Now Reading:

Casper: „Ich bin eher der Lasagne-Typ!“

Casper: „Ich bin eher der Lasagne-Typ!“

Er tourt durch die Gegend, und alle Leute fahren auf ihn ab. Er steht auf der Bühne, und alle Leute gehen ab. Casper begeistert zur Zeit die Massen. subtext.at hat ihn zum wohl ungewöhnlichsten Interview in der Geschichte des Online-Magazines getroffen und über Essen, Bushido und Skero geplaudert. Dabei wurde auch kräftig geflirtet. 

subtext.at: Stell dich doch bitte mal kurz selbst vor, nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass dich jemand nicht kennen sollte….

Casper: Ich bin der Benjamin und bin schon 29 Jahre alt (lacht). Ich wollte als Kind immer Bäcker werden und hab dann auch mal ein Bäckerpraktikum gemacht – das war die schlimmste Erfahrung meines Lebens. Und mein Herz gewinnt man am leichtesten durch Dosenpfirsiche oder Lasagne gewinnen.

subtext.at: Also ernährst du dich auf Tour hauptsächlich durch Dosenpfirsiche und Lasangne?

Casper: Nein, tatsächlich ist es so, dass es meine Leibgerichte nur mehr sehr selten gibt. Auf Tour wird meistens immer gut gekocht – ich ernähre mich da sicher besser als wenn ich zu Hause sein würde. Aber ich bin eher der Lasagne-Typ, ganz generell. Egal welche – die weiße Lasagne, die Bolognese-Lasagne, oder auch die vegetarische Lasagne. Das ist genau mein Ding.

subtext.at: Weg vom Essen und hin zu dem, was du eigentlich hauptsächlich machst…

Casper: Saufen?!

subtext.at: Oder gerne auch während, nach oder vor dem Saufen: nämlich Musik zu machen. Ich komme ja aus Linz, einer der Hip-Hop-Hochburgen Österreichs…

Casper: Da kommt ja der DJ Stickle her….

subtext.at: Ja, zum Beispiel. Genauso wie Chakuza, Texta und Skero….

Casper: Texta fand ich nie so gut – das Soloprojekt von Skero konnte ich aber schon gut hören.

subtext.at: Kriegst auch du es noch so mit, dass es die Battles zwischen verschiedenen Städten gibt, wer denn nun die Hip-Hop-Hauptstadt sei, auch in Deutschland?

Casper:Das ist nicht mehr so. Die Lücke hat sich dadurch geschlossen, dass viele mittlerweile „Hipster“-Sachen nicht mehr aus einer Stadt kommen. Da kommt vieles aus Hamburg, was man früher eher nach Berlin oder Stuttgart gesteckt hätte. Die Städte geben sich da nicht mehr viel. Was ich aber schon miterlebe, ist sowas wie ein neuer Hip-Hop-Boom. Ich weiß jetzt nicht, ob und wie stark das auch in Österreich der Fall ist. Also in Deutschland kriegt grad alles, was irgendwie drei Sätze geradeaus sprechen kann – also ich zum Beispiel (lacht) – einen ganzen Haufen Geld nachgeworfen.

subtext.at: Also gibt es auch Gangster vs. Real-Hip-Hop nicht mehr in dem Ausmaß?

Casper: Naja, Bushido zum Beispiel macht jetzt ja auch richtigen Rap. Haftbefehl finden ja auch wir Enge-Hosen-Träger nicht übel. Das vermischt sich meiner Ansicht nach grad ein bisschen.

subtext.at: Du hast also nicht das Gefühl, dass du einer der Ausreißer aus dem Hip-Hop-Pool bist?

Casper: Nein, sehe ich nicht so. Aber ich finde ja, ehrlich gesagt, die stumpfen Sachen meistens besser. Also ich höre auch sehr gerne Haftbefehl-Platten, zum Beispiel.

subtext.at: Stichwort „Die stumpfen Sachen klingen besser“ – ist das dann nicht ein Armutszeugnis für all diejenigen, die versuchen, nicht stumpfe Sachen zu machen?
Casper: Nein, gar nicht. Ich mach ja selber krass verkopfte Musik – ich denk auch über alles zwölfmal nach und die Platte dauert dann drei Jahre, bis sie fertig ist. Und wenn ich dann damit durch bin, und dann auf der Welle bin, wie schlecht nicht meine Welt sei und grau nicht meine Gedanken sind – dann muss ich mir danach doch keine Platte mehr anhören, die mir erklären soll, wie nachdenklich nicht alles ist. Dann hör ich auch lieber eine Bushido-Platte.

subtext.at: Du bist also Perfektionist?

