Die Schöne und das Biest bei der Foto- und Medienprobe im Raimundtheater
© Lisa Tatzber

Märchen schreibt die Zeit: Die Schöne und das Biest kehrt nach Wien zurück

In Wien wird eines der bekanntesten Disney-Märchen lebendig. Bei der Foto- und Medienprobe durften wir bereits erste Szenen und Songs erleben. Dazu gab es einen ganz besonderen Gast: Regisseur und Choreograf Matt West, der nicht nur Einblicke in die neue Produktion gab, sondern auch aus dem Nähkästchen plauderte.

Und eines wurde schon bei den ersten Szenen klar: Dieses Schöne und das Biest möchte nicht einfach nur das Musical von damals wiederholen. Matt West und sein Team haben die Geschichte mit „einem neuen Set of Eyes“ betrachtet und ins Wiener Raimung Theater gebracht. Neue Tänze, neue Szenen und teilweise neue musikalische Elemente sollen das bekannte Musical frisch wirken lassen, ohne dabei das Herz der Geschichte zu verlieren.

Gaston und Lefou übernehmen die Bühne

Den ersten Vorgeschmack gab es mit dem Ende von „Gaston“. Roy Goldman als Gaston, Linus Al Baroffio als Lefou und das Ensemble zeigen bereits, was in dieser Produktion steckt: viel Energie, Humor und eine gehörige Portion Show. Besonders ins Auge fällt mir dabei ein choreografisches Element mit großer Wirkung: Die Mitglieder des Ensembles stehen mit Tassen in der Hand auf der Bühne und stoßen diese in einer Chorus Line immer wieder mit denen ihrer Nachbarn an.

Überhaupt sind Kostüme und Bühnenbild schon in dieser ersten Szene ein echtes Highlight. Genau diese bunte, detailverliebte Disney-Optik, die man sich von Die Schöne und das Biest erwartet, ist sofort da.

Gaston, Lefou und eine gute Portion Blödelei – Interview mit Linus al Baroffio

Besonders viel Spaß gemacht hat mir die „Gaston“-Nummer. Nicht nur wegen der turbulenten Inszenierung, sondern auch wegen Linus Al Baroffio als Lefou und Roy Goldman als Gaston. Die beiden haben eine richtig schöne Chemie auf der Bühne. Und genau daran haben sie schon vor dem ersten Probentag gearbeitet: Linus schrieb Roy vorher, weil er die Person, mit der er im Stück am meisten zusammenspielen würde, gerne schon kennenlernen wollte.

Die beiden verstehen sich super, blödeln gerne miteinander herum und haben dadurch viele kleine Momente zwischen Lefou und Gaston auf der Bühne gefunden. Und das, obwohl sie privat natürlich ganz anders sind als ihre Figuren.

Interview mit Linus Al Baroffio

Auch über die neue Fassung von Die Schöne und das Biest habe ich mit Linus gesprochen. Statt der Originalfassung gibt es für Wien einige neue und verlängerte Tanznummern, wie in der 2025 eröffneten 30th Anniversary Tour durch Nordamerika. Die Choreografien sind pompöser geworden und Lefou bekommt in der Wiener Version mehr Szenen und damit mehr Bühnenzeit. Für Linus natürlich ein ziemlich guter Grund, sich über den neuen Wind zu freuen.

Jetzt, nach seinem MUK-Abschluss im Frühjahr 2026, steht Linus im Raimund Theater in Wien auf der Bühne. Sein großer Wunsch war es, nach der Ausbildung in Wien bleiben zu können – und genau das ist jetzt Realität geworden. Ich durfte letztes Jahr noch mit ihm in Jesus Christ Superstar, wo er einen genialen Judas gab, auf der Bühne stehen. Deshalb freut es mich ganz besonders, ihn jetzt in einer solchen Produktion wiederzusehen. Und ich kann nur sagen: Lefou steht ihm verdammt gut!

Willkommen im Schloss

Nach der Szene in der Taverne geht es ins Schloss. In der Szene „Im Schloss“ stürmt das Biest (Dominik Hees) in Belles (Malene Jubelius) Zimmer. Diese bekommt zunächst alles andere als eine freundliche Einladung zum Abendessen. Das Biest versucht es mit Anschreien, scheitert damit erwartungsgemäß und versucht es anschließend doch noch einmal mit etwas mehr Höflichkeit.

Mit dabei sind natürlich auch die verzauberten Schlossbewohner Lumière (Simon Stockinger), Madame Pottine (Wietske van Tongeren), Herr von Unruh (Mathias Schlung) und Madame de l’Amour (Jana Stelley). Bereits in dieser Szene zeigt sich, wie viel Leben in der magischen Welt des Schlosses steckt.

Besonders berührend wird es bei dem Song „Wie könnt’ ich sie lieben“. Das Biest steht dabei im Mittelpunkt und bekommt einen Moment, in dem seine Verletzlichkeit sichtbar wird. Mich hat dabei vor allem das Gefühl des Darstellers beeindruckt. Dazu kommt ein Bühnenbild, das wirklich wunderschön ist: Die Rose befindet sich unter einer Kuppel, dahinter öffnet sich eine Sternennacht und eine Sternschnuppe zieht über den Himmel. Ein Bild, bei dem selbst eingefleischte Musicalmenschen kurz einfach nur schauen und genießen möchten.

Auch Belle bekommt mit „Mein neues Ich“ ihren großen Moment. Und spätestens bei „Sei hier Gast“ wird aus dem Musical endgültig ein großes Spektakel. Das Ensemble erscheint steppend in Gold, die Bühne dreht sich und alles leuchtet in bunten Farben – ein echter Showstopper, bei dem man gar nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll.

