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Haftbefehl: Pflichtprogramm…

Haftbefehl: Pflichtprogramm…

Donnerstag, Feiertag, dreißig Grad im Schatten. Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen für ein Konzert – aber wenn „Hafti“ in der Stadt gastiert, müsste doch die Hütte auseinander genommen werden, oder? Nunja, wie so oft in Linz war das nicht so. Das könnte man jetzt als „das übliche Gesudere“ abtun, allerdings dürfte Haftbefehl ob der gerade erreichten Stunde Spielzeit auch nicht gerade motiviert gewesen sein.

Support an diesem Abend gabs auch. Der dauerte gute zwanzig Minuten, und damit eh ein Drittel der Spielzeit des Headliners. Fozhowi, Darkpoet sowie DJ Alligatorman standen auf der Bühne, und boten Mundartrap vom Feinsten. Auch wenn die Anzahl der Zuschauer überschaubar war und die Temperatur in der Sauna tropische Sphären erreichte. Eine an sich gute Einstimmung auf „Hafti“, weswegen die gut 300 Leute, die es im Endeffekt werden sollten, auch gekommen waren.

Haftbefehl betrat unter halbwegs tosendem Applaus dann auch fast pünktlich die Bühne. Gekonnt wird mit „Lasst die Affen aus dem Zoo“ eröffnet, ebenso gekonnt – oder besser gesagt routiniert – wird mit dem Publikum interagiert. Der Titeltrack seiner aktuellen Platte „Russisch Roulette“ kommt ebenfalls gut an, und der Klassiker „Ihr Hurensöhne“ löst Begeisterung aus, genauso wie das Feature mit Milonair. Soweit also eigentlich alles klar, nur war zu diesem Zeitpunkt halt erst eine halbe Stunde gespielt. Immer wieder fällt der Blick von Haftbefehl auf die Uhr – fast schon genervt anscheinend ob der geringen Zuschauerzahl quält er sich danach durchs Set. Unterbrochen nur von „Chabos wissen wer der Babo ist“, wo die Fadesse durchbrochen wurde. Nach gut 50 Minuten dann auch endlich die aktuelle Auskopplung „Ich rolle mit meim Besten“, der auch ohne Marteria die Stimmung nochmals hebt. Als der Track vorbei ist, waren dann halt erst 57 Minuten vorbei, unter der wahrscheinlich vereinbarten Mindestspielzeit von einer Stunde. Was macht man dann als deutscher Rapper anno 2015? Richtig, man spielt den letzten Track einfach nochmal, um dann von der Bühne zu stürmen. Ein kleines Potpourri aus dem Repertoire von Haftbefehl, was aber angesichts des offenkundigen Desinteresses und des mehr als kargen Sets sicher keine 22 Euro Eintrittspreis wert war. Als Fan würde ich mir verarscht vorkommen.

Fotos: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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