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Zum Ende der Unibesetzung Linz

Zum Ende der Unibesetzung Linz

 

Elf Tage lang dauerte die Besetzung des größten Hörsaals Oberösterreichs. Elf Tage lang waren die Linzer Studierenden ein aktiver Part einer bundesweiten Protestbewegung. Elf Tage lang erprobten die BesetzerInnen der JKU Linz die gelebte Basisdemokratie, diskutierten im Plenum, arbeiteten in Kleingruppen und stellten Vorträge sowie Kulturprogramm auf die Beine. Mal ehrlich: wer hätte dies vor zwei Wochen vorherzusehen vermocht? Eben.

Ob elf Tage nun zu lang oder zu kurz seien, obliegt ganz dem jeweiligen Blickwinkel. Aus der Wiener Perspektive freilich viel zu kurz, spielte doch Linz für die weiteren Besetzungen in Salzburg und Klagenfurt eine unbewusst strategische Rolle. Für oberösterreichische Verhältnisse und in Anbetracht der schwach ausgeprägten politischen Streitkultur hierzulande sind elf Tage in jedem Fall ein Achtungserfolg. Ein Achtungserfolg, der mühsam und bloß mit einer gehörigen Portion Durchhaltevermögen errungen werden konnte. Denn die Besetzung in Linz konnte sich zu keinem Zeitpunkt wirklich vom Handeln der ÖH Fraktionen oder anderer Politgruppen emanzipieren, stets mussten die basisdemokratischen Strukturen auch gegenüber internen Hierarchisierungsgelüsten verteidigt werden: die unfraktionierten Studierenden waren im Unterschied zu den anderen Unis immer in der Minderheit. Trotzdem: selbst für diese paar Dutzend unabhängiger Studierenden bleibt ein Erfahrungsschatz an politischer Partizipation, nämlich das unverkennbare Gefühl des politischen Subjekts. Politische Bildung also, die kein Studium allein vermitteln kann. Daneben bleibt für Linz in erster Linie die öffentlichkeitswirksame Entlarvung wirtschaftlicher Abhängigkeitsverhältnisse der Uni, welche einer längst überfälligen „Linzer Tortung“ gleichkommt.

Schließlich hat diese Tortung auch den Linzer ÖH Fraktionen von AG und ÖSU offenkundig überhaupt nicht geschmeckt. Trotzdem wird ihnen bewusst sein, dass ohne Besetzungen eine solche bildungspolitische Debatte in diesem Land niemals losgetreten worden wäre. Jetzt, wo die Besetzung in Linz vorbei ist, müssen sie ihr bequemes Eck der „Antibesetzung“ verlassen- auch sie wissen, dass bildungspolitisch vieles im Argen liegt. Der politische Erwartungsdruck wird für sie nach einer Jubelphase enorm steigen.

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Foto: Oliver Lukesch

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