Ein bekanntes Musical mit neuen Augen

Matt West kennt Die Schöne und das Biest nicht nur aus der Perspektive eines Regisseurs. Für ihn ist das Musical etwas ganz Besonderes. Er begann bereits mit 13 Jahren für Disney zu arbeiten, und war über die Jahre immer wieder für das Unternehmen tätig. Als Disney ihn schließlich fragte, für Beauty and the Beast zurückzukehren, habe es sich für ihn wie nach Hause kommen angefühlt.

Spannend fand ich auch seine Einblicke in die Entstehung der Figuren. Drehbuchautorin Linda Woolverton ließ reale Menschen und persönliche Erfahrungen in ihre Charaktere einfließen. Sie war die erste Frau in Hollywood mit einem alleinigen „above the title“-Credit für ein Drehbuch. Das Buch zum Musical schrieb ebenfalls Woolverton und gewann damit auch einen Tony Award!

Gaston hat ein reales Vorbild: Einer der Männer, die Woolverton während ihrer Collegezeit datete, fragte sie eines Tages: „Why do you read?“ Aus dieser persönlichen Erfahrung entstand ein Teil von Belles Charakter: eine junge Frau, die Bücher liebt und sich ihre eigene Welt erschließt, während ihr Gegenüber überhaupt nicht versteht, warum sie so viel liest.

Genau diese menschliche Seite war Matt West bei den Proben wichtig. Er wollte seinem Cast zeigen, wie viel „Realness“ in den Figuren steckt. Denn auch in einer Welt voller sprechender Teekannen und verzauberter Schlösser brauchen die Figuren echte Gefühle, Beziehungen und Geschichten.

Und damit sind wir bei der zentralen Botschaft: Man sollte ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Für Matt West ist Die Schöne und das Biest deshalb vor allem eine Geschichte über Liebe und Akzeptanz. Ein zentrales Thema, das Jahrzehnte nach der ersten Veröffentlichung noch immer berührt.

Von Disney nach Wien

Eine besondere Herausforderung dieser Produktion war die Sprache: Die Wiener Version ist die erste nicht-englischsprachige Produktion dieser neuen Fassung. Songs und Dialoge wurden eigens für Wien übersetzt und anschließend wieder ins Englische zurückübertragen. So konnte auch der englischsprachige Matt West genau nachvollziehen, wie Text, Musik und Choreografie zusammenspielen und die einzelnen Elemente entsprechend aufeinander abstimmen.

Denn gerade bei einem Musical reicht es nicht, einen Text einfach möglichst wortgetreu zu übersetzen. Die Worte müssen zum Rhythmus passen, gesungen werden können und gleichzeitig mit Bewegung und Inszenierung funktionieren. Es ist also ein echtes Zusammenspiel vieler Beteiligter.

Auch bei der Musik durfte Matt West mitgestalten. Die Komponisten seien sehr offen für Veränderungen gewesen, wenn sie das Gefühl hatten, dass diese der Produktion dienen. Selbst bei „Sei hier Gast“ wollte West Veränderungen vornehmen. Dafür musste er, wie er mit einem Augenzwinkern erzählte, zunächst ein paar Fäden ziehen. Als das Team schließlich seine Vision sah, war es überzeugt.

Und vielleicht ist genau das der spannendste Gedanke, den ich von dieser Presseveranstaltung mitnehme: Wir bekommen in Wien kein Stück, das einfach aus dem Disney-Regal gezogen und wieder auf die Bühne gestellt wird. Es ist eine bekannte Geschichte, die mit neuen Augen betrachtet wurde – mit neuen Tänzen, neuen Ideen und ganz viel Respekt vor dem Original.

Matt West fasste seine Botschaft am Ende schön zusammen: „Love is love is love.“ Manchmal muss man die Welt draußen einfach kurz vergessen, in einen magischen Ort eintauchen und sich daran erinnern, dass unter all dem Spektakel vor allem eines steckt: ganz viel Herz.

Mein Fazit

Die Schöne und das Biest ist ein Musical für alle, die sich gerne für ein paar Stunden in eine andere Welt entführen lassen. Die neuen Choreografien, die opulenten Kostüme, das beeindruckende Bühnenbild und natürlich die bekannten Songs machen die Produktion zu einem echten Spektakel. Gleichzeitig steckt hinter all dem Glitzer eine Geschichte über Liebe, Akzeptanz und darüber, Menschen nicht nach ihrem ersten Eindruck zu beurteilen.

Disney-Fans kommen hier sowieso auf ihre Kosten. Natürlich auch alle, die einfach Lust auf großes Musicaltheater, wunderschöne Bilder und ein bisschen Magie haben, sollten sich dieses Märchen nicht entgehen lassen.

Wer nun Lust hat, das Musical zu sehen, kann hier Tickets kaufen. Wer noch mehr visuelle Einblicke braucht, darf gern beim offiziellen Trailer der 30th anniversary tour auf Play drücken!

Das Musical spielt im Raimund Theater in Wien und läuft voraussichtlich bis 31. März 2027.

Musicaldarstellerin zu sein ist mein größter Traum und gleichzeitig bin ich viel zu neugierig, um nur eine Sache zu machen. Ich liebe die Bühne, Tanz und Geschichten, aber genauso Events, Content Creation und kreative Projekte. Deshalb bin ich Musicaldarstellerin, Tänzerin, Tanztrainerin, Eventmanagerin, Content Creatorin, und Sprecherin/Moderatorin in Ausbildung. „Fake it till you make it“ begleitet mich dabei ziemlich gut: Wenn ich etwas machen möchte, probiere ich es aus und lerne den Rest unterwegs. Schön, dass du hier bist. ♡