Casper: Ja, schon. Wobei, das ist auch unterschiedlich. Ich habe auf der aktuellen Platte so viele Sachen, die in acht Minuten geschrieben sind. Es gibt aber auch viele Sachen, die wochenlang immer wieder neu aufgenommen worden sind.

(Versucht, das Thema zu wechseln.) Aber dieses Festival hier – war das die letzten Tage auch so, dass hier immer so wenige Menschen sind? Ich hätte geglaubt, dass da viel mehr Leute sind…..

Zu diesem Zeitpunkt ist die Pressebeauftragte des Festivals etwa fünf Meter hinter mir: „Das sind auch viel mehr Leute. Die sind aber jetzt noch alle in den Zelten. Spätestens wenn du spielst ist aber hier die Hölle los!“, wirft sie aus heiterem Himmel mitten im Interview ein. Danach setzt sie sich ca. einen Meter neben mich und beginnt, noch während des Interviews, mit Subgesprächen. „Ah, dann freue ich mich!“, so Casper. „Die Late-Night-DJs haben die Leute gestern wohl noch ein wenig zu sehr verausgabt“, so die Pressebeauftragte weiter. „Und was machen die so? Ist das eine Hip-Hop-Session oder eher die Electro-Party?“, fragt Casper weiter – nun gänzlich vom Interview abgekommen. „Verschieden – Electro auch immer, ein wenig in die Richtung Indie und dann auch mal Partyhits“, so Caprice, wie sie mit vollem Namen hieß. „Wir haben nur Bilder von Heaven Shall Burn gesehen, da war ja gar nix los“, erwidert Casper. Caprice lässt von diesem Zeitpunkt an nicht locker. „Ich zeig dir dann nachher ein paar Bilder, wies dann vor der Bühne ausschaut – da brauchst du keine Angst zu haben. Untertags ist halt nicht so viel los“.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt warte ich während des Interviews nur mehr darauf, dass ein Kameramann aus dem Busch springt und mir ein „Verstehen sie Spaß“-Logo vor die Nase hält. Doch dem ist nicht so. Casper erzählt weiter: „Wir warn heute schon im Fluss, da haben wir mit Eingeborenen Rituale wie Seilschwingen geübt!“; so der Rapper in Richtung Caprice, die sich schon bis auf einen Meter an den Künstler genähert hat. „Aber ich glaube, dass die Eingeborenen da eine spezielle Technik haben, und deshalb auch mit den Weibchen davonkommen!“, so Casper weiter. Caprice ist entrüstet: „Glaubst du, dass wir hier so einfach zu haben sind?!“ „Nein, nein, war doch nur ein Witz“, erwidert Casper. Caprice ist zu diesem Zeitpunkt nur mehr einen halben Meter von Casper entfernt und lächelt ihn verschmitzt an.

Trotzdem versuche ich, möglichst sachlich zu bleiben, und versuche, mit dem Interview fortzufahren.

subtext.at: Ich muss ja gestehen, erst durch Thees Uhlmann so richtig auf dein Album aufmerksam geworden zu sein….

Casper:Oh, ok.

subtext.at: Thees Uhlmann ist ja alles andere als Hip-Hop-verdächtig. Ein Beweis dafür, dass deine Musik zumindest in Features genreübergreifend funktionierst?

Casper: Ich hab ja auch schon ewig Rap gemacht. Irgendwann während meiner letzten Platte ist dann der Gedanke gekommen: „Hey, ich mach jetzt seit acht Jahren Rap. Wenn ich jetzt noch einen weiteren Beat machen muss, kommt mir das Kotzen!“ – daraufhin hab ich einfach mal was anderes gemacht. Ich höre ja privat viel anderes Zeugs.

subtext.at: Also zurück zu deinen Wurzeln, die ja auch im Hardcore-Bereich liegen?

Casper: Also zur Zeit hör ich viel Black Metal, aber auch ganz viel ruhige Musik wie Sigur Ros und dergleichen. Einfach so zwölfminütige Soundscapes.

subtext.at: Wie schwer ist es dann für dich, nach einem Sigur-Ros-Trip auf die Bühne zu gehen, und deine eigenen Songs in einer ganz anderen Stimmungslage zu performen?

