Eine Frau läuft durch quer durch eine Wiese
Foto: Martin Baron | Unsplash

Good Girl Exit – Silvi Carlsson

Warum fällt es uns so schwer, Nein zu sagen? Warum fühlen wir uns schuldig, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse an erste Stelle setzen? In ihrem Buch „Good Girl Exit“ zeigt Silvi Carlsson, wie tief das „Good Girl“-Muster in uns steckt und warum es sich lohnt, es zu hinterfragen.

„Sei nicht so wütend.“ „Das kannst du doch nicht sagen.“ „Denk doch mal an die anderen.“ Viele von uns kennen solche Sätze. Wir lernen schon in unserer Kindheit nett, verständnisvoll und hilfsbereit zu sein. Wütend sein, anecken oder Nein sagen fällt hingegen oft schwer. Genau hier setzt Silvi Carlsson’s Buch „Good Girl Exit – Vom Ende der weiblichen Verfügbarkeit“ an. Sie erzählt von persönlichen Erfahrungen und zeigt, wie wir unser eigenes „Good Girl“ erkennen und hinterfragen können. Sie schreibt über Scham, People Pleasing, Grenzen und die ständige Erwartung, für andere da und verfügbar zu sein. Carlsson stellt die Frage: Was passiert, wenn wir unser inneres „Good Girl“ herausfordern? Wenn wir anfangen, unsere eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, für uns einzustehen, Grenzen zu setzen und nicht mehr ständig darüber nachdenken, was andere von uns erwarten?

Was ist ein Good Girl?

Ein „Good Girl“ möchte es möglichst allen recht machen, vermeidet Konflikte und tut sich schwer damit, Nein zu sagen. Die eigenen Bedürfnisse rücken dabei schnell in den Hintergrund. Diese Prägung beginnt häufig schon in der Kindheit. Wir lernen, leise zu sein, uns anzupassen und bestimmte Gefühle zurückzuhalten. Wer wütend wird, laut ist oder widerspricht, gilt schnell als schwierig. So entstehen Verhaltensmuster, die uns auch als Erwachsene begleiten können. Wir wollen niemanden enttäuschen, vermeiden Konflikte und fühlen uns schnell schuldig, wenn wir einmal nicht verfügbar sind. Dabei merken wir oft gar nicht, wie sehr wir dabei auf unsere eigenen Bedürfnisse vergessen. Silvi Carlsson macht dabei deutlich, dass es nicht nur um persönliche Eigenschaften geht. Sie betrachtet auch die gesellschaftlichen Strukturen dahinter und zeigt, wie weibliche Sozialisation beeinflusst, was wir von uns selbst und voneinander erwarten.

Fazit

Silvi Carlsson schreibt persönlich, nahbar und mit einem guten Gespür für die Themen, die sie anspricht. Eigene Erfahrungen, psychologische Aspekte und feministische Gesellschaftskritik betrachten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dadurch bleibt das Buch leicht zugänglich und wirkt nie wie ein trockenes Sachbuch. Gleichzeitig stellt Carlsson immer wieder Fragen, die unangenehm werden können. Es regt dazu an, das eigene Verhalten zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, wie oft die eigenen Bedürfnisse hinter denen anderer zurückstehen.

Wer sich bereits intensiv mit feministischer Literatur beschäftigt hat, wird in „Good Girl Exit“ vermutlich nicht auf viele völlig neue Erkenntnisse stoßen. Für alle anderen bietet das Buch einen guten Einstieg in ein Thema, das viele Personen im Alltag betrifft, ohne dass es immer bewusst wahrgenommen wird.

„Good Girl Exit“ ist deshalb vielleicht kein Buch, das für jede Person komplett neue Erkenntnisse bereithält. Aber es ist ein guter Anstoß, sich mit den eigenen Mustern auseinanderzusetzen und vielleicht an der einen oder anderen Stelle mutiger „Nein““” zu sagen.


Buchcover Good Girl Exit von Silvi Carlsson

Good Girl Exit

Vom Ende weiblicher Verfügbarkeit
von Silvi Carlsson

Piper Verlag
156 Seiten, Deutsch, gebundene Ausgabe

€ 18,00 – jetzt bestellen

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