Disco 2002: Party, Party!

Viel Neues und einiges Bekanntes brachte die neue Ausgabe von Disco 2002. Mit dabei waren IAM BRODA, TONFABRIK, HOP JONATHAN, KOBAN, INTRA und GERHARD. Musikalisch wie immer Top –  auch wenn das Covern schon konsequenter war, war der Abend in der Stadtwerkstatt ein voller Erfolg. 

Disco 2002 ist eine ganz spezielle Veranstalungsreihe, nicht nur regionale Bands finden dort eine Bühne, sondern auch ein bestimmtes Cover. Diesmal aus dem Jahre 2002 – Coldplays “Yellow”. Die Bands haben die Aufgabe in ihrem Set dieses eine Lied zu spielen. Wie genau das dann klingt und wie der Text dazu passt, ist der Band überlassen. Wer also immer noch in den 2000rn festhängt – das ideale Format.

Begonnen hat der Abend (fast) pünktlich mit Iam Broda. Erst seit heuer zählt sich die Sängerin zu den Singer-Songwriterinnen. Das Küken sozusagen wurde am Donnerstag von Richy Edlinger unterstützt und verführte uns so in die Welt der sanften Melodien. Ihrem Cover würde ich, wenn ich Punkte vergeben müsste, 8 von 10 geben. Nett, schön gesungen, aber kaum eigene Interpretationen.

Die Stahlstadtkinder der Tonfabrik waren dann schon die nächsten. Rockig und laut performten diese ihr 35 Minuten Set. Mit dabei die Lieder “Stahlstadtkinder” und “Dumm bleibt dumm”. Musikalisch haben die Herren einiges zu bieten und waren für mich ein Highlight an diesem Abend. Covern ist wohl nicht so ihr Ding, bzw war es nicht erkennbar, ob oder wann sie “Yellow” gespielt hätten – deswegen nur 1 von 10 Punkten.

Zum Knuddeln war der nächste Act, Hop Jonathan. Er dürfte noch nicht sehr viele Auftritte erlebt haben und gab sich Anfangs etwas schüchtern, und die Kommunikation mit dem Publikum war auch etwas zaghaft. Sein Zitat “Hab am Anfang die Hosen voll gehabt, aber jetzt ist es ganz angenehm” bestätigt die erste Wahrnehmung, mit jedem Song taute der junge Musiker mehr und mehr auf. Musikalisch ein Traum, harmonisch und mit viel Gefühl regt er zum Nachdenken an. Lieder wie “Soll das Alles sein”,  “Bilder an der Wand” oder “Kaffee, kiffen und Cola” bleiben noch länger in Erinnerung. Wenn auch diesmal vom Cover kaum was zu hören war, gebe ich ihm 2 von 10 Punkten, weil er einfach so sweet da ganz alleine auf der großen Stadtwerkstatt-Bühne stand.

Extravagant und Laut war das Duo aus Kanada, Koban. Unter dem ganzen Rock und Grunge Geräuschen war der Gesang leider kaum hörbar. Tat der Stimmung aber keinen Abbruch, energetisch und geladen verlangte das Publikum nach dem Konzert eine Zugabe – “Daydream” wurde dann auch promt gespielt.

Als Vorletztes betraten INTRA die Bühne. Markenzeichen der Band ist die kraftvolle Stimme der Sängerin und ihr Mix aus vielen Rockgenres. Zum Zuhören und Abgehen sehr zu empfehlen. Für das “Yellow” Cover tauschten die Bandmitglieder extra die Instrumente, was beim Schalgzeuger und Neogitarristen schon mal zu einer kleinen Überforderung führte. Mit dem Satz “Jetzt geht’s nur mehr bergab” legte INTRA ein 1A-Cover hin – 10 von 10. Und für die Fans gab es natürlich auch eine Zugabe – wie soll es auch anders sein.

Zugebenm sechs Bands an einem Abend, selbst wenn diese nur so kurz spielen, ist schon ein leichter Overflow. Ich blieb aber standhaft – trotz schmerzenden Füßen und dem Wissen, am nächsten Tag früher als gewohnt aus den Federn zu müssen.

Letzte Band für diesen Abend, Gerhard. Auch wenn die Bandmitglieder etwas nach “Ich hab kurz in der Kostümkiste von meiner Oma gewühlt und mir das erstbeste angezogen und aufgesetzt was ich gefunden habe” ausschauten, war ihre Musik nur halb so schlimm wie ihr Outfit. Übertriebene Moves ruinieren die Authentizität der Band, wo sie doch musikalisch und textlich einiges zu erzählen hatte. Und ihr Cover zählte auf jeden Fall zu den Einfallsreichsten an diesem Abend – statt “Yellow” und “Stars” stand die alte Lady, die Eisenbahnbrücke, im Zentrum des Covers. 10 von 10 Punkten.

Foto: Leeb Lisa

 

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