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Adam Ficek: „Da gehts nur ums Geld – das ist grauenvoll“

Adam Ficek: „Da gehts nur ums Geld – das ist grauenvoll“

 

Adam Ficek ist den meisten Musikfans bekannt als Drummer der Babyshambles. Nebenbei betreibt er auch ein Soloprojekt namens „Roses Kings Castles“. subtext.at hat ihn zum Interview über Schlafzimmerproduktionen, Geld in den Medien und das nächste Album gebeten. subtext.at: Was ist der erste Gedanke, den du mit Österreich verbindest?
Adam Ficek:
Schnitzel. Die sind hier viel besser als in Deutschland.subtext.at: Hast du auch musikalische Verbindungen zu Österreich?
Adam Ficek:
Ja, schon – mit den Babyshambles sind wir ja auch schon ab und zu durch Österreich gekommen, da lernt man ja auch Leute kennen. Außerdem gibt’s einige Leute, die meine Musik gekauft haben – vielleicht spricht sie die ja auch auf eine spezielle Art an. Aber Bands und Musiker direkt – nein.

subtext.at: Kommen wir zu deinem neuen aktuellen Soloprojekt „Roses Kings Castles“. Ist das ein reines „Just for Fun“-Projekt oder unterwirfst du dich hier auch Einschränkungen?
Adam Ficek:
Naja, neu ist es nicht mehr ganz, das Projekt hat immerhin drei Jahre auf dem Buckel. Aber Musik wird ja immer auch zum Spaß gemacht. Das Ziel ist, möglichst viele Leute dazu zu bewegen, die Songs anzuhören. Es geht hier rein um die Songs, nicht um das „Die-Weltherrschaft-an-sich-reißen“ oder darum, das nächste große Ding zu werden.

subtext.at: Wodurch hebt sich „Roses Kings Castles“ dann von anderen Projekten ab?
Adam Ficek: Ich glaube, dass es sich dadurch abhebt, weil ich RKC in die Richtung lenken kann, die ich will – da steckt ja kein Geldgeber oder Label dahinter. Ich kann die Songs schreiben wann ich will, ich kann sie veröffentlichen, wann ich will. Dahinter soll dann eine Community aufgebaut sein, die da dran hängt.

subtext.at: Wie siehts bei den Songs aus? Gibt es da fixe Themen oder schreibst du da, was dir gerade einfällt?
Adam Ficek:
Ja, ich schreib da meistens das, wonach mir gerade ist. Wenn der dann fertig geschrieben ist, kann ich dann zurückblicken und den Song immer mit einem Ereignis verbinden. Bei mir ist es so, dass, wenn ich zu schreiben beginne, das dann immer von selber fließt.

subtext.at: Du wirst in wahrscheinlich jedem Interview nach Pete Doherty gefragt. Stört es dich, immer auf ihn angesprochen zu werden?
Adam Ficek:
Nein, nicht wirklich. Wenn es Pete nicht gäbe, würde ich nicht da sein, wo ich jetzt stehe. Die Unterhaltungsindustrie bucht ja Bands, die einen gewissen Hype um sich haben. Pete hat mir also hier schon auch ein wenig geholfen, da bin ich auch glücklich drüber.

subtext.at: Diesen Sommer wird das neue Album von RKC auf den Markt gebracht werden…
Adam Ficek:
ja, aber fertig ist es schon seit mehr als einem Jahr.

subtext.at: Warum ist es dann noch nicht erschienen?
Adam Ficek:
Naja, ich hab im letzten November eine EP veröffentlicht, da konnte ich mir dann nicht dieses Riesen-PR-Paket leisten. Diese Presse-Pakete, wo man Reviews kaufen kann und Radiozeit kaufen kann. Das Geld hatten wir nicht. Also hab ich letztes Jahr eine EP herausgebracht und das Album für dieses Jahr aufgehoben. Mittlerweile veröffentliche ich ja schon jedes Jahr eine EP oder ein Album.

subtext.at: Was können sich Zuhörer also im Vergleich zum Vorgänger von diesem Album erwarten?
Adam Ficek:
Es steckt ein bisschen mehr Produktionsarbeit dahinter. Das erste Album ist komplett in meinem Schlafzimmer entstanden, das zweite Album und die EP zur Hälfte im Studio und zur Hälfte auch wieder im Schlafzimmer entstanden. Das kommende Album ist komplett im Studio entstanden – es ist zwar ein sehr kleines, aber immerhin. Es hat sogar eine komplette Band daran gearbeitet– im Gegensatz zum ersten Album, wo ich alles selber eingespielt habe. Es fühlt sich „bandiger“ an, weil ich eben auch andere Musiker verwende.

