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Wir sind eine Urgewalt

Wir sind eine Urgewalt

 

DMVA – das sind drei Herren aus Wien, die auf der Bühne verkleidet sind, Vollgas geben und jeden Partygast zum Abrocken bewegen. subtext.at hat Clido Heartbounce, King Lo Vox und Pharao Hi-Spit vors Mikrofon gebeten und die Wiener Urgewalt über Deichkind, Schweine-Cops und vieles mehr befragt.subtext.at: Die erste Frage bei einem Interview ist ja oft die nach dem Musikstil einer Band. Nun behauptet ihr von euch, über das „Universum gesehen“ zu denken. Wie würdet ihr dann einem Außerirdischen beschreiben, was DMVA tut?
Clido Heartbounce:
Ich glaub, die würden alles verstehn und das ganz normal finden. Nein, im Ernst – wir machen nicht „nur“ Musik, sondern fast schon aktionistische Kunst. Wir versuchen da eine Nähe zum Publikum aufzubauen und dann einfach die Energie rauszulassen.

subtext.at: Ihr bezeichnet euch selbst als „Die Mutter von Allem“ – oder zumindest kann man die Abkürzung DMVA so interpretieren. Wenn ihr schon die „Mutter von Allem“ seid – gibt es dann bei euch noch sowas wie Vorbilder?
King Lo Vox: Nein, Vorbilder gibt es keine mehr. Aber wir sind auf jeden Fall bereit dafür, Vorbild für andere zu sein.

subtext.at: In Konzertankündigungen werdet ihr als die „Deichkinder Österreichs“ bezeichnet. Schmeichelt euch dieser Vergleich, auch im Hinblick darauf, dass man als Deichkind-Mitglied eine doch nicht so hohe Lebenserwartung hat wie Andere?
Clido Heartbounce:
Deichkind sind die DMVA Deutschlands. Da möchte ich drauf bestehen.

subtext.at: Seid ihr damit nicht ein bisschen arrogant?
King Lo Vox: Dekadent, aber nicht arrogant.
Clido Heartbounce: Das ist künstlerische Dekadenz, die kann man sich erlauben. Aber auf der Bühne sind wir alles andere als dekadent. Deichkind ist aber schon eine ganz andere Energie als wir sie haben. Die sind inszeniert – und wir sind eine Urgewalt.
Pharao Hi Spit: Naja, sobald man elektronische Musik mit Viertel-Base macht und darüber rappt – das gibt’s halt noch nicht so oft. Daher ist der Vergleich schon naheliegend. Aber wir gehen schon in eine ganz andere Richtung. Wir sind eher so diese Punk-Hardcore-Energie.
Clido Heartbounce: Bei Deichkind ist es von vorne bis hinten inszeniert – wir sind das sowas wie das organisierte Chaos. Aber ich würde uns auch mit Deichkind vergleichen, wenn ich uns nicht kennen würde.

subtext.at: Ihr tretet ja auch verkleidet auf. Stichwort Masken – wie viele Masken gehen pro Jahr im Schnitt drauf?
King Lo Vox:
Nicht so viele, eigentlich.
Clido Heartbounce: Ich würd sagen, so zwei in etwa.

subtext.at: Was war die bislang skurrilste Auslegung der Abkürzung DMVA?
Clido Heartbounce: Die Mutter von Ambros. Und „Die Maske verdeckt alles“.
Pharao Hi Spit: Die Musik voll aufdrehen.
King Lo Vox: Das ist ja alles nicht skurril – außer „Die Mutter von Ambros“. Ich würd ja sagen: „Deichkind muss sich voll anstrengen“.

subtext.at: Kommen wir zu euren Nebenprojekten „The Staggers“ und „Hinduslem“ – ist DMVA quasi das Projekt, wo ihr mal richtig die Sau rauslassen könnt?
King Lo Vox:
Ich bin eigentlich enttäuscht, was aus der Band geworden ist. Ich hab die groß gemacht, und jetzt sind die einfach Schrott (lacht). Wie geht’s dir bei Hinduslem so?
Pharao Hi Spit: Hinduslem ist nett. Die machen ein bisschen viel mit den Stilen und so, aber sie sind ganz o.k. (lacht).

subtext.at: Weiter zur sogenannten „Dynastie Omega“, die ihr als „Crew“ bezeichnet, wo jeder, der eure Einstellung teilt, Mitglied sein kann. Welche Einstellung ist das?
Clido Heartbounce:
Oh, ich sehe, da hat jemand nachgelesen. Die einzige Einstellung ist, einfach Gewöhnliches aufzubrechen und aus dem Alltag entfliehen lässt. Jeder sucht etwas, das ihm in diesem „scheiß Alltag“ Identität gibt. Und in dieser „Dynastie“ kannst du dann Mitglied sein, dich verkleiden, mit uns auf der Bühne tanzen und so weiter. Wir wollen keine abgehobenen Rockstars sein, sondern mit den Leuten gemeinsam was machen.

subtext.at: Andekdoten in Interviews sind immer sehr beliebt. Gibt es Anekdoten einer Aftershow-Party, die ihr der Öffentlichkeit mitteilen möchtet?
King Lo Vox: Mir haben sie nach einem Konzert mal den Führerschein weggenommen, die Schweine von den Cops.
Clido Heartbounce: Stimmt, war eine fette Aftershow-Party mit den Cops (lacht).
King Lo Vox: Ich hab nach einem Konzert gemeinsam mit Frittenbude nur umparken wollen – ich hab nur 0,8 Promille gehabt, in manchen Ländern ist das nicht mal „Betrunken“.
Clido Heartbounce: Stimmt, in manchen Ländern ist das Pflicht (lacht).

subtext.at: Kommen wir zurück zu den Masken. Sind die on stage nicht unheimlich schwer?
Clido Heartbounce:
Ja, sehr schwer, der Helm wiegt drei Kilo.

subtext.at: Habt ihr Angst vor etwaigen Langzeitfolgen?
King Lo Vox: Physisch nicht, psychisch vielleicht schon. Aber bis jetzt merken wir noch nichts davon.

subtext.at: Könnt ihr euch an eine Aktion eines Fans auf einem eurer Konzerte erinnern, die so ganz daneben war?
Clido Heartbounce: Das ist leider nicht jugendfrei. Aber nicht Jugendfreies passiert halt immer wieder. Wir werden schon oft abgegrapscht und ausgegriffen.
Pharao Hi Spit: Also ich weniger. Das find ich voll gemein (lacht)
Clido Heartbounce:
Manchmal werden wir auch fotografiert. Also es ist nicht immer nur Angreifen (lacht).
King Lo Vox:
Mich ziehen manchmal Leute an den Federn, das nervt ziemlich, muss ich sagen. Einer hat mal versucht, meine Federn anzuzünden – das war dann schon ziemlich daneben.

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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