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JAKOB: Das Wissen um den Verlust

JAKOB: Das Wissen um den Verlust

Ein düsterer Gemütszustand und Schwermut, diffuser Weltschmerz und allgemeine Bekümmernis: Jakob muss Erfahrungen machen, die normalen Kindern in ihrem Leben zu diesem Zeitpunkt eigentlich verwehrt bleiben sollte.

jakob_leseprobe-10„Jakob“ ist ein einfühlsames Comicalbum aus deutscher Produktion und handelt von einer alle Schranken überwindenden Kraft, die sogar den Tod austrickst. Natürlich ist es eine Fabel, ein Märchen.

Es ist die Geschichte von Jakob, eines typischen Achtjährigen mit zu groß gewachsenen Ohren. Seine unbeschwerte Kindheit ändert sich freilich schnell, als seine Mutter stirbt. Aus welchen Gründen das passiert, wird nicht weiter beschrieben oder erläutert. Damit gibt sich der mutige Junge nicht zufrieden. Er will seine Mutter suchen, egal, wo sie sich jetzt aufhält. Nur die Krähen und Füchse scheinen den Weg dort hin zu kennen…

Abgrundtiefe Nestwärme
Der Band von Benjamin Schreuder und Felix Mertikat thematisiert ein solch schweres Thema leicht und unbeschwert. Es ist den Verantwortlichen gelungen, den Leser zugleich an Herz und Hirn zu packen. Die Ereignisse vollziehen sich in einem ihnen genau entsprechenden Rhythmus. Es bleibt Zeit für Beobachtungen am Rande, welche die Ausdruckskraft der Zeichnungen noch verstärkt. Es gibt eine fließende Szenerie zu betrachten und die Natürlichkeit der ungekünstelten Bilder wirkt positiv und lebensbejahend. Dazu kommt der Wechsel von kalten und warmen Farben, die Hoffnungen oder Enttäuschung vermitteln. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der unterschiedlichen Stadien des körperlichen Verfalls. Jakob macht sich auf eine Reise auf, deren Ende er nicht kennt – sein Körper jedoch schon.

Die Botschaft wird offen hergetragen, ausgelotet werden die Probleme aber kaum. Der Abschied, der Verlust und die Trauer werden hier nur angedeutet, genau so wie der Verlust der Jugend oder der Sexualität. Banale Dinge wie das Erwachsenwerden scheinen nur nicht mehr so ganz alltäglich.

Dank der einfühlsamen Inszenierung und der geschickten Mischung aus humorvollen und ernsten Momenten, vermag „Jakob“ dennoch zu bewegen, ein größeres Publikum, sowohl alt & jung, anzusprechen und zum Nachdenken anzuregen. Wie ein zärtlicher Schlag in die Magengrube.

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