Die Kids sind alright: OK Kid in Wien
Sie sind wieder da. OK KID kommen mit neuem Album und viel Energie aus ihrer bewusst gewählten Pause zurück und zaubern der ausverkauften Ottakringer Brauerei ein Lächeln in die Gesichter. Die Vorfreude war groß – und wurde vom Konzert trotzdem noch übertroffen.
Nach zwei Jahren bewusster Funkstille sind OK KID zurück. Mit „Komm, wir bleiben stehen“ im Gepäck startete die Band ihre Tour in der ausverkauften Ottakringer Brauerei in Wien. Bevor Jonas Schubert, Raffael Kühle und Moritz Rech die Bühne übernahmen, sorgte Tape Head für den passenden Einstieg in den Abend.
Tape head
Eigentlich als Tape Head & Noni angekündigt, stellt sich der Wahl-Kölner Sascha (Tape Head) alleine auf die Bühne. Denn sein Produzent Noni hat es terminlich leider nicht geschafft, mit dabei zu sein. Das soll der Performance – bis auf etwas selbst eingestandene Nervosität – aber nichts anhaben. Denn bei seinen Songs geht er mit vollem Körpereinsatz so nah ans Publikum wie möglich. Wild reißt es ihn herum, so sehr fühlt er seine Texte. Mit einer Mischung aus Deutschrap und Gesang gibt er sich roh und verletzlich, während gleichzeitig innere Konfrontation angesagt ist.
Anfang des Jahres hat das Duo sein erstes Album veröffentlicht. „nicht ins leben verliebt, aber es lieben gelernt“ ist der Titel, der die Melancholie und Richtungslosigkeit von so vielen heute perfekt beschreibt. Gemeinsam mit den Synthwave-Einflüssen entsteht so ein Sound, der sich schnell einen Platz ganz tief im Herzen sucht, ob man es will oder nicht. Seine Antwort auf diese Machtlosigkeit, wenn man sie verspürt? Der Song „Arm in Arm“. Mit diesem Song schließt er dann auch sein halbstündiges Set, das mit großartiger Wucht das motivierte Publikum schon voll in Stimmung gebracht hat. Das sieht man nicht alle Tage von einem Voract. Wer rohe Power mag, sollte unbedingt mal reinhören.
OK Kid
Sie sind wieder da – und hoffentlich gekommen, um zu bleiben. OK KID, eine Band, die ursprünglich aus Gießen kommt, mittlerweile aber Köln ihr Zuhause nennt. Entstanden ist OK KID 2012 aus der Vorgängerband Jona, 2013 erschien das selbstbetitelte Debütalbum. Nach über zehn Jahren Bandgeschichte legten die drei Musiker eine bewusste Pause ein. Nun sind sie nach zwei Jahren endlich wieder da – und das mit ihrem neuen Album „Komm, wir bleiben stehen“. Dass der Tourauftakt in Wien stattfand, zeigt dabei auch die Nähe der Band zur österreichischen Musikszene.
2024 verabschiedete sich die Band in eine bewusst gewählte Pause vom immer schneller laufenden Hamsterrad der Musikindustrie. Der Fokus sollte wieder auf dem Musikmachen liegen und nicht auf der Selbstdarstellung im Internet oder in den sozialen Medien. Es wurden keine Konzerte gespielt, es gab keine Veröffentlichungen und keine öffentliche Kommunikation.
Das Ende der Pause feierten Jonas Schubert, Raffael Kühle und Moritz Rech mit einem Überraschungskonzert in Gießen, wo sie auch ihr neues Album ankündigten. Im Laufe des Sommers wurde dann der ein oder andere Campingplatz auf diversen Festivals gecrasht – ganz ohne große Ankündigung, dafür mit umso mehr Freude über die Rückkehr.
„Komm, wir bleiben stehen“
Das neue Album unterscheidet sich zumindest auf den ersten Blick deutlich vom bisherigen Sound. Hört man jedoch genauer hin und achtet auch auf die Texte, erkennt man die politische und kritische Stimme der Band sofort wieder. Thematisch beschäftigt sich das Album mit gesellschaftlichen Krisen, (toxischen) Männlichkeitsbildern, Widerstand und auch mit dem Gefühl von Zusammenhalt.
Auch wenn sich der Sound stärker in Richtung Garage mit elektronischen Elementen entwickelt hat, merkt man schnell: Ihren Grundsätzen ist die Band treu geblieben.
Stadt ohne Meer
Still und heimlich begann das Konzert von OK KID. Jonas Schubert mischte sich unbemerkt ins Publikum und performte die Songs „Hoffnung stirbt“ mitten unter den begeisterten Fans. Dass die Musiker aber Bock auf Party haben, war spätestens mit dem nächsten Song „Rave On“ klar.
Von da an wurde das Konzert immer intensiver. Neue und alte Songs verschwammen ineinander und sorgten für Euphorie im Publikum. Gefühlt wurde jeder Song gefeiert – unabhängig davon, wie alt er bereits ist. Die ausverkaufte Ottakringer Brauerei war bis in die letzten Reihen textsicher und ließ das auch lautstark hören.
Es ist im Nachhinein immer schwer, diese spezielle Stimmung zu beschreiben. Aber ein Versuch ist es wert: Man fühlte sich, als wäre man in einem Raum voller Freund*innen, die man lange nicht gesehen hat und die man am liebsten vor lauter Freude über das Wiedersehen gar nicht mehr loslassen möchte.
OK KID haben uns mit ihrer (neuen) Musik eine Umarmung geschenkt, die sich bis zu den Haarspitzen perfekt angefühlt hat. Musikalisch ließen sie dabei ebenfalls keine Wünsche offen. Natürlich waren „Stadt ohne Meer“, „Die Kids sind alright“ und „Verschwende mich“ Teil des Sets.
Hör nie auf
Das Schöne ist zu sehen, dass sich die Band in ihren Werten nicht verändert hat. Sie feiern nach wie vor ihre Fans und versuchen, so nahbar wie möglich zu sein. Eines unserer Highlights war die Zugabe „Februar“, die mitten im Saal performt wurde. Und auch nachdem die letzten Takte der letzten Zugabe „Hör nie auf“ verklungen waren, wollten die Musiker ihr Publikum nicht einfach so in den nächtlichen Sonntag schicken. Stattdessen verabschiedeten sie sich mit „Mr. Brightside“ von The Killers – was, wie zu erwarten war, in einer großen Indieparty ausartete.
Ob wir uns schon auf mehr freuen und hoffentlich auch auf eine Festivalsaison 2027 hoffen? Die Antwort ist nach diesem Sonntag ziemlich eindeutig: Definitiv.
Text & Fotos: Lisa Leeb & Fabian Schwarzinger