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Wailing Souls, Bambaata Marley und Junior Kelly: Love, Peace und Roots Reggae!

Wailing Souls, Bambaata Marley und Junior Kelly: Love, Peace und Roots Reggae!

Unter dem Namen „Rototom & Friends“ gastierten am Dienstag im Treibhaus in Innsbruck u.a. Junior Kelly und Bob Marley-Nachfahre Bambaata Marley. Das kleine Ein-Tages-Festival trumpfte vor allem mit den Roots Reggae Urgesteinen The Wailing Souls auf.

1964 in Kingston, Jamaika. Winston „Pipe“ Matthews und Lloyd „Bread“ McDonalds nehmen Gesangsunterricht bei Joe Higgs, einem der Großen im Lande – im Nachhinein wird er von vielen als der Vater des modernen Reggae angepriesen. Er unterrichtet in seinem kleinen Garten nebenbei auch Robert Nesta Marley, später bekannt als Bob Marley, und Jimmy Cliff. „Pipe“ und „Bread“ gehen erste musikalische Schritte und singen als Background-Sänger für Ernest Ranglin. Bald danach kommen die ersten eigenen Veröffentlichungen.

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18 Studioalben und 52 (!) Jahre danach stehen sie im Treibhaus auf der Bühne. Die Band um sie herum hat immer wieder Besetzungswechsel durchgemacht, die Sänger aber blieben konstant. Die beiden Veteranen haben schon längst genug Bühnenerfahrung gesammelt, das merkt man auch an ihrer Bühnenpräsenz. Das eingespielte Duo weiß, was die Zutaten für einen erfolgreichen Abend sind, spielen Luftgitarre beim Solo des Gitarristen und haben sichtlich noch Spaß auf der Bühne. Würde ich meine Oma als Vergleich heranziehen, die ungefähr das gleiche Alter haben dürfte, wirken die zwei jugendlich-frisch und fast schon verschämt fit.

Die Musik hat sich bei ihnen über die Jahre nicht viel verändert, sie bleiben ihrer Message (Peace, Love, Unity) und dem Genre des Roots Reggae treu, ohne sich aber, wie so manche andere Band (hier sei mal auf AC/DC verwiesen), platt zu wiederholen. Der dumpfe, dahinwabernde Bass und das auf die 3 fokussierte Schlagzeug geben den Grundtenor an. Zusätzlich zur Gitarre, die den Reggae-Standard-Off-Beat spielt, fügt sich da und dort noch eine Orgel ein um die Soundkulisse zu vervollständigen. Fuß tappend, Hüfte kreisend, Kopf nickend und Arme schwingend bewegt sich das Publikum im gut gefüllten Treibhaus durch den Abend.

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Mit fast keiner Pause geht es dann gleich weiter im Programm, umgebaut werden muss nicht, die Back-Up Band bleibt auf der Bühne. Kurze Ankündigung von Lampadread, dem anderen Urgestein des Abends, der unter anderem für die Verbreitung des Reggae in Europa verantwortlich ist. In Zusammenarbeit mit dem Rototom Sunsplash Festival in Spanien haben sich die Veranstalter entschlossen, vor dem eigentlichen Festival im August eine kleine Europatour mit ausgewählten Künstlern zu machen, daher auch der Name der Veranstaltung.

 

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Als nächstes betritt Daniel Bambaata Marley, der Enkel von Bob und Sohn von Ziggy Marley, die Bühne. In modernerer Ausrichtung versucht er Rock, HipHop, Blues und Reggae zu vereinen. Im Vergleich zu The Wailing Souls um einiges schneller und eher an die derzeitige Popkultur angelehnt, sind einige Besucher anfangs eher vor den Kopf gestoßen. Der einzige rote Faden der sich finden lässt, besteht darin, dass er verschiedene Genres mischt. Wobei man hier sagen muss, dass es gerade durch das Fehlen eines musikalischen Konzepts der Eindruck entstand, dass er noch nicht weiß, wohin er gehen soll. Stadionrock-mäßige Gitarrenwände stehen neben HipHop-Grooves und werden untermalt von einer Reggae-Bassline. An und für sich keine schlechte Herangehensweise, allerdings versuchte er alles mit allem zu mischen bzw. zu zeigen, dass er in allen Genres zu Hause ist, was aber viel mehr den gegenteiligen Effekt hatte.5

Den Abschluss gibt uns dann Junior Kelly, ebenfalls kein Neuling in der Szene. Wieder mehr im Reggae verankert versucht er die Reste des Publikums mit Mitsingphrasen und Klatschen zu motivieren, da viele während dem vorigen Musiker sich an die Bar verzogen hatten. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, wird er nicht müde das Publikum an Love und Peace zu erinnern.

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Schreibt seit längerem, macht noch länger Musik. Mal erfolgreich, mal weniger - und versucht das Beste aus dem doch irgendwie dörflichen Innsbruck zu machen.

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