show in Österreich und holte dabei Dani Lia für einen gemeinsamen Auftritt von „bitte bitte“ auf die Bühne. Danach ging es für ihn, sowohl als auch für uns, zu Zartmann auf der MainStage.

Zartmann

Zartmann startete 2021 mit der Single „2 Blocks“ seine Karriere und prägte mit Mix aus Street-Rap und melancholischem Indie-Pop das Genre „Berliner Indie-Rap“. Den Durchbruch brachte 2024 die Single „wie du manchmal fehlst“ mit Ski Aggu und Bausa. Sein Debütalbum „dafür bin ich frei“ holte über 140 Millionen Streams. Die „schönhauser EP“ samt dem viralen Hit „Tau mich auf“ folgte kurz danach. Auf der Bühne hat er wie gewohnt komplett abgerissen: Er springt von links nach rechts und wieder zurück, sodass die Fans mit dem Hinterherschauen kaum nachkommen. Starke Musik mit beeindruckendem Bühnenbild und Solos seitens der Band geben zu verstehen, warum Zartmann wohl einer der gefragtesten Künstler:innen der deutschen Bubble ist.

Paleface Swiss

Der letzte Festivaltag startete für uns direkt wild mit der Schweizer Metal-Band Paleface Swiss, die von Anfang an eine unglaubliche Energie auf die Alter Rhein-Bühne brachten. Auch das Publikum war zur Liebe der Band durchgehend in Bewegung. Kein anderer Auftritt beim Szene Openair konnte so viele Moshpits, Crowdsurfer und fliegende Becher aufweisen. Paleface Swiss waren zwar ein sehr starker Kontrast zu den restlichen Acts des Tages, aber genau das machte sie so besonders.

Cordoba78

Es gibt kaum eine Band, die so gut zum Szene-Open-Air passt wie Cordoba78. Die jungen Vorarlberger waren früher oft selbst Gäste des Festivals und jetzt standen sie vor einem großen Publikum mit einigen wahren Fans. Während ihre Musik sofort ins Ohr ging, überzeugten sie vor allem mit ihrer energetischen Bühnenpräsenz, die die Menge zum Tanzen brachte. Highlight ihres Auftritts war klar, als ein echter Heiratsantrag inmitten des Rampenlichts gemacht wurde. Insidern zufolge passierte das nicht zum ersten Mal. Grundsätzlich ist es sicher zu sagen, dass wir in nächster Zeit noch mehr von der Musikgruppe hören werden.

Sons Of The East

Wenn man auf ein Festival in Vorarlberg geht, rechnet man in erster Linie nicht damit, eine australische Band dort zu sehen. Sons of the East machten aber genau dieses Phänomen möglich, und das schon zum zweiten Mal. Das Indie-Folk-Trio brachte den perfekten Soundtrack zum verträumten, leicht regnerischen letzten Tag und kam bei allen Altersklassen sehr gut an.

Kayla Shyx

Auch wenn Kayla Shyx hauptsächlich als Influencerin und Schauspielerin im deutschsprachigen Raum bekannt ist, hat sie auch der Musik eine Chance gegeben. Im Gegensatz zu vielen anderen, die den gleichen Weg gegangen sind, sogar sehr erfolgreich. Das Szene Openair war ihre erste richtige Österreich-Show, die sie trotz kurz zuvor gebrochenen Fußes durchzog. Ihre „sad girl music“ mitsamt des neuen Hits „Pretty Boys“ fanden vor allem beim jungen Publikum einen guten Platz. Als Kaya dann einen Fan zum Luftgitarre spielen auf die Bühne holte, zeigte sich erneut, dass sie definitiv genauso für das Musikbusiness gemacht ist.

Vicky

Noch mehr Frauen-Power gab es etwas später bei der Rapperin Vicky. Leider erneut nur auf der Szenen-Bühne, obwohl ihr Talent klar die Mainstage verdient hätte. Schließlich ist sie vergleichbar mit einer österreichischen Charli XCX oder Ikkimel. Das sagt auch schon viel über eine bestimmte Zielgruppe aus, von der sie eher skeptische Blicke kassieren musste. Ganz unabhängig davon, ob ihre etwas provozierenden Texte richtig verstanden werden oder nicht, muss gesagt werden, dass sie und ihre Tänzerinnen starke Performerinnen sind, die mit Songs wie „FKK“ fast jede Person in Stimmung bringen konnten.

OG Keemo

Kaum eine Überraschung, dass beim Headliner des Tages OG Keemo das Publikum wieder ganz anders aussah. Unter „anders“ versteht sich deutlich männerdominierter und aggressiver. Während also auf der Bühne eine solide Performance abgeliefert wurde, fokussierte sich die Menge bereits auf den nächsten riesigen Moshpit. Bei einem klassischen Deutschrap-Konzert gehört das aber einfach dazu. Für uns war das auf jeden Fall ein Zeichen, dass es Zeit ist, sich vom diesjährigen Szene Openair zu verabschieden.

Fazit

Das Szene Openair ist mit kaum einem anderen Festival vergleichbar und das kam dieses Jahr besonders stark zum Vorschein. Erstmals lenkte kein schlechtes Wetter von der unglaublichen Atmosphäre ab, die durch hunderte freiwillige Helfer:innen jedes Jahr nach Lustenau gebracht wird. Natürlich gibt es wie bei den meisten aktuellen Events noch Punkte, an denen gearbeitet werden kann, aber vergleichsweise nimmt man diese beim Szene nicht so stark wahr. Wenn das Wetter also für 2027 ähnlich aussieht und etwas mehr Frauen auf dem Line-up stehen, sehen wir uns sehr gerne wieder!

Fotos & Text: Simone Grübl, Hongyu Jin

Multimedia Schülerin und Fotografin aus Linz