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Generation Krisenherbst

Generation Krisenherbst

Nach Generation Praktikum und Generation Facebook der neue Trend: Wir – und ich meine: wir alle – sind Teil der Generation Krise. Alles wird schlimmer, alles wird schlechter und in Wahrheit wäre der nahende Weltuntergang der krönende Abschluss unseres Krisenzeitalters.

Als 2008 die Weltwirtschaft mal kräftig angestupst wurde und etwas ins Wanken kam, dachte ich mir schon, dass das wohl nicht so bald enden wird. Die Finanzmärkte haben es verkackt, die Banken leiden qualvoll und die Staatschulden explodieren. Krisen, wohin das Auge sieht. Und wenn man Glück hat, kommt da auch noch eine Beziehungskrise oder eine Krise in der Familie hinzu. Was lohnt es überhaupt noch, sich auf dieser Welt niederzulassen?

Krisen haben etwas Wohltuendes: Sie sind so regelmäßig wie der Zyklus der Frau. Ist man erst einmal unten angelangt, kann es nur mehr bergauf gehen. Sollte man zumindest meinen. Dass wir seit drei Jahren von einer Krise in die nächste schlittern sollte uns eigentlich klar machen, dass die Welt in dieser Form wohl nicht mehr lange durchhalten kann. Sie ist am Boden. Von Zukunft wage ich gar nicht mehr zu sprechen. Schreibt eure letzten Worte, denn das Ende naht.

Es nervt mich, jeden Tag von einer neuen Krise zu lesen. Als hätten die Medien ihr Sommerloch auf bisher über 1.100 Tage ausgedehnt. Warum müssen Krisen immer so einen negativen Beigeschmack haben? Viel schöner wären doch zum Beispiel eine weltweite Krise, weil die Sonne so schön scheint. Oder weil es zu viel glückliche Menschen auf dieser Erde gibt. In Wahrheit könnte man seine Kreativität spielen und so der Fantasie freien Lauf lassen. Aber wollen wir das überhaupt?

Vielleicht brauchen wir die Krisen, um gemeinschaftlich unglücklich zu sein. Ist es nicht wundervoll, gemeinsam mit anderen Menschen alles scheiße zu finden? Selten war es schöner, über die Politik, die Wirtschaft, die Banken, ja sogar über das Wetter zu lamentieren … wo doch in unserer Gesellschaft gerade so viel Einigkeit herrscht. Das sollten wir beibehalten.

Und solange ich noch weiter von Krisen lesen muss, werde auch ich die Grundsätze unserer Generation weiterführen. Und mich über diesen vermaledeiten Herbst aufregen, der auf gar keinen Fall so trocken und sonnig von statten gehen darf. Wo kämen wir da denn hin?

Das ist er, der Auftakt zu Momentaufnahme, meiner wöchentlichen, sonntäglich erscheinenden Kolumne. Worum es in Zukunft gehen wird? Staatsgeheimnis! (Aber ihr könnt mir gerne in den Kommentaren, auf Twitter oder per Mail schreiben, worüber ihr gerne von mir lesen wollt.)

 

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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