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Children of Bodom: „Als Headliner kannst du tagsüber nicht saufen“

Children of Bodom: „Als Headliner kannst du tagsüber nicht saufen“

Der skandinavische Metal-Export „Children of Bodom“ ist wieder mal unterwegs. Im Rahmen der „Ugly Head Tour“ sprach subtext.at mit Gitarrist Roope Latvala über alkoholfreie Tourbusse, Eifersüchteleien und ziemlich viel Bullshit.

subtext.at: Ich habe schon einige Interviews mit Metal-Bands interviewt, und alle haben gesagt, dass Metal eher männliches Publikum anzieht als weibliches. Warum ist das so?
Roope Latvala: Ja, das simmt sicher. Das sind fast ausschließlich alte, hässliche Kerle (lacht). Frauen gehen eher zu HIM-Konzerten (lacht). Auf dieser Tour waren es aber doch sehr viele „Chicks“ in der ersten Reihe. Vielleicht zieht ja gerade das diese Kerle an.

subtext.at: Aus der Sicht des Musikers in dir – kleine Shows wie heute Abend, oder große Festivals wie Wacken?
Roope: Naja, es ist natürlich immer schön, vor riesigen Menschenmengen wie zum Beispiel in Wacken zu spielen. Mit dem Publikum interagieren kannst du aber auf kleineren Shows besser. Aus der Sicht des Musikers gefällt mir das dann also besser. Der Sound ist normalerweise auch besser auf der Bühne auf dieser „Club-Größe“. Spielen macht da also auch mehr Spaß.

subtext.at: Ich möchte gerne ein Zitat verwenden, das ihr vor einigen Jahren mal gesagt habt: „Das Einzige, was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass wir unsere Instrumente unter Kontrolle haben.“ Kann man das von anderen Bands dann nicht behaupten?
Roope: Nein, da ist nur gemeint, dass wir wissen, wie man spielt (lacht).

subtext.at: Heißt das auch, dass ihr weniger Improvisation auf der Bühne habt und euch eher an die strikte Setlist haltet?
Roope: Natürlich gibt’s eine enge Struktur, sonst würden wir ja wahrscheinlich gar nix spielen. Wir improvisieren aber schon auch – was auch immer dann dem jeweiligen Musiker gerade einfällt. Das ist dann seine Sache.

subtext.at: Ein anderes Zitat. Ihr seid ja sehr erfolgreich und habt in Skandinavien Nummer-1-Songs gehabt. .“Andere Bands sagen, dass ihr damit eure Prinzipien verkauft habt.“ – so ein weiteres Zitat aus einem andern Interview. Beruhen solche Aussagen nur auf Eifersucht?
Roope: Ja, das ist einfach nur Bullshit-Talk. Mehr steckt da gar nicht dahinter. Das sagen Bands, die noch nirgendswo groß rausgekommen sind. Wir haben auch dort angefangen, und viele Bands stehen noch immer dort. Sobald man dann Erfolg hat, hört man dann oft, dass man seine Seele an den Teufel verkauft hätte.

subtext.at: Kommen wir zu eurem aktuellen Album „Relentless Reckless Forever“. Nenne mir bitte einen Grund, weshalb man sich dieses Album besser nicht anhören sollte.
Roope: Vielleicht, wenn du bei den alten Sachen bleiben möchtest. Dann solltest du dir das nicht anhören (lacht).

subtext.at: Wenn man Alben-Reviews liest, wird fast zwangsläufig davon ausgegangen, dass man sich musikalisch als Band „entwickeln“ muss und ein neues Album „anders“ klingen muss. Stimmt das aus deiner Sicht auch?
Roope: Nein, wir sehen das überhaupt nicht so – also, wir haben nicht diesen „Anspruch“. Es ist halt so, dass jemand mit dem Rohmaterial kommt und darum dann der Song gebastelt wird. Dieses Mal haben wir sogar genug Zeit gehabt um zu proben, und ein paar Demos konnten wir auch einspielen.

subtext.at: Wie lang hat es insgesamt gedauert, das Album zu machen?
Roope: Hmmm. Vier Monate ungefähr.

subtext.at: Wie habt ihr es geschafft, euch in diesen vier Monaten nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen?
Roope: Erstens haben wir mal einen neuen Proberaum gehabt, also haben wir uns sogar noch richtig gefreut, da hin zu gehen *lacht. Die Situationen, wo wir uns gegenseitig nicht mehr aushalten, gibt’s Gott sei Dank noch nicht. Wenn das so wäre, würden wir ja auch keine Tour überleben.

subtext.at: Eine Frage, die ich dir als Skandinavier nicht ersparen kann: Es gibt ja das Klischee des alkoholtrinkenden skandinavischen Metalfans. Fühlst du dich als der lebende Beweis dafür?
Roope: Ja, das stimmt ziemlich genau. Ich war auch einer davon. Das ist aber nicht nur für Skandinavien, sondern für alle „Metal-Kids“ üblich, würd ich mal sagen. Die sind aber ganz nett und benehmen sich alle, die trinken nur zum Spaß ein bisschen (lacht).

subtext.at: Henkka, euer Bassist, hat mal gesagt, dass eine Tour von Children of Bodom ohne Alkohol sogar vorstellbar wäre. Wie würde diese Tour aussehen?
Roope: Langweilig, sehr langweilig sogar (schmunzelt) . Klar du als Headliner spielst um 10 am Abend, kannst du dich nicht tagsüber ansaufen. Während und nach der Show geht’s auch schlecht, wenn du in der Nacht schon im Bus sitzt oder am Morgen wieder aufstehn musst. Wir trinken also nicht ständig.

subtext.at: Dein beschissenstes Konzert bislang?
Roope: Hmmm. Wow. Wir haben ja schon so viele Shows gespielt. Auf dieser Tour würde ich aber sagen: Norwick/England. Das war ziemlich schlimm und ich habs gar nicht gemocht. England kann ein schweres Pflaster sein – alles ist alt, stickig, abgenutzt und scheiße. Stromausfälle und so gehören auch zur Tagesordnung.

subtext.at: Gibt es ein Album, dass du persönlich gar nicht mehr hören kannst?
Roope: Vielleicht Iron Maiden – „The Number of the Beast“. Diese Dinger, die du eh immer wieder hörst. Genauso wie Guns ’n‘ Roses – „Paradise City“. Das hängt mir schon zum Hals raus. Das geht dann weiter mit „Sweet old Alabama“ und dieses Zeug, dass du seit Jahren 24/7 hören musst. Iron Maiden machen ja sowieso seit den 80ern dasselbe.

subtext.at: Ein Zitat eines Fans: „Es ist ja bekannt, dass ihre Lyrics nichts bedeuten und einfach nur Bullshit sind“. Stimmt das?
Roope: (lacht). Nicht unbedingt. Dieses Mal haben wirs sogar geschafft, halbwegs sinnvolle Lyrics hinzukriegen. Ich hör da aber nicht hauptsächlich hin, eher auf die Melodie. Ich bin halt mehr der Musiker (lacht).

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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