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SAGA: Intergalaktisch

SAGA: Intergalaktisch

Mehr Space Opera passt nicht in einen Comic: „Saga“ von Brian K. Vaughan (Text) und Fiona Staples (Zeichnungen) hantiert mit dem Für und Wider der Liebe im Weltall einer fernen Realität. Währenddessen tobt ein erbitterter Krieg der Gesellschaftsschichten. Allemal unterhaltend!

Saga

Dinge, die wir aus Liebe tun: Ein Baby zeugen zum Beispiel. Marko und Alana, ein halsbrecherisches Pärchen, erwarten ihr erstes Kind. Blöd nur, dass sie jeweils zu zwei unterschiedlichen und stark verfeindeten Rassen gehören, die im Weltraum miteinander im Clinch liegen. Sie tauchen unter, doch alsbald werden sie zu Gejagten. Von da an nimmt eine Story an Fahrt auf, die mit allen Wassern gewaschen ist.

„Kacke ich? Es fühlt sich an wie kacken!“ (Alana bei der Geburt von Töchterchen Hazel)

„Saga“ gibt sich die allergrößte Mühe, die Leser schon ab der ersten Seite mitzunehmen. Dieses Vorhaben gelingt. Alle guten Zutaten finden dabei ihren Platz. Eine hübsch verkorkste Liebesgeschichte. Kopfgeldjäger, die auf die Namen „Der Wille“ und „Die Pirsch“ hören. Eine Weltraumkatze, die erkennt, ob jemand lügt oder die Wahrheit sagt. Geister im Antlitz von Kindern mit abgetrenntem Torso. Vermenschlichte Roboter, die miteinander Sex haben, Bildschirme statt Köpfen besitzen und die auch mal auf die Toilette müssen. Ein ganzer Planet, der sich nur auf Prostitution fokussiert. Mit jedem Kapitel verdichtet sich die Spannung. Überhaupt werden Allianzen gebildet und im Minutentakt wieder verschoben.

Saga

Vaughan zählt zu den talentiertesten und ambitionierten Autoren am US-Comicmarkt. Seit „Saga“ läuft es für ihn mehr als rund. Sein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen, denn er darf nach Lust und Laune die Weltgeschichte neu schreiben. Sehr unterhaltsam und auch ungewöhnlich werden seine Figuren in Szene gesetzt. Mit starken Charakteren, denen man auf der Straße hinterherschauen würde – auch wegen der Optik. Er erschafft glaubwürdige Protagonsiten, schreibt tolle Dialoge, denkt sich eine pfiffige Story mit interessanten Wendungen aus und die wunderbaren Zeichnungen von Fiona Staples tun ihr Übriges. Ein auch visuell überwältigender Bilderrausch, der einem hier entgegenfliegt. Es sind Panels, als wären sie von einem Innenarchitekten gestaltet worden. Die pastellfarbene Kolorierung mag zwar nicht ganz zum Setting passen, unterstreicht jedoch die Andersartigkeit des Comics. Und für das prüde Amerika durchaus fetzig und freizügig in Szene gesetzt.

Saga

Die Synapsen dürfen tanzen. Ein Genre-Crossover, ein kreuzundquerer Mix, der aufblüht und aufgeht. Trotz aller Spannung geht der Humor dabei nie verloren. Absurde Komik darf sich mit Tragik vermischen. Die Emotionen der Figuren sind unmittelbar und so wahrhaftig, als würde man irgendwie danebenstehen. Dabei kristallisiert sich ein bestimmendes Leitthema für mich heraus: „Saga“ stellt den Freiheitsdrang eines jeden Lebewesens in den Mittelpunkt des Geschehens. Marko und Alana wollen sich ein Stück ihres Glücks zurückholen – koste es, was es wolle. Prädikat: Unmenschlich gut!

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