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KWABS: „Wir Menschen sind komplizierte Geschöpfe“

KWABS: „Wir Menschen sind komplizierte Geschöpfe“

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Eine Weisheit, die auch in der Popkultur Berechtigung hat. Der aus London stammende Sänger Kwabs hat, nach etlichen Verzögerungen, heuer sein Debütalbum vorgelegt. Ob ihm das Publikum diesen monatelangen Verzug übel nehmen wird? „Love + War“ kreuzt jedenfalls eingängigen Pop, der Song „Walk“ dürfte inzwischen allerorts bekannt sein, mit einem feuilletonistischen Verständnis von Soul, Jazz, R’n’B und Electronica. Die Resultate sind meistens zufriedenstellen, manchmal gewöhnungsbedürftig.

Zeugt das jetzt von großer Entscheidungsfreiheit, nach Lust und Laune ein Genre-Hopping zu betreiben? Wird überhaupt noch danach verlangt, sich für eine Musikrichtung zu entscheiden und sich kreativ festzulegen? Kwabs hat sich für eine Vielseitigkeit entschieden, um den Leuten eine abwechslungsreiche Platte zu bieten, die auch im Mainstream Gehör finden kann und soll.

Ein Interview über über Makellosigkeit, Selbstbewusstsein und die Reaktionen des Publikums.

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subtext.at: Kwabs, du drückst deine Emotionen durch die Musik aus, egal, ob sie fröhlich oder traurigen Hintergrund haben. Sprichst du immer offen über deine Gefühle? Trägst du dein Herz auf der Zunge?
Kwabs: Eigentlich nicht, nein. (überlegt kurz) Musik ist für mich eine Ausdrucksform, ich trete damit mit der Welt in Verbindung und teile mich emotional mit. Obwohl meine Musik gefühlvoll ist, es liegt irgendwie in ihrer Natur, bin ich eigentlich nicht jemand, der alles sagt, was im gerade durch den Kopf geht. Wenn wir miteinander sprechen und uns kennenlernen, dann würde ich bestimmt unser fünftes oder sechstes Treffen abwarten, bis ich mich wirklich öffne.

subtext.at: Die Veröffentlichung von „Love + War“ wurde dann mehrmals nach Hinten verschoben…
Kwabs: Das stimmt. Ursprünglich hätte es bereits letztes Jahr erscheinen sollen, dann haben wir beschlossen, es Anfang des Jahres 2015 zu veröffentlichen. Letztendlich ist es der 11. September geworden (lacht).

subtext.at: Warum hast du dir überhaupt so viel Zeit damit gelassen? Wolltest du es perfekt, fehlerfrei und makellos haben, so weit es dir eben möglich ist?
Kwabs: Ich bin schon ein Perfektionist, aber ich bin mir auch dessen bewusst, dass ich mit meinen 25 Jahren nicht alles perfekt machen kann. Dazu fehlt mir schlichtweg die Erfahrung, das Know-How. Die musikalische Reife, um alles perfekt zu gestalten, die habe ich noch nicht. Die Verschiebungen hatten damit zu tun, dass wir den richtigen Moment für eine Veröffentlichung abgewartet haben. Ich war mit der Platte früher fertig, doch manchmal muss man erst die Vorarbeit leisten, um das Endergebnis genießen zu können. Mein Label und ich waren uns in dem Punkt einig. Jetzt bin ich einfach nur froh, dass es erschienen ist (lacht).

subtext.at: Kriegst du mit, welche Reaktionen deine Musik bei den Leuten hinterlässt? Liest du dir Kritiken durch?
Kwabs: Es freut mich, wenn die Leute meine Musik enthusiastisch aufnehmen. Ich finde es toll, wenn die Leute mich auf meiner Reise begleiten und mir ihre Aufmerksamkeit schenken. Mir gibt das nur noch mehr Ansporn, noch härter an meiner Musik zu feilen. Zum Song „Perfect Ruin“ höre ich die meisten Kommentare. Leute erzählen mir, dass dieser Song sie am meisten berührt. Über Kritiker machen ich mir nicht so viele Gedanken.

PerfectRuin

subtext.at: Warum sind es gerade die Themen Liebe und Krieg, die den Titel des Albums bilden?
Kwabs: Liebe ist kompliziert und begegnet einem in unterschiedlichen Formen und Facetten. Wir alle streben danach, begehren sie, wollen sie definieren. (überlegt) Liebe ist erstrebenswert, aber auch total verwirrend (lacht). Deswegen singen wir alle darüber, weil wir ständig darüber nachdenken, was Liebe ist. Krieg bedeutet für mich Dunkelheit, ein Konflikt oder eine Anstrengung. Es ist die Kehrseite der Medaille. Ohne all diese negativen Dinge sind wir nicht dazu in der Lage, die positiven Eigenschaften wertzuschätzen. Ich habe versucht, auf „Love + War“ die unterschiedlichsten Facetten der menschlichen Natur musikalisch festzuhalten, zu bebildern. Das Leben gibt einem genug Inspiration dafür. Wir Menschen sind komplizierte Geschöpfe.

subtext.at: Das Album klingt vielseitiger, als ich gedacht hätte. Dafür ist die Homogenität nicht mehr so stark wie erwartet. War dir das bewusst, dass du das opferst?
Kwabs: Das ist ein interessanter Punkt, den du hier ansprichst.

subtext.at: Über die Jahre hat sich bestimmt viel Material angesammelt. Fiel es dir leicht oder schwer, die richtigen Songs für „Love + War“ letztendlich auszuwählen?
Kwabs: Ursprünglich habe ich vorgesehen, dass es der Sound ist, der die einzelnen Tracks auf dem Album zusammenhält. Dann habe ich festgestellt, dass doch meine Stimme das verbindende Element darstellt. (überlegt kurz) Für mich war es wichtig, dass die Songs für sich alleine stehen können, ganz egal, wie ich sie singe oder welche Technik im beim Singen anwende. Der Song ist König. Oder Königin, achten wir auf die Gleichberechtigung (lächelt). Prinzipiell muss ein Song den richtigen Text haben und die richtige Stimmung vermitteln, damit er mit den Leuten korrespondiert. Das ist mir am wichtigsten. Meine Lieblingssong gehören auch zu der Sorte, die vom Tempo her upbeat, inhaltlich aber niederschmetternd sind. Bei meinen Songs habe ich am Ende die ausgewählt, die all diese Kriterien für mich am besten erfüllt haben. Ich habe die Lieder dorthin gebracht, wo sie klang-technisch nebeneinander existieren können. Viele kleine Details, die ich aufgenommen habe, sorgen dafür, dass sich das Material aneinander anschmiegt.

subtext.at: Als ich dich letztes Jahr live in Wien gesehen habe, schien es mir so, als würdest du über die Köpfe des Publikums blicken, anstatt den Leuten beim Singen direkt in die Augen zu schauen. Dass du ein selbstbewusster Sänger bist, steht wohl außer Frage, aber würdest du dich auch als selbstbewussten Liveperformer bezeichnen?
Kwabs: Würde ich. (überlegt) Wenn ich nicht dieser Meinung wäre, würde ich wohl kaum rausgehen und die Bühne betreten. Du gehst schließlich raus und bietest den Leuten alles an, was du hast. Es würde sich komisch anfühlen, man würde sich nicht wohl fühlen, denke ich zumindest. Die Möglichkeit, dass ich mich weiterentwickle und auf der Bühne besser werde, die schließe ich nicht aus. Klar, ich stehe noch am Anfang, aber: Ich liebe es.

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