new constellations vienna b72
Foto: Christoph Leeb

New Constellations: Portland trifft Coldplay

Dass aus Portland/Oregon unterstützenswerte, meist hochwertige Artists stammen, ist nicht erst seit Portugal. The Man bekannt. Einer dieser Vertreter, der gerade international „steil“ geht, ist New Constellations. Davon durfte man sich am Freitagabend im Wiener B72 live überzeugen.

Achtung, jetzt wirds anfangs ein bisschen nerdig. Denn der musikalische Output aus Portland/Oregon hat es dem Autor dieser Zeilen über die Jahre angetan. Ja, weil Portugal. The Man immer noch mit das Nonplusultra am Plattenteller sind. Oder weil The Dandy Warholes mit Bohemian Like You 2000 einen All-Time-Hit geträllert haben. Nein, auch „kleine“ Bands haben ab und an den Sprung nach Europa geschafft, einige davon durften wir von Qlash.at selbst veranstalten. Alameda, Those Willows und NRVS LVRS haben uns beehrt – und eines gemeinsam: Anstatt oberflächlicher Plattitüden kam man mit allen relativ schnell ins Gespräch über Themen, die wirklich Bedeutung haben. Könnte am Ambiente der Stadt liegen, vermuten wir. Übrigens: Diese Bands wird in Österreich fast niemand kennen – sind aber immer noch einen Abstecher wert.

So viel zum Thema Sentimentalitäten. Denn am Freitagabend in der Stadtbahnbogensauna des B72 standen mit New Constellations Artists auf der Bühne, die nicht nur, aber vor allem wegen der Single Hot Blooded gerade durch die Algorithmendecke gehen. Hilft live offensichtlich auch dabei, über dem Atlantik Tickets zu verkaufen.

Support: Gabba Delic

Doch auch der Support verdient es, erwähnt zu werden. Gabba Delic und Headliner New Constellations kennen sich. Kennen sich und haben sich schätzen gelernt. Die aktuell in Wien ansässige Künstlerin durfte deswegen auch den Abend im brütend heißen B72 eröffnen. Ein halbstündiges Set, das Inhalt bietet. Passenderweise heißt die aktuelle Platte hier auch Vienna Waits For No One. Dumb Men H8te Blue Eyeshadow wurde als (noch) unveröffentlichter Track präsentiert und zeigt relativ plakativ, dass Gabba Delic mit ihren Songs auch Botschaften verschicken möchte. Das Ganze wird dann live in Dream-Pop-Indie mit leichten Psychedelic-Einschlägen gegossen. Klingt verschachtelt? Ist es vielleicht auch nicht für alle gleich auf Anhieb zugänglich. Dementsprechend gemischt die Reaktionen im Publikum von begeistert (vorne) bis „naja“ (hinten). Wir zählen uns hier mal zur ersten Gruppe.

New Constellations: It Comes in Waves?!

Nun, beim Headliner muss man ein bisschen ausholen. Denn Harlee Case und Josh Smith haben zwar mit It Comes In Waves im Mai ihr Debütalbum veröffentlicht, machen aber fast ein Jahrzehnt gemeinsam Musik. Und kennen sich gegenseitig und den gemeinsamen Werdegang noch viel, viel länger. Das hört man live dann auch – hier sind keine „Newcomer“ am Werk, sondern Musiker:innen, die wissen, was sie an den Instrumenten tun. Klar hilft es, wenn man wie Harlee Case die Wiener Stadtbahnbögen dann auch noch stimmlich in den Grundfesten erschüttern lässt. Das (leider) nur knapp einstündige Set ist dann ein Extract aus ihrem Album. Waterslides, Say You Will, Believe Again, Do What You Want als Ausreißer neben dem „Überhit“ Hot Blooded, klarerweise. Dazu gibt es dann auch noch ein Coldplay’sches The Scientist-Cover. Nur so viel: Sollte sich der gute Chris Martin mal den Haxen brechen und ausfallen, wir wüssten da jemanden. Gepaart mit offensichtlicher Spielfreude ein Gig, der sich dann doch länger in die Gehörgänge einprägen wird. Bitte weitermachen, liebe New Constellations!

Foto: Christoph Leeb

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Passiv-Sport-Fan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.