subtext.at: Den Meisten bist du bekannt als Drummer der „Babyshambles“. Macht es das einfacher, ein solches Solo-Sideprojekt zu haben, oder legt es dir auch einen gewissen Druck auf?
Adam Ficek: Nein, Druck verspüre ich dadurch keinen. Ich seh das eher umgekehrt – ich bin ein weiterer Sänger und Songwriter, der durch die Babyshambles eine Fanbasis gegeben hat. Insofern hab ich dabei auch Glück.

subtext.at: Was würdest du dann zu jemandem sagen, der das gleiche macht wie du, aber diese Basis nicht hinter sich stehen hat?
Adam Ficek:
Die Leute fragen mich ja auch immer wieder danach. Es ist einfach unglaublich hart. Du musst es aus deinem Herzen aus tun – und sehr stark und ambitioniert dahinter stehen. Finanzielles ist zwar nett – aber du musst schon Glück haben, um da was rauszuholen. Man muss Songs schreiben und die dann auch performen und in die Öffentlichkeit tragen – ich würd auch oft lieber daheim sitzen und ein Album nach dem anderen schreiben, nur würde das dann nicht ausreichen. Rausgehen muss die Devise sein.

subtext.at: Gehen wir in eine ganz andere Richtung. Du bist auch sehr stark in Social-Media-Netzwerken aktiv. Du hast mal gemeint, dass es wohl so sein wird, dass diese Netzwerke Gebühren verlangen werden. Was würde dann deiner Meinung nach in Bezug auf Musik in diese Richtung passieren? Wo liegen die Vorteile für dich in diesen Netzwerken?
Adam Ficek:
Dann wird’s ein neues Netzwerk geben, das das Ding gratis anbieten wird. Ich will da einfach eine große Fanbase haben, die ich direkt anschreiben kann und sagen kann „hier ist das neue Album“. Ich will mich nicht unbedingt mit den Medien abgeben müssen und jemanden zahlen, dass er mir eine gute Review schreibt oder dass er meine Songs im Radio spielt. Da geht’s nicht darum, ob dem deine Musik gefällt, da geht’s um die Menge an Geld, die da fließt. Das ist grauenhaft. Ich will da einfach einen direkten Kanal haben und die Leute informieren. Wenn dann noch so viele das Album kaufen, dass die Kosten herinnen sind, bin ich ja schon glücklich.
Du willst ja mit dem Album das nächste finanzieren – oder zumindest die Schulden vom letzten begleichen.

subtext.at: Gerade wenns um Geld geht, kommt das Thema „Raubkopien“ unweigerlich auf. Was würdest du jemandem entgegnen, der sich das neueste RKC-Album im Internet besorgt hat?
Adam Ficek:
Klar finde ich, dass man auch etwas dafür zahlen sollte – ich gebe da ja auch eine Menge Herzblut hinein. Aber im Endeffekt ist es halt so, dass man darauf vertrauen muss, dass die Leute rausgehen und das Album auch wirklich kaufen.

subtext.at: Ist die Situation für dich gleich, wenn es sich um ein „Babyshambles“-Album handelt, wo ein Major-Label dahinter steht?
Adam Ficek:
Da triffts das Label härter als mich. Insofern ist das also für mich ein Vorteil – wo ich auch nie gedacht hätte, dass ich mal in den Genuss eines solchen Vorteil kommen könnte. Aber wenns RKC betrifft, wo ich alles aus eigener Tasche zahlen muss, da spüre ichs schon. Ich hab aber das Glück gehabt, in den letzten Jahren ganz gut verdient zu haben – was aber nicht heißt, dass ich gar nix von dem, was ich da reinstecke, zurückhaben möchte.

subtext.at: Zum Abschluss ein paar persönliche Fragen: Gibt es einen Song, den du absolut nicht mehr hören kannst?
Adam Ficek: Da gibt’s schon was. Solche Indie-Dancefloor-Fillers wie „Mr. Brightside“ von The Killers oder „Sex on fire“ von den Kings of Leon. Gute Songs, aber überspielt. Ich DJe aber auch gern, und da leg ich sie dann trotzdem auf – die Leute wollen das einfach hören.

subtext.at: Die Frage in die andere Richtung: Was ist dein Lieblingssong zur Zeit?
Adam Ficek: Die neue Single von den Drums – wie heißt die noch mal schnell?

subtext.at: Wenn du nicht Musiker wärst, was wärst du dann?
Adam Ficek: Gärtner wahrscheinlich, da könnte ich draußen arbeiten.

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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