Casper: Ich finde es selber erschreckend, dass für mich meine Auftritte nie etwas von Langeweile oder zumindest Routine bekommen haben. Ich kann mich noch gut erinnern, als es vor zwei Jahren geheißen hat, dass es nach zwei Jahren sowieso nicht mehr dasselbe sei. Das ist aber nicht so. Zehn Minuten vor dem Konzert bin ich dann ganz aufgeregt, dann geh ich raus und dann habe ich wieder Bock. Klar weiß ich auch, was wann wie passiert, aber langweilig wurde mir echt noch nie.

subtext.at: Also noch nie der Gedanke: „Scheiße, nicht schon wieder ein Konzert spielen!“?

Casper: Natürlich gibt’s Phasen, wo ich schlecht drauf war. Mach mal drei Wochen Tour und mach jeden Tag das gleiche mit dem Drei-Uhr-Morgens-ins-Bett-Gehen und Um-Zehn-Uhr-Aufstehen. Klar sind dann Tage dabei, wo man eher nicht so gut drauf ist. Aber ich habe nie den Gedanken gehabt, Pflichterfüllung zu betreiben.

subtext.at: Also trotzdem noch „Touren mit Spaßfaktor“….

Casper: Klar – ich bin mit meinen besten Freunden unterwegs, und da kommen auch noch jeden Abend Leute hin. Das ist doch der Luxus schlechthin. Also geldtechnisch nicht, aber vom Tagesablauf her schon. Ich hab mir jetzt einen Fernseher gekauft – ich hatte bislang eher noch eine Röhre. Danach noch eine Playstation. Seitdem liegt die Musik auf Eis (lacht).

Gerade als das Interview also wieder in geregelte Bahnen zu kommen scheint, höre ich, jetzt wieder einen Meter entfernt, einen Zwischenruf. „Wie alt bist du?“, fragt Caprice. „Neunzehn?!“, so Casper ganz unschuldig. Ich schaue mich wieder verzweifelt nach der versteckten Kamera um, doch die ist nirgends. „Ja, man merkts“, so Caprice. „Wie seh ich aus?“, fragt Casper. „Wie 26“, so Caprice, die wieder ein Lächeln aufsetzt. „Ich werde schon 30“, so Casper fast stolz. „Du hast dich gut gehalten“, setzt Caprice ihre Komplimente fort. Ich ringe zu diesem Zeitpunkt mit meiner Fassung, irgendwo verärgert, dass mir die Pressebeauftragte meinen Interviewslot zu einem Flirt mit dem Künstler umfunktioniert, und trotzdem fällt es mir schwer, nicht lauthals loszulachen. „Ich könnte fast schon eine Familie ernähren!“ – Casper findet Gefallen an diesem Subgespräch. „So balzen wir in der Stadt!“. „Ich hätte dich sogar auf ein Getränk eingeladen, schade!“, Caprice hat den Ernst der Lage begriffen. „Aber danach gehen wir zu den Late Night Djs, und dann zeige ich dir den Balztanz“, erwidert Casper darauf. Das ganze keineswegs ironisch gemeint, übrigens.

Weiter geht’s aber mit dem Interview – ich versuche also, das ganze Ding halbwegs zu einem Ende zu bringen.

subtext.at: Wenn du nicht mehr Künstler wärst, was würdest du, mit 29, wie wir gerade betont haben, machen?

Casper: Ich seh das wirklich ganz rational. Ich bin fast 30 und habe bislang nicht ernsthaft gearbeitet. Ich würde das sogar fair finden, wenn ich aufeinmal arbeiten müsste.

subtext.at: Als was? Bäcker würde ja ausscheiden….

Casper: Mein Traumjob war in Bielefeld in einem Safaripark ein Affengehege. Da fährt eine Bahn durch. Da musst du die Affen von der Bahn kloppen. Das wärs: Affenklopper im Safaripark. Ich hab ja lang in der Großraumdisko an der Theke gearbeitet. Bislang ist die Musik aber meine Arbeit – und das ist ernsthaftere Arbeit, als viele Leute glauben!

Links und Webtipps:

Fotos: Christoph Thorwartl 

 

Share This Articles
Written by

Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

Kommentare werden geladen...
Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen